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Fluchthelfer und andere schmutzige deutsche Menschenhändler Antipode – vom Fluchthelfer zum Stasispitzel Der Vertrag Aktenvermerk über die Aussprache mit Wolfgang M., Häftling im Strafvollzug Rummelburg, am 14.7.1982 durch ZKG Oberstleutnant Simon. Ziel des Gesprächs ist das Kennenlernen des Gefangenen und Klärung seiner weiteren Bereitschaft zur Zusammenarbeit nach seiner Entlassung aus

Antipod.jpgFluchthelfer und andere schmutzige deutsche Menschenhändler

Antipode – vom Fluchthelfer zum Stasispitzel

Der Vertrag

Aktenvermerk über die Aussprache mit Wolfgang M., Häftling im Strafvollzug Rummelburg, am 14.7.1982 durch ZKG Oberstleutnant Simon. Ziel des Gesprächs ist das Kennenlernen des Gefangenen und Klärung seiner weiteren Bereitschaft zur Zusammenarbeit nach seiner Entlassung aus der StVE.

M. erklärt vorbehaltlos seine Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit dem MfS. Er wolle sich dann aber nicht mit “Kleinigkeiten” abgeben, wozu er entsprechend belehrt wurde, dass wir nicht beabsichtigten, Gewaltakte u.ä. durchzuführen.

Ihm wurde erklärt, dass alle weiteren Fragen einer weiteren Zusammenarbeit bei einer Zusammenkunft nach seiner Entlassung behandelt werden, die in nächster Zeit auf unser Bemühen hin erfolgen könnte.

Er gab an, sich nach seiner Entlassung, mit der er vorerst nicht rechne, zu seinen Eltern zu begeben, sich dann wohnungs- und arbeitsmäßig selbstständig zu machen. Seine Schulden seien von seinen Eltern beglichen worden.

Aus Zeitmangel wurden nun grundlegende Fragen behandelt, die für die Anfangsphase bedeutsam sind. Dazu erfolgten Forderungen und Empfehlungen:

- sich jeglicher Aktivitäten gegen die DDR zu enthalten,

absolut keine Angaben über unser Kontakte zu tätigen, wir halten uns unter diesen Voraussetzung gleichfalls daran.

- Wahrheitsgetreue Aussagen über die Untersuchungshaft zu machen, unter Weglassung solcher Fakten wie Benennung SK (aus Cottbus, Heiligenstadt)

- keine unangemeldeten Einreisen zu versuchen, da eine ER-Sperre vorliegt

- sich eine neue soziale Basis zu schaffen, dabei nicht fest politisch binden, einen objektiven Betrachter vorzugeben, nicht gegen Verhältnisse in der BRD aufzutreten oder sich mit Extremisten zu liieren.

- Angebote für eine Arbeit für westliche Abwehrorgane auszuweichen, ohne das hartnäckig zu verweigern, wenn sich Nachteile daraus ergeben.

Es wurde weiter vereinbart:

- Nach ca. zwei bis drei Monaten richtet der Kandidat eine Karte

- ohne Datum

- von einem vom Wohnsitz entfernten Ort

- mit allgemeinen Grüßen, die sein Befinden ausdrücken an die DA

- unterzeichnete mit “Sonja” unter anderem Namen sowie

- verstellter Schrift.

- Nach weiteren zwei bis drei Monaten ist eine Zusammenkunft an gleicher Adresse unter Beachtung o.g. Fakten terminlich anzukündigen.

- entscheidend ist das handgeschriebene Datum

- drei Wochen danach (gleicher Wochentag) erfolgt seine ER (Einreise) in die Hauptstadt Berlin über Güst, Friedrichstraße.

- Das Sicherheitstreffen erfolgt am Vorverkauf der Staatsoper zwischen 9.00 und 10.00 Uhr. Dabei erhält er Verhaltensregeln.

- Die Post ist von verschiedenen Orten abzusenden. Zu Mitte Dezember bis Mitte Januar wird kein Treff angekündigt.

- Nach rechtzeitiger ER hat er mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Kontrolle verschiedenen Orte in Berlin aufzusuchen.

- Kommt eine Zusammenkunft nicht zustande, ist die Verbindungsaufnahme nach den gleichen Prinzipien zu wiederholen.

Gesamteindrucks des Gesprächs:

Er verfolgt aufmerksam das Gespräch. Reagiert rasch und überlegt, zeigt Erfahrung im Umgang mir Polizeiorganen, sowie bei Fragen der Tarnung und Legendierung und machte von sich aus sinnvolle Vorschläge.

Es ist anzunehmen, dass sich der Kandidat weiterhin an die Vereinbarungen hält. Dazu dürften ihn folgende Umstände vordergründig motivieren:

- die bedeutend vorzeitige Entlassung “auf unser Betreiben”

- die ihm erklärte Bedeutung seiner Aussagen, die zu Verhaftung führten

- ein beachtlicher Hang zum Abenteuer, aber ohne die sonst typische Leichtfertigkeit.

Der Kandidat wirkt durch Figur, feste Gesprächsführung, Ausdrucksweise seriös und gewandt.

Er dürfte in der Lage sein, einen relativ breiten und differenzierten Umgangskreis zu gewinnen und auszubauen.

Er zeigte trotzt aktiver Gesprächteilnahme keine Neugier, stellte begründete Fragen zur Sache und ließ beachtliche Gedächtnisleistung erkennen.

Oberstleutnant Simon

Minister für Staatssicherheit, Hauptabteilung IX/BfS

Nach erfolgter Abstimmung durch Ihre Diensteinheit mit der zuständigen operativen Diensteinheit wird nachstehend aufgeführter Strafgefangener am 4. August 1982 aus der Strafhaft entlassen.

Oberstleutnant Bröhme

Schnitzel mit Kartoffelsalat

Als Wolfgang M. bundesdeutschen Berliner Boden betrat, aß er erstmal viel und kräftig und trank große Biere. Er telefonierte mit seinem Sancoussiraubkollegen Bernd W. und gemeinsam lachten sie über die Dummheit der Stasi. Denn nichts hatte den schwergewichtigen Fluchthelfer mehr verblüfft als der DDR Strafvollzug, dieses Rummelsburg-Schreckgespenst in der westlichen Wandersage. Ursprünglich glaube er, man würde dort gefoltert, in Dunkelhaft gesteckt, man lasse ihn am Hungertuch nagen und anderes. Nichts dergleichen. Sogar 18 Prozent des ortsüblichen Lohnes verdiente er bei seiner Arbeit. Dagegen war die Arbeit im Gefängnis des Westens Sklavenarbeit. Dass er so leicht durchkommen würde, ohne ein Kilo Verlust, im Gegenteil, mit 134 war er eingefahren und mit 136 kam er wieder in die Freiheit. Das schmerzte nicht so, um die Finger vom lukrativen Geschäft mit der Fluchthilfe zu lassen.

Als ihn Werner P., den er der Stasi für seine Schnittchen geopfert hatte, in der BRD anzeigte, wegen dieser Denunziation, arbeite Wolfgang M. längst wieder an einer neuen Fluchthilfeorganisation und das Verfahren gegen ihn stellte der Frankfurter Richter lapidar wegen Geringfügigkeit ein. Werner P. erhängte sich später, kurz vor der Grenzöffnung. Vielleicht wäre es besser gewesen, er hätte Wolfgang M. totgeschlagen. Einige Menschen hätten so ihre Freiheit nicht verloren, auch wenn es nur DDR Freiheit war, sozialistische.

Der IMB sitzt mit am Tisch

Hatte der gern essende Fluchthelfer Wolfgang M. bisher immer für fremde Organisationen gearbeitet, wollte er nun selbst Chef sein, zumal er selbst ja auch nicht mehr als Kurier seine Dienste verkaufen konnte. Darum gründete er mit einigen anderen die internationale Fluchthilfeorganisation Abbax. Behilflich dabei war ihm auch die bundesdeutsche Entschädigung von 10.000,- DM die er für seine nach BRD Maßstäben zu Unrecht erlitten DDR-Haft bekommen hatte.

Zur Tarnung gründete er einen Verein für Sozialschwache und nahm sein Sozialarbeiterstudium wieder auf. Hinter dieser Maske spann er die Fäden für das ganz große Geschäft mit fluchtwilligen DDR-Bürgern. An seinem Tisch immer der IM “Becker” der jede Bewegung Ms. der zentralen Koordinationsgruppe Abteilung 2, Referat übermittelte. Wo auch immer der dicken Mann aß, ins Kino ging oder am Geldspielautomaten spielte, wer auch immer zu ihm kam oder wen er besuchte, die Stasi wusste bescheid. Sogar die Marke seiner Armbanduhr kannte sie. Alles dokumentiert mit Fotos.

Es wundert daher nicht, dass die Stasi die Namensliste der fluchtwilligen Bürger der DDR erhielt.

Im Dosier heißt es dann so: Im Verlauf mit IM Becker brachte dieser seinen Bkannten Gert B. ins Blickfeld des MfS, zu dem ab März 1985 ebenfalls inoffizielle Kontakte unterhalten wurden. B. übergab ebenfalls umfangreiche Informationen zu den Aktivitäten der internationalen Fluchhilfegruppe.

Im Sachstandsbericht vom 11.11. 1985 erfolgte eine umfassende Einschätzung des operativen Erkenntnisstandes zur Aufklärung der Fluchthilfeorganisation auf der Grundlage der eingeleiteten operativen Maßnahmen und den von den IMs übergebenen Informationen.

Kurz noch werden die Motiven des Wolfgang M. eingeschätzt: Hass auf die DDR und Geldgier. Lapidar heißt es dann weiter: Entsprechend der zu diesem Zeitpunkt vorliegenden Informationen der Internationalen Fluchthilfegruppe Abbax wurden die Schleusungsaktionen verhindert.

Es folgt eine Namensliste von 7 Personen. Datum: 30. Januar 1989.

Natürlich wurden diese Menschen eingelocht und Wolfgang Ms. Traum vom großen Geld zur Sicherung nach mit Leberpastete belegten Schnittchen brach zusammen. Auch seine Spielsucht musste er einschränken. Er legte mit Hilfe anderer sein Examen für Sozialarbeit ab, saß später noch mal für zwei Jahre wegen Vergewaltigung ein und arbeitet heute als Sozialarbeiter im ehemaligen Osten. Seine Lebensgefährtin, eine Ossifrau, Beamtin im Strafvollzug der ehemaligen DDR weiß nichts von seiner Geschichte.

Vielleicht wird es noch mal kritisch, wenn er seine Rente in Anspruch nimmt, denn jeder der über sechs Monate im Gefängnis des Unrechtsstaates DDR gesessen hat, hat Anspruch auf monatlich 250,- Euro.

“Herr M., haben Sie denn jemals rausbekommen wer der IM Becker war? Der muss ja direkt bei Ihnen im Bett gelegen haben.”

“Ne, nie, ist auch egal!”

“Haben Sie denn mal über die Leute nachgedacht, die wegen Ihnen in den Knast gingen?”

“Nicht mein Problem, war deren Risiko.”

Heute coacht der schwer zuckerkranke Fluchthelfer ehemalige DDR-Bürger, die den Anschluss im Westen verpasst haben, hohe Offizier, Akademiker, junge rechte Ossis. Er ist wieder eingebettet in ein Netzwerk.

“Das brauche ich, ich kann mich doch so schlecht bücken.!”

Zwei, dreimal die Woche geht er zum Pfennigskaat und Briefmarken verkauft er über Ebay. Und wenn er mal in Geldnöten sei?

“Dann rufe ich meinen Onkel Dagobert Duck in Entenhausen an, der bringt was vorbei!

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