Judenhass war international

Woher bezogen die “großen Deutschen” ihren Judenhass? Aus der üblicherweise geschätzten Tradition. Judenhass war eine weitverbreitete Volksgewohnheit. Es war sozusagen ein Volksbrauch, die Juden zu hassen. Und um nicht allzu selbstbezogen zu agieren, wie es in Deutschland nun mal eine lange Tradition ist, sollten wir uns auch in anderen Teilen

Woher bezogen die “großen Deutschen” ihren Judenhass? Aus der üblicherweise geschätzten Tradition. Judenhass war eine weitverbreitete Volksgewohnheit. Es war sozusagen ein Volksbrauch, die Juden zu hassen. Und um nicht allzu selbstbezogen zu agieren, wie es in Deutschland nun mal eine lange Tradition ist, sollten wir uns auch in anderen Teilen Europas umsehen – von Polen bis nach Spanien. Und auch dort lässt sich in der geschichtlichen Entwicklung der gleiche Judenhass finden, wie in Deutschland. Also die gleichen Bräuche und Gewohnheiten, trotz den sonstigen kulturellen Unterschiede. Judenhass ist eindeutig weder deutsche Erfindung noch ein Privileg.

Also woher kam der gesamteuropäischer Judenhass?

Aus der etablierten christlichen Religion, welche die Juden als Jesus-Mörder gebrandmarkt hatte. Gegenwärtig ist es die berühmt gewordene Pius-Bruderschaft, welche die christlichen Traditionen in aller Pracht aufrechterhalten will und die in den Juden deswegen immer noch Christusmörder sieht. Die christlichen Traditionen sind aber in ihrer Vielfalt sehr alt. Deswegen kann man die Tradition der Judenfeindlichkeit nicht allein den Pius-Brüdern unterstellen. Bereits in den Anfängen des Christentums wurde den Juden Gottesmord testamentarisch angehängt. Also konnte Gott entsprechend den Schilderungen der Apostel erst dank der Auferstehung seine Unsterblichkeit zurückgewinnen.

Mord bleibt Mord

Die katholische Kirche ist gegenwärtig mühsam dabei, ihr traditionell gehässiges Verhältnis zu den Juden zu klären. Sie will für die Juden regelmäßig beten, um damit ihre Judenfreundlichkeit unter Beweis zu stellen. Mit ihren Gebeten weist aber die Kirche geschickt darauf hin, dass sich die Juden immer noch auf dem falschen Weg befinden. Und dass sie nur dann den echten Anspruch auf Vergebung erlangen, wenn sie sich zu Christen bekehren. Also wird in der kirchlichen Vorstellung der christliche Judenhass erst dann vollständig von der Welt verschwinden, wenn es keine Juden geben wird. Wenn alle Juden zu Christen werden, wird es auch keinen Judenhass mehr geben. Das erscheint logisch. Ist aber erschreckend. Es weckt Hoffnungslosigkeit.

Glosse zu: Event-Tipp: Die andere Seite deutscher Geistesgeschichte

Kommentare

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  1. Kurz und bündig und sehr wahr.

    Wobei man noch erwähnen könnte, dass die etablierten christlichen Religionen es dabei geflissentlich zu erwähnen vermeiden, dass Jesus selbstverständlich Jude war.