Müssen wir angesichts der finanziellen Probleme noch lange darauf warten, bis die Dämme brechen? Oder sollen wir lieber rechtzeitig in Panik geraten?
Dazu ist es zu spät. Die Dämme sind längst gebrochen, nein, sie wurden abgeschafft. Die Parteien sind freiwillig bestechlich und käuflich geworden, als sie das Gesetz über die Parteifinanzierung geändert haben und die skandalösen Parteispenden legitimierten. Damit die Gerichte nicht noch mehr überlastet sind, als es heute der Fall ist, wurden die Parteispenden dem Strafregister entnommen. Nur damit die Parteien nicht mehr kriminell werden können, ja gar nicht einmal in die Nähe der organisierten Kriminalität geraten können, wurden die Gesetze zur Parteifinanzierung zu Gunsten der Kriminellen verändert.Damit sind die Dämme, welche die politische Kriminalität eindämmen sollten, eigentlich nicht gebrochen, sie wurden kurzerhand abgeschafft. Also gibt es keine ernstzunehmenden Dämme, die noch brechen könnten. Die Bestechlichkeit und Korruption breiten sich seit langem ungehindert aus und vergiften das politische Leben. Es geht nicht mehr um das Wohl des Volkes, sondern um das Wohl der politischen Parteien, die sich selbstherrlich dem Volk gegenüberstellen.
Geld als Leitidol
Seitdem kümmern sich die Politiker nicht mehr darum, dass der Staat genug Geld einnimmt, sondern nur noch darum, dass ihre Parteien genug Geld einnehmen. Der Staat selbst wird der finanziellen Verwesung überlassen. Der Staat wird mit gigantischen Schulden belastet, nur damit sich die Parteien durch den verschuldeten Staat auch noch subventionieren lassen können.
Die Privatisierung des Staates hat also durch die politische Parteien angefangen. Sie haben den Staat zu ihrem Eigentum erklärt, um ihn ausbluten zu lassen. Genauso wie es die Zecken mit ihrem Gastwirt machen: mit den Hunden oder auch den Menschen. Die Parteien haben den Staat und seine Ämter für sich als Geldquelle entdeckt. Und viele gehobene Parteimitglieder auch – für sich selbst, ohne mit der Partei zu teilen.
So haben die politischen Parteien und deren Protagonisten die auf uns zurollende Krise gut vorbereitet. Ohne dass wir auf der politischen Ebene genug sichere Dämme gegen die Krise hätten. Es wird improvisiert und es wird um die Zukunft der Staaten gezockt. Zuverlässige Rezepte scheint es gegen die Geldgier und die dabei entstehende Armut nicht zu geben.
Kommt die Weltrevolution?
Karl Marx war der Meinung, dass die Revolution nicht in einem einzigen Land erfolgreich ausbrechen könne, sondern sie müsse wie ein Flächenbrand viele Länder erfassen. Während wir von zu Hause aus den Griechen zuschauen, wie sie gegen die Sparmaßnahmen der Regierung protestieren, formen sich in Bangkok die Protestler zum Kampf. Und die Lage wird immer unübersichtlicher. Rot gegen Gelb, Arm gegen Reich.
Harte Sparmaßnahmen sind vor allem gegenüber den einfachen Menschen hart, nicht gegenüber den Wohlhabenden. Also haben die Regierungen der hochverschuldeten Staaten in Europa und in der Welt keine andere Möglichkeit, als die einfachen Menschen zu immer mehr Protesten zu provozieren, wenn sie hart sparen wollen.
Das gut geschützte Reichtum auf der einer Seite schafft weit verbreitete Armut auf der anderen Seite. Wir müssten also mit dem Reichtum vorsichtig umgehen, um Armut, Proteste und Revolutionen zu vermeiden. Leider sind die Politiker vor allem auf die Reichen stolz, wenn sie stolz auf das Reichtum Deutschlands hinweisen. Und die armen Menschen verlieren sie bei ihrer stolzen Betrachtung des Vaterlandes einfach aus dem Sichtfeld. Der stolz auf den Reichtum macht für manche Detail blind. Bis die Lage unerträglich wird und ganz von alleine zusammen zu brechen beginnt. Die Krise begräbt so manchen Stolz, sie ist aber auch ein Neuanfang. Mit der Krise könnte auch die Wandlung der Gesellschaft anfangen, hat Karl Marx gemutmaßt.
Blut und Tränen?
Die Revolution wird nur dann blutig, wenn sich die Mächtigen und die Reichen gegenüber der Verantwortung für die Krisen mit aller Gewalt verteidigen. Wenn die Politiker und die Reichen der Meinung sind, dass die Eigentumsverhältnisse, welche die Krise herbeigeführt haben, unbedingt und um jeden Preis bestehen bleiben müssen, damit es ja keinen anderen Ausweg aus der Krise gibt als die Revolution.
Deswegen war Karl Marx der tiefen Überzeugung, dass die Revolution immer von der Elite, von den Mächtigen und Reichen vorbereitet wird. Von dem Fußvolk auf der Straße wird sie dann nur noch durchgeführt, wenn die gesellschaftliche Elite nicht in der Lage ist, selbst verantwortungsvoll und in Eigenregie revolutionäre Veränderungen durchzuführen.
Doch das Volk bleibt ruhig
Wie immer bleibt das Volk anfangs ruhig. Die Unruhe entsteht zuerst an den Märkten, durch die Spekulanten, welche nicht nur große Konzerne wie Karstadt, sondern auch ganze Länder wie derzeit Griechenland ins Chaos stürzen wollen. Erst dann geht das Volk auf die Straße. Die Provokateure der Revolution bleiben anonym, hinter ihrem Geld versteckt, mit den Mächtigen gut angefreundet, um sie dann für dumm zu verkaufen.
Unwahrscheinlich
Auch wenn hier und da noch Blut fließen wird, kommt die Revolution wahrscheinlich ohne größeres Blutvergießen voran. Wir haben uns den größten Teil der geschichtlichen Brutalität abgewöhnt. Selten lässt sich demnächst ein Wachmeister dazu aufhetzen, um auf Demonstranten zu schießen. Auch die Polizisten gehören zum Volk, sie werden von dem Volk schließlich bezahlt. Das ist Demokratie. Nur wenn die Polizisten und alle andere Beamten aus der Hand des Kaisers oder eines anderen Privatmenschen bezahlt worden wären, müssten sie dessen Hand küssen. Das ist aber nicht der Fall.
Deswegen ist es viel wahrscheinlicher, dass sich demnächst viele Menschen fragen werden, ob sie auch zum Volk gehören. Oder ob sie den mächtigen Politikern und den Reichen gehören. Ob sie deren Eigentum sind.
Es ist viel wahrscheinlicher, dass die Unzufriedenheit und Empörung einfach so lange wachsen werden, bis die Politiker und die politischen Parteien endlich zur Verantwortung gezogen werden. Bis das Volk entscheidet, dass die Staatsschulden von den Parteien und Politikern zurückgezahlt werden müssen, welche diese Schulden verursacht haben. Und wie sie das ohne die Staatliche Subventionierung bewerkstelligen, ist deren Problem. Sie müssen halt wie immer in den Sternen lesen. Aber die Krise wird dann vorbei sein.
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