Köhlers geheime Rücktrittsgründe

Seinerzeit trat der machtgewohnte Außenminister Genscher ohne nachvollziehbaren Grund von seinem geliebten Amt zurück. Später kursierten Gerüchte über die wirklichen Gründe. Viel spricht dafür, dass in Genschers Nähe ein DDR-Spion saß, der Dinge über Genscher wusste, die nie jemand erfahren durfte. Ähnlichkeiten mit dem Rücktritt Brandts, der vom Spion Guillaume

Seinerzeit trat der machtgewohnte Außenminister Genscher ohne nachvollziehbaren Grund von seinem geliebten Amt zurück. Später kursierten Gerüchte über die wirklichen Gründe. Viel spricht dafür, dass in Genschers Nähe ein DDR-Spion saß, der Dinge über Genscher wusste, die nie jemand erfahren durfte. Ähnlichkeiten mit dem Rücktritt Brandts, der vom Spion Guillaume ausgespäht worden war und der einfach viel zu viel über Brandt wusste, sind unverkennbar.

Ich mutmaße mal, dass es im Falle Genscher einen heimlichen “Deal” gab, der Genscher abverlangte, sich zurückzuziehen, sonst ….

Der Machtmensch Schröder gab mit der vorgezogenen Bundestagswahl sein Amt praktisch vorzeitig auf. Er hatte aber bestimmt das Kalkül, so eine nach voller Regierungszeit ernsthaft drohende Wahlniederlage zu verhindern. Oder spielten da schon seine Pläne zum Wechsel in die Energiewirtschaft eine Rolle?

Koch trat erst vor ein paar Tagen vom Amt des Ministerpräsidenten in Hessen zurück, in dem er sich nur hatte halten können, weil ganz offensichtlich Abgeordnete aus anderen Parteien zu seinen Gunsten umgedreht worden waren. Dieser machtobergeile Mensch soll aus freien Stücken zurückgetreten sein? Wer’s glaubt wird selig. Wie kann so einer nur sagen, dass Politik für ihn nicht alles sei. Ja was hat er denn sonst noch?

Und nun Köhler, eitler Bundespräsident mit listigen Augen wie Papst Benedikt. Beiden blitzt es doch bei jedem Auftritt aus den flink nach links und rechts flitzenden Äugelchen, die sagen: “Sieht man mich auch? Nimmt man mich auch richtig wahr?” Kann sich jemand vorstellen, dass Ratzinger das Amt, für das er jahrzehntelang so schwer gekämpft hat, jemals aufgäbe? Etwa weil er zu sehr in die Kritik geraten wäre? Und in der Kritik steht der erzkonservative Papst doch immer wieder und bleibt es gewiss auch. Wir sind Papst? Ich nicht.

Köhler reklamiert, dass er zu Unrecht von vielen Seiten angegriffen worden sei und er zurückträte, damit “das Amt” nicht weiter beschädigt würde. Dabei hat sich gezeigt, dass er in vielen wichtigen Fragen als fast Einziger im konservativen Lager die richtigen Vorstellungen hatte, als er eine “Abgabe auf internationale Finanztransaktionen” verlangte, vor “unrealistischen Wachstumshoffnungen” warnte und die “Transformation hin zu einer ökologischen sozialen Marktwirtschaft” forderte. Dafür bekam er doch mehr Lob als Tadel, Tadel nur von den Tölpeln der unfähigen Regierungskoaliton. Jetzt soll ihn der Umstand zum Rücktritt bewogen haben, dass “die Kanzlerin” ihm nicht den Rücken gestärkt hätte? Welch ein Unsinn. So blöd ist Köhler nie gewesen, dass er nicht gewusst gehabt hätte, was Angela Merkel umtreibt. Jedenfalls kein besonderes Wissen auf irgendeinem Gebiet oder eine erwähnenswerte besondere überzeugung. Da wird er keine Hilfe erwartet oder auch nur gewünscht haben. Bei aller Kritik an Köhler: da stand er jederzeit drüber! Ich höre schon Urban Priol in der nächsten Ausgabe von “Neues aus der Anstalt”: Köhler soll zurückgetreten sein, weil “Mutti” ihn nicht lieb hatte?”

Köhlers Hinweis darauf, dass de facto die deutschen Militäreinsätze auch der Wahrung der wirtschaftlichen Interessen unserer Republik und der Sicherung von Arbeitsplätzen in Deutschland dienen, war zwar keck, aber doch nicht unwahr. Es ist tatsächlich nur viel schlimmer. Die USA drohen doch mit Konsequenzen aller Art, wenn wir bei ihrem gefährlichen Blödsinn in Afghanistan nicht mitmachen. In Korea und Vietnam konnten wir uns noch drücken und weitgehend auch im Irak. Die friedlichen Zeiten sind aber heute vorbei. Wir sind nun mal die Hilfssheriffs der amerikanischen Kriegstreiber. Köhler hat das nicht einmal richtig deutlich gemacht. Deswegen zwingt ihn niemand zum Rücktritt.

Nein, Köhler tritt nicht wegen der Kritik an seiner Person oder seinen Äußerungen zurück.

Da steckt was anderes hinter. Vielleicht wird er wie damals mutmaßlich Genscher erpresst. Weswegen? Das wird man uns kaum jemand sagen! Wir sollen schlicht den Rachen aufsperren und alles an dummen Erklärungen schlucken, die in den großen Medien als die Gründe für den Rücktritt kolportiert werden. Es ist ja leider längst so, dass das was unsere Politiker von sich geben und was die Medien zur veröffentlichten Meinung machen, gar nicht mehr in sich schlüssig und nachvollziehbar sein muss. Der dumme Michel steht mit offenem Munde da und schluckt das alles!

Noch einmal nachgefragt: Hat je ein Präsident irgendeines Landes je sein Amt aufgegeben, etwa auch nur einer der vielen amerikanischen Präsidenten? Die mussten schon auf offener Szene getötet werden, wenn einflussreiche Kreise sie nicht mehr haben wollten. Ist nicht auch vor gar nicht langer Zeit einmal der so hoffnungsfrohe zukunftsorientierter Papst Johannes Paul I nach nur 33 Tagen im Amt “einfach so” gestorben, sodass sie Gerüchte über einen gewaltsamen Tod  bis heute nicht verstummt sind?

Ist je ein König oder Kaiser zurückgetreten, wenn ihm nicht anderenfalls die Verbannung oder noch Schlimmeres drohte? Wilhelm II hat doch auch nur abgedankt, weil er keine andere Wahl hatte!

Hat je ein deutscher Ministerpräsident sein Amt aufgegeben, wenn er nicht wie damals Platzeck wirklich besondere gesundheitliche Gründe hatte? Selbst als Parteivorsitzender einer abgehalfterten Partei wie der SPD tritt man nicht – wie Müntefering – ohne wirklich zwingenden Grund zurück.

Die politische Macht ist eine Droge, die die Politiker abhängig macht. Wenn da einer wie Köhler, der augenscheinlich ganz besonders stark abhängig ist, zurücktritt, weil er sich angeblich auf den Schlips getreten fühlt, weiß man doch, dass die Gründe nur vorgeschoben sind. Es müssen massive und nach meiner Einschätzung eher schaurige als banale Gründe sein, die Machtmenschen wie Köhler oder Koch dazu bringen, eine der schwer umkämpften Pfründen am machtmäßig obersten Level der Gesellschaft  aufzugeben. Das ist wie wenn ein Schlammspringer, der sich mühevoll zu einem schönen Tümpel durchgekämpft hat, plötzlich ins Trockene hüpft, weil andere Schlammspringer schlecht über ihn gequakt haben.

Die große Wirkung der Droge der politischen Macht hat es in allen Zeiten gegeben. Als es überall noch Könige gab, denen die Länder und die Untertanen gehörten, war es die größte Attraktion, selbst König zu sein oder sich in dessen Gunst zu baden. Wenn schon nicht König, war man zumindest adlig. In den heutigen Republiken haben die hohen Staatsämter eine ähnliche, wenn auch etwas geminderte Funktion. Dreck schwimmt oben und strebt auch dorthin.

Wer einmal Präsident eines Vereins ist, einer Eigentümergemeinschaft, eines Landes gar oder nur Bürgermeister einer Stadt oder Präses einer Kirche, hat doch alsbald das Gefühl, nicht mehr sterblich zu sein. Diesem Streben ordnen die Besessenen einfach alles unter. Und wenn sie einmal sagen, dass sie aus nichtigen Gründen zurücktreten, lügen sie. Das tun sie nur unter unerträglichem Druck.

Dem Amt des Bundespräsidenten können all diese Dinge nicht schaden.

Das Präsidentenamt hat so wenig politische Bedeutung, wie das kriegszerteilte und politisch abhängige Deutschland selbst. Wir stehen mitten in einem Angriff der Großfinanz auf alle Länder der Welt. Der nach der Verfassung ohnehin machtlose deutsche Bundespräsident spielt da nicht mit. Ich nehme an, dass selbst Merkel keinen realen Einfluss hat. Warum nur musste Köhler dann jetzt weg? Vielleicht erfahren wir die Wahrheit nie. Vielleicht halten sich die, die etwas wissen, auch schön bedeckt, dass es ihnen nicht so geht wie all den Mitwissern beim Kennedy-Mord, die nacheinander aus dem Weg geräumt wurden, damit sie nicht reden konnten.

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