Derzeit sinkt der Euro-Wechselkurs gegenüber dem US-Dollar deutlich. Nachdem er zum Jahresende die Marke von 1,50 US Dollar für einen Euro überschritten hatte, fällt er derzeit unter den Wert von 1,24 US Dollar gegenüber dem Euro. So what? Nach der aktuellsten Kaufkraftparitätenmessung der OECD liegt der langfristige Euro-Dollar-Wechselkurs bei 1,18 US Dollar für 1 Euro. Mithin war der Euro deutlich überbewertet, nimmt man die Kaufkraftparität als Bezugsgröße.
Währungsspekulanten machen die Eurozone wettbewerbsfähiger
Warum war dies bisher für die Eurozone kein so großes Problem? Offenbar war die Wirtschaft der Eurozone wettbewerbsfähig genug, um auch bei einem höheren Wechselkursverhältnis auf den Weltmärkten bestehen zu können. Deutschland war insbesondere jahrelang Exportweltmeister.
Wenn also der Euro gegenüber dem US-Dollar fällt, dann wird die Wirtschaft der Eurozone preislich wettbewerbsfähiger. Die Spekulanten sorgen also für ein kostenloses Konjunkturprogramm für die Mitgliedsländer. Weshalb sollte dies die Eurozone-Länder beunruhigen?
Es wäre eher an der Zeit, dass sich die US-Regierung Gedanken darüber macht, denn letztendlich kostet es ihre Wirtschaft Arbeitsplätze. Nachdem man jetzt gerade einmal 290 Tsd. neue Jobs verzeichnen konnte, könnte diese Entwicklung bei einer weiteren Euro-Krise deutlich wieder ins Gegenteil umgekehrt werden. Mithin droht die Währungsspekulation das Wirtschaftswachstum der USA zu stoppen. Es zahlt sich eben nicht aus, wenn man der Wallstreet die Herrschaft über die Wechselkurse überlässt. Denen geht es um den kurzfristigen Wechselkursgewinn, ansonsten herrscht dort eine Nach-mir-die-Sintflut-Einstellung. Die Dominanz der Finanzwirtschaft über die übrige Ökonomie führt die USA immer tiefer in die Krise.
China dürfte diese Entwicklung ebenfalls mit Sorge beobachten, denn man hat sich ja trotz heftiger Proteste der USA an den US-Dollarkurs gekoppelt, d.h. nicht nur der US-Dollar wertet kräftig auf, sondern der chinesische Yuan ebenso. Der Yen steht ebenfalls unter einem kräftigen Aufwertungsdruck. Das dürfte die Industrie in der Eurozone freuen, denn damit sinkt die preisliche Wettbewerbsfähigkeit all ihrer Konkurrenten deutlich.
Wird der Euro an einem niedrigen Wechselkurs zerbrechen?
Gemach ihr Panikmacher. Schauen wir uns einmal die Entwicklung seit Einführung des Euros an, dann erreichte er mit 0,8285 im Jahr 2001 seinen historischen Tiefststand gegenüber dem US-Dollar. Bis dahin fließt offenbar noch viel Wasser die Spree herunter. Zudem zeigt dieser Fall, dass auch dann die Eurozone nicht zusammengebrochen ist. Mithin ist die ganze Argumentation der Spekulanten in dieser Hinsicht nicht stimmig und der Spiegel oder die Financial Times Deutschland sollten im Konzert mit Ackermann nicht diesen Unsinn immer wiederholen. Der Kommentar zum Thema Ackermann soll mal das Maul halten in der Financial Times trifft hier den Punkt.
Wer immer wieder Zweifel sät, könnte am Ende Sturm ernten.
Welchen Schaden könnte die Eurozone durch die Abwertung gegenüber anderen Währungen erleiden?
Der einzige relevante Faktor, der negativ auf die Eurozone durchschlagen könnte, wäre eine hohe Auslandsverschuldung in Fremdwährungen. Hier könnten einige durch carry trades in Schwierigkeiten kommen. Insgesamt dürfte jedoch die Eurozone als Nettogläubiger gegenüber den USA und anderen Ländern firmieren. Da die Sparquote beispielsweise in Deutschland höher liegt als die Investitionsquote im Inland, werden im Ausland Forderungen erworben. Eine positive Nettoersparnis der Eurozone garantiert daher auch einen positiven Vermögenseffekt auf die Auslandsforderungen bei einem Wechselkursfall des Euro. Mithin steht potentiellen Verlierern innerhalb der Eurozone immer eine größere Anzahl von Gewinnern gegenüber.
EZB kann am Devisenmarkt intervenieren
Wenn es daher den Mitgliedsländern der Eurozone gefällt, können sie auf Beschluss des EcoFin-Rats auch Devisenmarktinterventionen der EZB veranlassen. Durch den Verkauf von US-Dollar – davon gibt es ja sowieso reichlich – kann sie jederzeit den Kurs des Euro stabilisieren, wenn sie will. Man muss nur aufhören, bei jeder solcher Maßnahme ein Geschrei anzufangen, das zeige wie schwach der Euro ist. Japan hat seit Jahren immer wieder offen oder auch verdeckt Kurspflege seines Wechselkurses betrieben. China fixiert einfach seinen Wechselkurs. Was wäre, wenn die Eurozone ihren Kurs auf die Kaufkraftparität von 1,18 US Dollar je Euro fixiert?
Die Eurozone kann dies notfalls auch, wenn Bedarf bestünde.
Es wäre sofort Schluss mit der ganzen Geschichte. Das System der flexiblen Wechselkurse ist sowieso gescheitert – weil niemand an einer raschen Anpassung der Kurse an reale Faktoren interessiert ist – und sollte abgelöst werden. Die USA verlören damit auch ihr ungerechtfertigtes Privileg.
Der Witz ist ja gerade, dass die Medien ständig davon berichten, dass konkrete Schritte zur Stabilisierung ergriffen werden, dann sofort ein Chor erschallt, das reicht aber alles nicht.
Der Tod der Spekulanten
Man stelle sich jedoch nur einmal vor, was passieren würde, wenn die EZB ohne vorherige Ankündigung den Eurokurs gegenüber dem US-Dollar für die kommenden drei Monate nach oben treiben würde. Es gäbe einen Crash bei den Devisenmarktspekulanten à la VW-Aktie. Plötzlich müssten alle horrende Verluste hinnehmen, weil über Hebelprodukte mit kurzen Laufzeiten die ganze Spekulationswelle rollt.
Wenn sich die Truppe dann dabei gründlich die Finger verbrannt hätte, wäre wohl auch für einige Zeit Ruhe. Die Euroländer müssen nur wollen, dann wehren sie jedwede Spekulationsattacke ab. Die Mittel und Möglichkeiten stehen dazu bereit. Mithin ist die Eurokrise ein Konstrukt, das den Menschen über die Medien, die Ratingagenturen, etc. in die Köpfe gehämmert wird. Leider habe sie damit in gewissem Maße immer wieder Erfolg. Das sollte jetzt rasch und deutlich geändert werden.
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Sehr geehrter Herr Erber. Ich erlaube mir zu ihrem Artikel eine Gegenmeinung eines Bloggers einzufügen, dessen Meinung über den Euroschwindel ich teile. Somit stelle ich mich auch leicht konträr zu dem ihrigen Kontext das der Euro überleben wird. Es ist gar nicht gewollt. http://derhonigmannsagt.wordpress.com/2010/05/15/ezb-einer-zahlt-bestimmt/