Die Grünen haben gerade den 30. Gründungstag in Karlsruhe gefeiert. Klimaschutz und grüne Politik ist heute das Thema. Das war aber nicht immer so. Schaut man 30 Jahre zurück, so stellt man fest, dass der Klimaschutz zu diesem Zeitpunkt politisch noch keine Rolle gespielt hat. So tauchen im ersten Bundesprogramm der Grünen von 1980 weder die Worte Klimaerwärmung, noch Treibhauseffekt, oder Kohlendioxid auf. Dabei hatte die WMO bereits 1979 die erste Weltklimakonferenz veranstaltet.
Deren Ergebnisse waren allerdings auf wenig öffentliches und politisches Interesse gestoßen. Erst als die DPG am 22. Jan. 1986 die “Warnung vor der drohenden Klimakatastrophe” verkündet hatte und ein breites Medienecho fand, wurde der Klimaschutz von der Politik entdeckt. Zunächst warben die Grünen und später auch andere Parteien mit dem Klimaschutz um Wählerstimmen.
Schon 1979 war man um das globale Klima besorgt
Auf der Weltklimakonferenz (World Climate Conference) vom 12.-23.2.1979 in Genf, dem Sitz der Weltklimaorganisation WMO (World Meteorological Organisation) befassten sich Experten verschiedener UNO-Unterorganisationen mit dem Zusammenhang von Klima-Anomalien seit 1972 und der Klimabeeinflussung durch die menschliche Gesellschaft. Es wurde darauf hingewiesen, dass die Zunahme des Kohlendioxid-Gehaltes in der Atmosphäre die höchste Aufmerksamkeit der internationalen Staatengemeinschaft verdiene, weil eventuell auch gravierende langfristige Veränderungen des globalen Klimas verursacht werden könnten. Als eine Konsequenz dieser Klimakonferenz wurde das Weltklimaprogramm (WCP) (World Climate Programme) bei der WMO ins Leben gerufen.
Zu diesem Zeitpunkt war der Klimaschutz aber noch nicht ins öffentliche Interesse gelangt und damit kein Thema, mit dem man Wählerstimmen hätte gewinnen können. Themen wie Smog, Waldsterben und Ozonloch beherrschten in der ersten Hälfte der 1980er Jahren noch die Schlagzeilen. Das änderte sich erst 1986.
Die DPG (Deutsche Physikalische Gesellschaft) hatte im Januar 1986 eine “Warnung vor einer drohenden Klimakatastrophe” herausgegeben. Die Presseinformation der DPG hatte folgenden Wortlaut: “Der Arbeitskreis Energie der Deutschen Physikalischen Gesellschaft e. V. warnt in beiliegender Schrift eindringlich vor einer nahen, drohenden Klimakatastrophe. Bedingt wird diese durch den weltweit rapide steigenden Gehalt der Luft an Kohlendioxid und einigen weiteren Spurengasen. Der Arbeitskreis Energie der DPG lädt Sie ein zu einer Pressekonferenz am Mittwoch, 22. Januar 1986, 15 Uhr in Bonn, Hotel am Tulpenfeld, Heussallee 2.”
Diese “Warnung” wurde von den Medien aufgegriffen und am 11. August 1986 von dem Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL zu einem politischen Problem erhoben, denn als Folge anhaltender Treibhausgasemissionen sollte der Meeresspiegel ansteigen, um den Kölner Dom in den Nordseefluten versinken zu lassen.
So zeigte DER SPIEGEL auf der Titelseite den Kölner Dom in den Nordseefluten versinken. Erst danach wurde die Politik auf das Phänomen “Klimakatastrophe” aufmerksam.
Ende September 1986 wurde von den Grünen ein Umbauprogramm, zum Umbau der Industriegesellschaft verabschiedet. Hier wird Kohlendioxid als “Klimagas” identifiziert und es fällt zum ersten Mal das Wort “Klimakatastrophe”.
“… Kohlendioxid (C02) ist zwar in den natürlichen Konzentrationen für Menschen und Tiere ungefährlich, für Pflanzen sogar lebensnotwendig. In den erhöhten Mengen jedoch, wie sie zur Zeit durch die Verbrennung fossiler Energieträger in der Atmosphäre erzeugt werden, stellt das C02 die Hauptgefahr für das Wärmegleichgewicht der Erde dar.”
“Bei der Verbrennung fossiler Energieträger entsteht notwendigerweise das Abgas Kohlendioxid, das nach heutiger Kenntnis zu einer globalen Klimakatastrophe führen kann.”
Im folgendem Jahr 1987 wurde die Enquete-Kommission “Vorsorge zum Schutz der Erdatmosphäre” einberufen. Damit war einer drohenden Klimakatastrophe der politische Weg geebnet. Der Weg eröffnete der Politik die Einführung neuer Instrument, diese Instrumente heißen Ökosteuer und Emissionshandel. Das breit entfachte öffentliche Interesse versprach zudem Wählerstimmen.
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Die Grünen zogen 1990 mit dem Slogan “Alle reden von Deutschland. Wir reden vom Wetter” in den Wahlkampf und haben somit sie “Klimakatastrophe” erstmals im Wahlkampf einer Bundestagswahl verwendet.
Andere Parteien zogen nach. Heute wirbt selbst die CSU mit dem Thema Klimaschutz.
Festzustellen ist, der Klimaschutz ist nicht um die Besorgnis um unseren Planeten heraus auf die politische Agenda gesetzt worden, sondern als Mittel zum Zweck. Erst als die “Klimakatastrophe” mediale Aufmerksamkeit erlangt hatte, wurde sie politisch attraktiv. Das “Projekt” Klimaschutz hat sich heute soweit verselbstständigt, dass es auf keiner politischen Agenda mehr fehlen darf. Nicht nur die Politik hat den Klimaschutz für sich entdeckt, sondern auch die Werbung, wie diese Beispiele zeigen.
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