Seit Mitte Mai verbinden sich unterfränkische Kultur und ihre Freunde innerhalb des Sozialen Netzwerks “Facebook”
Wenn Sie diese Zeilen lesen, könnte die Sache schon wieder ganz anders aussehen. Das Internet ist eine schnelllebige Angelegenheit. Zahlen und Fakten drehen oft binnen Sekunden. Dennoch birgt das World Wide Web auch eine dauerhafte Komponente. Es dient Millionen von Menschen dazu, sich längerfristig aufeinander einzulassen, sich im Web 2.0, in so genannten Sozialen Netzwerken anzufreunden und Informationen auszutauschen. Diesen Grundgedanken hatte auch Alexander von Halem im Sinn. Mitte Mai rief der Blogger und Eigentümer von Schloss Zeilitzheim das “Kulturnetzwerk Unterfranken” auf “Facebook”, dem größten und bekanntesten Netzwerk seiner Art, ins Leben.
400 Millionen Nutzer hat die 2004 von Mark Zuckerberg initiierte Plattform, die es in 70 Sprachversionen gibt, bis heute angezogen. Auch der gebürtige US-Amerikaner ist sich sicher, “gemeinsam kann man viel bewegen”. Eine regionale “Instanz für hochwertige Kultur” in Form einer so genannten “community page”, die von verschiedenen Nutzern moderiert und mit Leben gefüllt wird, soll entstehen. Das “Kulturnetzwerk Unterfranken” verdeutlicht dabei schon jetzt: Konkurrenz gibt es nicht. “Jeder entscheidet für sich, was er/sie in jedem gegebenen Moment an kulturellen Inhalten besuchen/geniessen möchte”, erläutert von Halem seine Vorstellung vom Zusammenspiel innerhalb der Seite, auf der es gemeinsame Bekanntmachungen von Künstlern und Musikern genauso geben soll, wie zum Beispiel ein reger Austausch Bildender Künstler. Alle sind eingeladen, sich zu vernetzen – ob Kulturschaffende, Veranstalter oder Genießer von Kunst und Kultur.
“Ich trage die Idee schon lange in mir”
Noch steckt das Projekt, das er derzeit gemeinsam mit Markus Rakowsky und dem Kulturmagazin Leporello moderiert, in den Kinderschuhen. Doch täglich wird es ein bisschen mehr. Alte Bekannte der mainfränkischen Kulturszene klinken sich ein. Neue, spannende Gesichter kommen hinzu. Das Ganze soll “ungezwungen, informell, freundschaftlich” und vor allem nicht überstürzt ablaufen, betont der zweifache Familienvater, der selbst rund 15 kulturelle Veranstaltungen pro Jahr durchführt. “Ich trage die Idee, die Akteure aus Kunst und Kultur miteinander stärker zu vernetzen, schon lange in mir”, blickt von Halem zurück. “Ausschlaggebend für diesen €šSchnellschuss’ war dann ein Blogartikel des Wiener Kulturmanagement-Bloggers Christian Henner-Fehr: €šDie Drei Stufen der Vernetzung‘ in dem er die Frage aufwirft, warum zwar mehr und mehr Kulturveranstalter und Orchester etc. bloggen bzw. bei Facebook zu finden sind, diese jedoch noch kaum miteinander online reden. Da dachte ich mir: warum eigentlich nicht, wenn es doch so einfach ist!”
Und so war es dann auch: Positiv sei er überrascht gewesen, dass die von ihm eingeladenen Personen spontan beigetreten seien und erste Beiträge – vor allem in Form von Links – beigesteuert und wiederum andere zum Beitreten animiert hätten. “Dass auch schon Vertreter/innen der regionalen Politik und auch aus der Presse der Seite beigetreten sind, freut mich besonders”, betont der Initiator. Oft habe er das Gefühl, dass Kunst und Kultur es noch immer schwer hätten, in der regionalen Gesellschaft und Presse anerkannt zu werden. “Unterfranken ist reich an kulturellen Angeboten, Orten, Menschen, die jedoch noch viel zu wenig miteinander reden. Unterfranken braucht das Netzwerk, damit die Akteure ihre Erfahrungen austauschen können und voneinander lernen”, fasst er die Notwendigkeit der Facebook-Präsenz zusammen. Auch müsse es möglich sein, dass über kulturell bedeutende Ereignisse nicht nur in den jeweiligen Lokalredaktionen der Zeitung berichtet werde, sondern über diese Grenzen hinaus. Ein solches Netzwerk könnte in dieser Hinsicht und in ähnlichen Dingen Lobbyarbeit betreiben.
Es besteht Handlungsbedarf für die Kultur
Die Entdeckung interessanter Inhalte und ein offener, konstruktiver Diskurs stehen also im Vordergrund des neuen “Kulturnetzwerk Unterfranken”. Den Anfang hat Alexander von Halem gleich selbst gemacht, wenn er beschreibt: “Eine wertvolle – wenn nicht zuerst positive – Erkenntnis, die sich aus der Recherche für das Netzwerk ergeben hat ist, dass viele regionale Veranstalter/Akteure überhaupt noch nicht im Netz zu finden sind, deren Angebote wenig aktuell sind oder Links ins Leere führen. Dass hier wirklich noch großer Handlungsbedarf besteht, wäre mir ohne die €šGründung’ dieses Netzwerks gar nicht erst klar geworden.” Doch die reine Auflistung interessanter Inhalte kann hierbei nur ein Schritt sein. Als Nächstes müsse der aktive Dialog kommen. Denn, das weiß auch von Halem, “es geht schon gar nicht mehr ohne Internet”. Wer nicht auch interaktiv online unterwegs sei, das heißt anderen Rückkanäle biete, werde ganz schnell abgehängt werden. Sicherlich, so räumt er ein, gehe es auch ohne “Web 2.0″, auf die Vorteile dieser aktiven Interkommunikation zu verzichten wäre allerdings leichtsinnig.
Facebook hat sich hier geradezu angeboten. Das Netzwerk bietet Werkzeuge, mit denen eine Seite binnen Minuten eingerichtet und verwaltet werden kann. “Die Möglichkeit Funde aus dem Netz einem interessierten Kreis per Knopfdruck zu €šempfehlen’ ist genial”, so der Gastronom. Zudem stünde es jedem frei, ganz im Gegensatz zu einem Email-Newsletter, Inhalte zu lesen oder einfach weiterzuklicken. “Es kostet nichts – ausser Zeit. Und von der nur so viel, wie jeder Einzelne bereit ist zu investieren”, gibt er allen Interessierten mit auf den Weg. Und auch für nicht registrierte Internetnutzer wurde mittlerweile eine Lösung gefunden. “Ich habe auf der Facebook €šlanding page’ des Netzwerks einen Link zu einem Blog sowie eine email Anschrift für den direkten Kontakt angegeben.” Der Anfang ist nun also gemacht. Herr von Halem und seine Mitstreiter sind bereit für tiefere Vernetzungen, interessante Dialoge und spannende Momente. “Meine große Hoffnung: dass sich durch diesen Austausch Antworten auf Fragen finden, die wir uns noch gar nicht gestellt haben.”
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