Unerwünschte Konsequenzen bei der Bilanzierung von Staatsschuldverschreibungen der Euroländer

Es wird ja weiterhin viel über die Möglichkeit eines Staatsbankrotts von einzelnen Ländern der Eurozone spekuliert. Die Probleme liegen jedoch ganz woanders. Wie in meinem vorangegangenen Beitrag deutlich gemacht wurde, geht es nicht um die Bedienung der ausstehenden Staatsschuld, d.h. Tilgung und Zinszahlungen auf ausstehende Staatsschuldverschreibungen dieser Länder, sondern zum

Es wird ja weiterhin viel über die Möglichkeit eines Staatsbankrotts von einzelnen Ländern der Eurozone spekuliert. Die Probleme liegen jedoch ganz woanders. Wie in meinem vorangegangenen Beitrag deutlich gemacht wurde, geht es nicht um die Bedienung der ausstehenden Staatsschuld, d.h. Tilgung und Zinszahlungen auf ausstehende Staatsschuldverschreibungen dieser Länder, sondern zum einen um die Frage, ob eine Refinanzierung auslaufender Staatsschuldpapiere unter den neuen Zinskonditionen, die von den kommerziellen Geschäftsbanken angeboten werden, weiterhin sichergestellt ist, und zum anderen um bilanztechnische Probleme der Eigentümer solcher Staatsschuldverschreibungen.

Zinsanstieg von Staatsschuldverschreibungen macht diese illiquid

Der rapide Zinsanstieg für Staatsschuldverschreibungen der Problemländer hat unmittelbar zur Folge, dass die alten niedrigverzinslichen Schuldverschreibungen an Marktwert einbüßten. Will jemand einen Griechenlandbond jetzt für 6% Zinsen am Markt nach den Hilfsmaßnahmen der Euroländer erbringen, dann sind niedrigverzinslichere Papiere z.B. von 4% entsprechend weniger wert, d.h. sie sind auch nur mit einem entsprechenden Disagio am Kapitalmarkt handelbar. Wenn also ein Eigentümer einer griechischen Staatsschuldverschreibung sein Wertpapier verkaufen möchte, das nur 4% erbringt, kann er deutlich weniger Bargeld dafür erwarten.

Da Staatsschuldverschreibungen mit hoher Bonität insbesondere auch AAA quasi jederzeit in Bargeld sogar von den Zentralbanken umgewandelt werden können, bedeutet jedoch eine drastische Neubewertung von Staatsschuldpapieren der Problemländer ein gravierendes Bewertungs- und Liquiditätsproblem für deren Eigentümer.

Dies hat sich sofort auf den Geldmärkten an den Geldmarktzinssätzen Libor und Euribor bemerkbar gemacht. Wenn insbesondere auch Geschäftsbanken die derartige Staatsschuldverschreibungen halten, nicht jederzeit diese bei Bedarf in Geld, d.h. Liquidität umsetzten können, dann sinkt ihre Liquidität je nach Umfang der davon betroffenen Papiere deutlich. Von daher ist der Schritt der EZB zu erklären, die griechischen Papiere trotz ihrer Junkbond-Bewertung zu diskontieren.

Durch den Ankauf will sie einer Liquiditätskrise am Geldmarkt wie zuletzt bei der Lehmann-Pleite vorbeugen. Indem sie die Papiere annimmt, hilft sie den betroffenen Banken liquide zu bleiben. Unklar bleibt für mich bisher mit welchem Disagio sie diese Papiere diskontiert, d.h. bleibt es bei den allgemein üblichen Diskontsätzen oder gibt es zusätzliche Abschläge? Wäre ersteres der Fall, dann würden Verluste seitens der EZB internalisiert.

Bilanztechnische Bewertungsprobleme bleiben

Durch den Zinsanstieg ergibt sich auch bei Behalt dieser Papiere ein bilanztechnisches Problem. Diese Papiere haben ja so oder so an Buchwert verloren. Sie sind daher entsprechend in den Bilanzen niedriger zu bewerten. Mithin droht das Eigenkapital der Banken durch Verluste in der Bewertung der illiquiden oder doch insgesamt weniger werthaltigen Assets, die Bilanzen der entsprechenden Finanzinstitutionen zu belasten. Man kann dies vielleicht mit dem Fair-Value-Prinzip etwas herausschieben, aber, wenn es zu keiner grundlegenden Trendwende kommt, d.h. einer steigenden Bonität der Staaten oder sinkender Zinssätze bei Neuemissionen von Staatsschuldverschreibungen, dann müssen zumindest über kurz oder lang diese Verluste auch in den Bilanzen sichtbar werden. Dies ist daher eine tickende Zeitbombe für die betroffenen Finanzinstitutionen. Bleibt die Lage kritisch wie sie ist, dann müssen diese Verluste irgendwann in näherer Zukunft auch bilanziert werden. Selbst wenn also der Staat weiterhin seinen Verbindlichkeiten nachkommt, schlummert hier eine Finanzkrise der Finanzinstitutionen.

Denn merke: Die Spekulation frisst am Ende die eigenen Kinder. Diejenigen, die zunächst von dem aktuellen Zinsanstieg profitieren, erleiden einen tendenziell größeren Verlust durch die Bestandsneubewertungen der Altpapiere und deren Illiquidität. Nur wer keine dieser toxic assets im eigenen Portefeuille hält, kann sich freuen.

Die Finanzkrise 2.0 kommt also durch die Hintertür. Nicht der betroffene Staat stellt seine Zahlungen gegenüber den Gläubigern ein, sondern die Neubewertungen seiner Staatsschulden führt diese in die potentielle Illiquidität und in hohe Eigenkapitalverluste in der Bilanz. Diese Effekte gehen aber von den Finanzmärkten aus. Die irrationalen übertreibungen der Finanzmarktspekulanten schadet auch der übrigen Finanzbranche gewaltig.

Kommentare

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  1. Umgekehrt zum Zinsanstieg in den PIIGS-Staaten ist Deutschland ein Gewinner der Krise der Staatsfinanzen der Eurozone.
    Die Umlaufrendite für zehnjährige Schuldverschreibungen ist auf einen histrorischen Tiefststand vonderzeit 2,21% gesunken. Damit wird die Refinanzierung der Staatsschulden in Deutschland deutlich billiger als bisher. Des einen Leid des anderen Freud.

    http://isht.comdirect.de/html/detail/main.html?hist=30y&sSym=ULR.SON&DEBUG=0&ind0=VOLUME&sCat=RTE&sIsin=n%2fa&sTab=chart&sWkn=n%2fa&type=CONNECTLINE

    Deutschland gehört diesbezüglich zu den Gewinnern der Krise der Staatsfinanzen der Eurozone.