El Niño schwächelt

Der letzte Winter und der diesjährige Mai sind deutschlandweit bisher deutlich zu kalt ausgefallen. Global wird aber eines der wärmsten Jahre seit Beginn der Temperaturaufzeichnungen erwartet. Wie passt das zusammen? Des Rätsels Lösung sind die globalen Wettersysteme. Der Stand der Dinge Aktuell befinden wir uns in einer El Niño-Phase. Eine

Der letzte Winter und der diesjährige Mai sind deutschlandweit bisher deutlich zu kalt ausgefallen. Global wird aber eines der wärmsten Jahre seit Beginn der Temperaturaufzeichnungen erwartet. Wie passt das zusammen? Des Rätsels Lösung sind die globalen Wettersysteme.

Der Stand der Dinge

Aktuell befinden wir uns in einer El Niño-Phase. Eine Wetteranomalie, einhergehend mit warmen Oberflächenwasser im Zentral- und Ostpazifik. Diese Temperaturanomalie ist nun am ausklingen.

Neben dem El Niño gab es ein zweites Wetterereignis, welches vor allem in der Arktis in den letzten Monaten für hohe Temperaturen gesorgt hat, nämlich eine schwache Arktische Oszillation. Der Winterindex der Arktischen Oszillation (AO) lag auf einem Rekordminimum und hat der Arktis Temperaturen beschert, die bis zu 4°C über dem langjährigen Referenzmittelwert lagen. Auch diese Anomalie klingt nun langsam aus.

Der Arktis brachte das Rekordtief der winterlichen AO Wärme, in weiten Teilen der USA, Asien und Europa hat die AO hingegen für winterliche Kälte gesorgt. Das haben wir auch in Deutschland zu spüren bekommen. Global gesehen gab es durch die großflächigen Wärmeanomalien im Pazifik und der Arktis (Regionen, die weitgehend unbewohnt sind) jedoch ein Zwischenhoch der Globaltemperatur.

Der Ausblick?

Die National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA), die Wetter- und Ozeanografiebehörde der Vereinigten Staaten, prognostiziert für die nächsten Monate fallende Temperaturen im Pazifik und in der Arktis. Tendenziell ist also mit einer sinkenden Globaltemperatur zu rechnen. überraschend kommt das nicht, denn Wettersysteme ändern sich in aller Regel zyklisch, einem Temperaturhoch folgt somit ein Temperaturtief.

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Der Beginn dieser Entwicklung zeichnet sich auch im Datensatz der NASA ab. Die Globaltemperatur ist im Monat April gegenüber dem Vormonat leicht gesunken. Selbes zeigen auch die Satellitendaten.

Die NOAA-Modelle (Ensemblemittel) prognostizieren für Herbst/Winter 2010/11 eine Abkühlungsphase im Zentral- und Ostpazifik, einen angehenden La Niña. Damit könnte die Globaltemperatur weiter sinken.

Entscheidend für diese Entwicklung ist die El-Niño-Südliche-Oszillation (El Niño Southern Oscillation, ENSO). Sie beschreibt ein komplex gekoppeltes Zirkulationssystem von Atmosphäre und Ozean im tropischen Ost-Pazifik. El Niños (Warmphasen, die zur Weihnachtszeit auftreten, einhergehend mit einer Erwärmung des Oberflächenwassers) und La Niñas (Kaltphasen, einhergehend mit einer Abkühlung des Oberflächenwassers) stehen dabei für die ozeanischen Zusammenhänge, während die Südliche Oszillation bzw. Southern Oscillation für die atmosphärischen Zusammenhänge steht. (Variationen des Luftdrucks auf Bodenniveau zwischen West- und Ostpazifik (südostasiatisches Tiefdruckgebiet und südostpazifisches Hochdruckgebiet)).

Der Southern Oscillation Index (SOI) ist ein statistisch berechnetes Maß zur Voraussage und Abschätzung des El Niño-Phänomens. Auswertungen langjähriger meteorologischer Messungen im Südpazifik haben ergeben, dass die ungewöhnliche Erwärmung (oder Abkühlung) des Ozeans einhergeht mit charakteristischen Anomalien des Luftdrucksunterschieds zwischen West- und Ostpazifik. Der SOI wird daher aus Luftdruckdifferenzen zwischen Tahiti und Darwin Australien errechnet.

Das Ergebnis ist eine Maßzahl zwischen -30 und +30. Ist dieser Wert positiv deutet dies auf eine Abkühlung des Ozeans hin (La Niña), wird der Wert negativ ist dies gleichbedeutend mit einer Erwärmung (El Niño). Aktuell ist der SOI-Wert (unterer Teil der Abbildung, auf dem Kopf stehend dargestellt) stark am steigen und die positive Temperaturanomalie im Zentral- und Ostpazifik (Nino3.4 SSTA) (oberer Teil der Abbildung) am ausklingen.

Diese Entwicklung wird voraussichtlich über die nächsten Monate hinweg anhalten. Mit der nächsten El Niño-Phase (Warmphase) ist nicht vor dem Winter 2011/12 zu rechnen. Die Globaltemperatur stagniert voraussichtlich weiter auf hohen Niveau. Die globale Erwärmung macht weiter Pause.

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