überkanzler Ackermann?

Lieber Leser, lieber Sparer, angenommen Sie wären in einer nicht völlig hässlichen Stadt zuhause, die als Gelddrehscheibe dient, und Sie hätten dort ein großes Bankhaus zu leiten… So groß, dass Ihr Einfluss bis ins Regierungsviertel reicht, ja, dass Sie sogar zum eigenen Geburtstag dorthin eingeladen werden. Spesenfrei versteht sich. Schließlich

joese.jpgLieber Leser, lieber Sparer, angenommen Sie wären in einer nicht völlig hässlichen Stadt zuhause, die als Gelddrehscheibe dient, und Sie hätten dort ein großes Bankhaus zu leiten…

So groß, dass Ihr Einfluss bis ins Regierungsviertel reicht, ja, dass Sie sogar zum eigenen Geburtstag dorthin eingeladen werden. Spesenfrei versteht sich. Schließlich verwalten Sie unter anderem das Vermögen der hundert reichsten Familien des Landes in Höhe von mindestens 1000 Milliarden Euro.

Stellen wir uns das Undenkbare vor, es käme eine Finanzkrise über die bisher heile Welt und Sie säßen als Finanzmogul auf einem Haufen wertloser Papiere, die Sie auch Ihren besten Kunden empfohlen haben.

Weiter angenommen, Sie hätten, findig wie Sie sind, um sich und Ihre Kunden zu sanieren, Wetten auf den Verfall von Kursen und Währungen abgeschlossen – sogenannte Leerverkäufe – über Sicherungspapiere und mit Hebelwirkung versteht sich.

Unterstellt, Sie hätten sich mit drei oder vier Chefs anderer Bankhäuser zusammengetan, um die Ereignisse herbeizuführen, auf die Sie gewettet haben und nun würde eine staatliche Rettungsaktion den Gewinn Ihrer Wetten gefährden, die Kurse und Währungen, auf deren Verfall Sie gewettet haben, würden sich erholen. Dies alles angenommen und unterstellt – was würden Sie dann tun, wenn Sie nur noch eine kurze Weile bis zum Abrechnungstermin der Wette Zeit haben?

Gerüchte streuen, Interviews geben, Panik schüren?

Ein solches Szenario mag in einem fiktiven Paralleluniversum denkbar sein, in unserer durchrationalisierten Welt, in der die Vernunft des Marktes wohltuend auf die Wirtschaft einwirkt, sind solche Vorgänge nicht möglich.

Bis auf eine Ausnahme, – Franz Steinkühler- , wissen wir hier in Deutschland auch nichts von größeren Insidergeschäften oder Kursmanipulationen, haben zumindest nichts davon erfahren.

Themenwechsel.

Josef Ackermann darf wohl zu Recht als eine Art grauer Finanzeminenz gelten. Als Deutschlands Richelieu haben ihn manche schon bezeichnet, hinter vorgehaltener Hand sogar als den überkanzler. Lieber Leser und Sparer, wir beide und viele andere, wissen, dass das nicht stimmt.

Ackermann ist kein Kardinal und auch kein Franzose. Der Richelieu-Vergleich ist also völlig unpassend. Dass die Deregulierung der Finanzmärkte der letzten 12 Jahre seinem Haus, der Deutschen Bank, zumindest auf dem Papier Milliardengewinne eingebracht hat, ist eher Zufall und hat vor allem mit Ackermanns Können, aber nichts mit politischer Lobbyarbeit zu tun.

Josef Ackermann nutzte die Gunst der Stunde. Er trennte sich rechtzeitig von Papieren der IKB und warnte danach in staatsmännischer Verantwortung die Anlegerschar. Dass er damit die HRE an den Rand des Abgrunds brachte, ist nicht seine Schuld, sondern die Folge einer Art Naturkatastrophe, die mit menschlichen Aktionen nichts zu tun hat, schon gar nicht mit denen Josef Ackermanns.

Auch dafür, dass die Bundesregierung den Steppenbrand mit 50 Milliarden für die HRE und 18 Miliarden für die Commerzbank vorerst unter Kontrolle bringen musste, kann Josef Ackermann nichts. Seine engen Kontakte zu Angela Merkel sind rein privater Natur, von Einflussnahme kann keine Rede sein.

Zugegeben: Das Bundeskanzleramt hat für Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann im Frühjahr 2008 ein Abendessen zu seinem 60. Geburtstag ausgerichtet. Auf Staatskosten versteht sich. Doch das hätte Angela Merkel auch für jede Putzfrau oder jeden Elektroinstallateur getan, wenn ihr solche Menschen persönlich bekannt gewesen wären und das Budget noch ausgereicht hätte.

Das alles wissen wir.

Dennoch ist es seltsam, dass Josef Ackermann sich ausgerechnet, nachdem die 750 Milliarden-Rettungsaktion für Griechenland und den Euro so fulminant Wirkung gezeigt hat, zu Wort meldet und das Desaster, den Kollaps heraufbeschwört. Früher – vor anderthalb Jahren – war das anders. Wenn wir nicht genau wüssten, dass der Schweizer Chefbanker einer rigorosen Ethik folgt, könnte man hier sogar eine Strategie der self-fulfilling prophecy vermuten

So aber verbietet sich jedes Wort der Kritik oder des Verdachts.

Auch wenn die nächsten Tage turbulent aussehen, vielleicht eine Achterbahnfahrt der Kurse und Gefühle bringen sollten, es gilt weiterhin: Ruhe ist die erste Sparerpflicht. Nehmen wir uns in diesen schweren Tagen ein Beispiel an Gerhard Schröder, dem “Kanzler der ruhigen Hand”, mit der er den Analysten und Wertpapierhändlern die schweren Türen zu den Tresoren der Banken und Sparkassen geöffnet hat und vergessen wir nicht Angela Merkel, die mit entschlossenem Abwarten die Griechenland-Krise gemeistert und den Euro gerettet hat.

Photo Quelle/Copyright: Deutsche Bank AG, cc creative commons, Bestimmte Rechte vorbehalten, via flickr

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