Verfolgung der Freiheit

Die Verfolgung der Freiheit passt in jede Diktatur genauso wie in jede andere politische oder religiöse Machtstruktur mit einem gehobenen Absolutheitsanspruch. Gehorsamkeit und Unterordnung wurden den Menschen in strengen aber geduldigen Erziehungsprozessen so lange beigebracht, bis sie flammend von Begeisterung für den Kaiser oder Führer in den Tod gingen, um

Die Verfolgung der Freiheit passt in jede Diktatur genauso wie in jede andere politische oder religiöse Machtstruktur mit einem gehobenen Absolutheitsanspruch. Gehorsamkeit und Unterordnung wurden den Menschen in strengen aber geduldigen Erziehungsprozessen so lange beigebracht, bis sie flammend von Begeisterung für den Kaiser oder Führer in den Tod gingen, um dabei andere Menschen zu töten. Die blinde Gehorsamkeit und die Unterordnung konnte den Menschen genauso adressiert werden, wie den Zirkusaffen. Deswegen kamen die Affen irgendwann zu dem Schluss, dass die Menschen von ihrem eigenen Affenstamm abstammen könnten – wegen den vielen Gemeinsamkeiten.

Nicht nur die Freiheit wird verfolgt

Auch das Andersartige, das Befremdliche an dem Fremdartigen wurde schon immer zum Stein des Anstoßes. Wenn wir unsere Sitten und Bräuche für gut halten, weil sie sich seit Generation gut bewährt haben, dann sind uns alle fremden Sitten und Bräuche mehr als verdächtig. Seitdem wir uns z.B. daran gewöhnt haben, mit der rechten Hand zu schreiben, wurden die linkshändigen Menschen mit aller Gewalt dazu gezwungen, sich unserem Brauch unterzuordnen und auch mit der rechten Hand zu schreiben. Also wurden auch die linkshändigen Menschen wegen ihrer Andersartigkeit Jahrhunderte lang unterdrückt und verfolgt.

Und genau so wurden auch viele andere Minderheiten wegen ihren eigenartigen Sitten und Bräuchen unterdrückt und verfolgt.

Der Gebrauch der Freiheit

In jeder Machtstruktur, die die Freiheit der Menschen eingrenzen oder abschaffen wollte, war der Gebrauch der Freiheit schon immer strafbar. Und wenn fremdartige Minderheiten in das Gebiet einer solchen Machtstruktur kamen, wurden sie nicht nur wegen ihrem fremdartigen Aussehen misstrauisch beäugelt, sondern auch wegen ihren Sitten, Bräuchen und auch anderen Gewohnheiten.

Die Zigeuner und die Juden gerieten dabei am meisten in das Visier der Sittenwächter der Macht. Beide Völkchen hatten nämlich die Gewohnheit, ihre Freiheit zu genießen und auf ihre eigene Art und Weise ihre Freiheit auszuleben. Sie gebrauchten ihre Freiheit so ungeniert, dass es eine große Wut selbst bei den unfreien Eingeborenen, den fleißigen Untertanen weckte. Die Freiheit der Juden und der Zigeuner war für die meisten Einsässigen auf den ersten Blick verabscheuungswürdig.

Assimilation hat Vorrang

Wegen ihrer egoistischen Freiheitsliebe wurden die Zigeuner und die Juden zu den meist verfolgten Minderheiten. Sie hatten zwar die Möglichkeit, sich in die gastgebende Gesellschaft zu integrieren, doch um wirklich assimiliert zu sein, müssten sie auf ihre Freiheit verzichten. Sie hatten sich vollständig dem herrschenden Brauch der Unterdrückung unterordnen müssen, um in der Gesellschaft endlich als Gleichrangige akzeptiert zu werden. Als Untertanen wie jeder andere.

Erst wenn die Juden und die Zigeuner auf das Privileg der Freiheit verzichtet hätten, könnten sie als stolze Untertanen in jedem beliebigen Kaiserreich ruhig leben. Ohne wegen ihren fremdartigen Bräuchen verfolgt zu sein.

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