Wieso Gauck?

Das gegenwärtige Parteiensystem in Deutschland entstammt dem System von Jalta, das die Welt in zwei große Blöcke aufgeteilt hat, zwischen denen die “Neutralen” sich dem jeweils Meistbietenden andienen konnten. Grob gesprochen, war es im ganzen westlichen Europa so: Eine ‘Volkspartei’ auf der rechten Mitte, die direkt an die atlantische Allianz

Jttr.jpgDas gegenwärtige Parteiensystem in Deutschland entstammt dem System von Jalta, das die Welt in zwei große Blöcke aufgeteilt hat, zwischen denen die “Neutralen” sich dem jeweils Meistbietenden andienen konnten. Grob gesprochen, war es im ganzen westlichen Europa so: Eine ‘Volkspartei’ auf der rechten Mitte, die direkt an die atlantische Allianz gebunden und im Inland den Interessen der großen Industrie verpflichtet war; und ein ‘Volkspartei’ auf der linken Mitte, die mehr den Gewerkschaftsapparaten und dem Öffentlichen Dienst verpflichtet war und gelegentlich die “neutrale” Karte zog, um eine besseres Angebot herauszuschinden. Dazwischen ein paar mehr oder weniger Liberale und mehr oder weniger Reaktionäre, um gegenbenfalls für Mehrheiten zu sorgen.

Es gab lokale Besonderheiten. In Frankreich und Italien pflogen die zentristisch-linke Volksparteien eine hohle Klassenkampf-Rhetorik, die nur dafür gut war, ihre Abhängigkeit von der Außenpolitik des Kreml zu legitimieren – wofür sie dann aus den politischen Tagesgeschäften von allen Anderen ferngehalten wurden. In Frankreich spielte auch der Gaullismus zeitweilig eine Sonderrolle. Aber insgesamt war jene Unterteilung das unantastbrare innenpolitische Korsett durch alle vier Jahrzehnte des Kalten Krieges.

Der Kalte Krieg ist vorüber, die Sowjetunion gibt es nicht mehr, und am gewaltigsten waren die Folgen in dem Land, das zwischen den beiden Blöcken aufgeteilt war. Doch während in den umliegenden Ländern das Parteiensystem von Jalta rasant bröckelte, hat sich der Anachronismus in Deutschland lächerlich stabil gehalten. Es erodieren zwar die ‘Volksparteien’, aber die Blöcke bleiben innenpolitisch umso unbeweglicher, je lauter ihre Auflösung nach jedem neuen Wahldebakel der Sozialdemokraten und der Union von den journalistischen Auguren beschworen wird.

Dies alles nur, um zu sagen: Dafür, dass der Jurassic Park der deutschen Parteien seinen vielleicht tödlichen Stoß erhält, nähme ich sogar in Kauf, dass die lächerliche Sozialdemokratie und die lächerlicheren Grünen einen momentanen taktischen Vorteil davontrügen.

Mit andern Worten, es wäre mir wirklich lieb, wenn Joachim Gauck der nächste Bundespräsident würde.

Kommentare

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  1. Dass Sie die lokalen Besonderheiten anderer Nationen auf Frankreich und Italien beschränken, ist zwar etwas dürftig, aber ich vermute, Sie wollten unnötige Längen vermeiden.
    Trotzdem pflichte ich sonst uneingeschränkt Ihren Darlegungen zu.
    Die recht einseitige Sichtweise der deutschen Parteien, nur zwischen Gut und Böse, Oben und Unten, Links und Rechts oder Schwarz und Weiß zu unterscheiden, wird dann besonders deutlich, wenn sich plötzlich alle für die Mitte entscheiden, ohne zu bemerken, dass ihre gewählte Mitte nur Mittelmaß hat.
    Kann das vielleicht auch daran liegen, dass wir Deutsche nie EINE Nation waren wie jene, der uns umgebenden Länder? Eigentlich sind wir doch eine “Friedrich List Vision” auf dem Papier und nicht in den Köpfen?
    Ich denke auch, dass Herr Joachim Gauck der richtige Präsident für die Deutschen wäre. Die Bisherigen mögen mir verzeihen, aber sie waren alle Apparatschiks.