Ich, ein Kassenarzt, schwöre beim Minister für Krankheit, beim Kammerpräsidenten und beim Vorsitzenden der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, dass ich diesen Eid und meine Verpflichtung nach Fähigkeit und Einsicht erfüllen werde:
Nämlich werde ich anhaltend Weiterbildungszertifizierungen erstreben, Zeit meiner Berufstätigkeit, mich aber bald nach dem 60. Jahr zugunsten des fehlenden Nachwuchses aus dem Beruf zurückziehen. In der Heilkunde werde ich mich ständig online in Gesundheitsportalen weiterbilden und alle Kongresse besuchen, gleichzeitig in meiner Praxis 24 Stunden täglich für jedermann präsent sein. In der Sprechstunde werde ich jeden als ersten und sofort behandeln sowie Wartezeiten aus meinem Privatvermögen entschädigen.
Und ich werde den ganzen medizinischen Lehrstoff meinen Patienten telefonisch und auch ebenso von Angesicht zu Angesicht in der Behandlungsaufklärung und Gesundheitserziehung mitteilen, darüber hinaus meinen Schülern im Fach, sonst aber niemandem. In meiner Praxis werde ich immer die teuersten, neuesten und besten Geräte anschaffen und diese um der Wirtschaftlichkeit willen möglichst selten einsetzen. Lauter und fromm werde ich Arzneien nur im Rahmen der Negativlisten, Positivlisten, Arznei- und Praxisbudgets und – soweit möglich – zum Nutzen der Kranken verordnen. Alle Formulare werde ich computergestützt erstellen und ich werde die tägliche Flut neuer Vorschriften peinlichst beachten ohne Ansehen ihres Sinns und Widersinns.
Auch werde ich bei Gott die Fachgrenzen nicht überschreiten und bei Erreichen derselben meine Tätigkeit sofort beenden.
Welche Wünsche die Kranken auch vorbringen, ich werde so entscheiden, dass die Kassen bei ihren Kunden als großzügig erscheinen und zugleich aufs äußerste gespart wird. Was auch immer Kassen und Obrigkeiten an Auskünften über meine Patienten verlangen, werde ich umfassend und umgehend offenbaren. über alle Einzelheiten der Behandlung werde ich computergestützte Niederschriften anfertigen, diese aber aus Gründen des Datenschutzes unwiederfindbar in den Tiefen der Festplatten anonymisieren, es sei denn, für jeden Satz liegt eine schriftliche Einverständniserklärung des Kranken und des Beauftragten für den Datenschutz der Bundesregierung vor.
Alles, was ich in meiner Praxis diagnostiziere, behandle, bespreche und denke, werde ich in Codes übersetzt online an Kassen und Kassenärztliche-Vereinigungen weitermelden. Auch die Verschlüsselung werde ich verschlüsseln. Vom Zungenspatel aufwärts werde ich alle Geräte laufend von staatlich vereidigten Kontrolleuren kontrollieren lassen und meinerseits die Kontrollen kontrollieren. Wenn ich diesen Eid erfülle und nicht breche, so sei mir ein überleben zwischen sinkenden Punktwerten und stringenten Budgets bei steigenden Kosten beschieden, auf dass ich bei allen Ämtern, Körperschaften und Kostenträgern geduldet werde; wenn ich ihn aber übertrete und breche, so geschehe mir das Gegenteil.
(“Mutant” einer Glosse aus der Vor-IT Zeit Deutsches Ärzteblatt )
Vielen Dank für diese Glosse. Dem fiktiven Kassenarzt möchte ich noch auf dem Wege mitgeben, wenn er dazu noch auf die Datenweitergabe an die Kassenärztliche Vereinigung verzichtet, erhält er von mir ein kostenloses Abonnement, um in mein tägliches Nachtgebet aufgenommen zu werden.