Im Nebel unlauterer Statistik

 In namhaften Presseorganen wird in letzter Zeit getitelt: “Deutsche besonders häufig beim Arzt.” /”Pharmaprüfer am Pranger”/ “Die häufigen Arztbesuche liegen am System”/ “Häppchen – Therapie.” “Vom Sparen und Heilen”/ “Keine Wunschmedizin für alle”./ “Deutsche gehen zu oft zum Arzt- diese Mentalität gefährdet das Gesundheitssystem.” Als Krönung des Ganzen wird berichtet:

 In namhaften Presseorganen wird in letzter Zeit getitelt: “Deutsche besonders häufig beim Arzt.” /”Pharmaprüfer am Pranger”/ “Die häufigen Arztbesuche liegen am System”/ “Häppchen – Therapie.” “Vom Sparen und Heilen”/ “Keine Wunschmedizin für alle”./ “Deutsche gehen zu oft zum Arzt- diese Mentalität gefährdet das Gesundheitssystem.” Als Krönung des Ganzen wird berichtet: “Demenz wird nicht als normale Erkrankung anerkannt.”

Fasst man alles zusammen, hat man den Eindruck, dass sich in deutschen Redaktionsstuben ein prädemenzielles Syndrom ausbreitet.
Die gegen Ärzte und Patienten gebündelten Titel und Artikel fußen auf mangelnder journalistischer Recherche. So jedenfalls ist folgender Sachverhalt zu interpretieren: Die Barmer GEK hatte die ambulanten Daten von 1,7 Millionen Versicherten der ehemaligen Gemünder Ersatzkassen (GEK) ausgewertet und auf die Gesamtbevölkerung hochgerechnet und den Schluss gezogen, dass der deutsche Kassenpatient zu häufig die Arztpraxen frequentiert. Eine Lachnummer. Was dem Leser verborgen bleibt, ihm somit Sand in die Augen gestreut wird und dem Statistiker Tränen in die Augen treibt, ist folgender Sachverhalt: Von der deutschen Bevölkerung sind über 71 Millionen oder ca. 85 Prozent Mitglied einer gesetzlichen Krankenkasse. Bedenklich aus 1,7 Millionen einen repräsentativen Querschnitt auf über 71 Millionen errechnen zu wollen!

Und dann noch selbst einzuräumen, dass mit der Einführung der Abrechnungspauschalen eine direkte Auszählung nicht mehr möglich sei. Immerhin eine erfrischende Erkenntnis, die die Frage aufwirft, wieso diese Schreibtischtäter sich erdreisten der Bevölkerung derartige statistische Verrenkungen als Wahrheiten zu servieren. Und wieso ist den Journalisten die Mühe nach fundierter Recherche abhanden gekommen.

Oder muss man, wenn SAT 1 hustet, nicht mehr genau hinhören? Die Barmer GEK wertete die “Phantasiezahlen” als Beweis für das breite Angebot und die hohe Akzeptanz der ambulanten Versorgung in Deutschland, die aber, offensichtlich aus dem hohlen Bauch heraus, zu häufig in Anspruch genommen wird. Beruhigend! Was will man noch mehr, wenn man sich auf diese Art und Weise glücklich reden kann.

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