Direkt aus dem Oval Office hat sich US-Präsident Barack Obama in dieser Woche zur Ölkatastrophe im Golf von Mexiko geäußert. 17 Minuten lang wandte er sich am vergangenen Dienstag per YouTube-Video an die Bevölkerung. Entschieden und überzeugt präsentierte er sich, um auf einen Kampf gegen die Ölpest einzuschwören. “Er wollte zeigen, dass er das Heft in der Hand hat.” Das Leck werde mit allen Mitteln bekämpft, solange es nötig sei und es werde dafür gesorgt, dass BP dafür bezahlt, betonte er vehement. Die Nutzer von Facebook und Twitter konnte Obama mit seiner als Befreiungsschlag geplanten Rede allerdings nicht überzeugen.
“Die meisten Twitter- und Facebook-Nutzer waren von der Rede des US-Präsidenten Barack Obama bezüglich der massiven Öl-Pest an der Golfküste am 20. April unbeeindruckt”, lässt Brenna Ehrlich von mashable.com ihre Leser wissen. Wie das Meinungsforschungsinstitut Crimson Hexagon herausgefunden hat, gab es schätzungsweise 83.000 Tweets und öffentliche Facebook-Kommentare von 20.00 Uhr Dienstagabend bis ungefähr fünf Uhr Mittwochmorgen, die Präsident Obama, seine Rede, oder die Ölkatastrophe erwähnten. Da die Menschen immer unzufriedener über die Art und Weise wie mit der Katastrophe umgegangen wird (siehe hierzu @BPGlobalPR und die Parodien darauf), werden, ist ein murrender Unterton in den meisten Kommentaren nicht überraschend.
In einer Aufschlüsselung gibt sie an, was die Nutzer Sozialer Medien am meisten gestört hat. Unter anderem ist hier zu lesen:
- 27 Prozent der Zuschauer seien demnach mit dem Plan, den der Präsident in seiner Rede skizziert hat, nicht einverstanden gewesen.
- 11 Prozent waren der Meinung, dass die Redefähigkeiten Obamas zu wünschen übrig ließen. Zu viele Handbewegungen seien es gewesen. Darüber hinaus hätte es gewirkt, als hätte er von einem Teleprompter abgelesen.
- 15 Prozent der Leute vermissten ihre eigenen Programmpunkte.
Immer mehr würden die Sozialen Medien zu einem Gradmesser der öffentlichen Meinung werden, ist die Autorin überzeugt. Seiten wie Twitter oder Facebook seien der neue Marktplatz oder eine Art Klatschecke für Menschen geworden und andere wie zum Beispiel YouTube, würden zu einem Kanal, mit dem die Öffentlichkeit erreicht werden kann und anders herum. So habe zum Beispiel Robert Gibbs, Pressesprecher des Weißen Hauses noch am selben Abend Fragen zur Rede über YouTube beantwortet.
BP richtet politischen Schaden für Obama an
Während versucht wird, die Stimmung innerhalb der Bevölkerung anhand von sozialen Netzwerken herauszuarbeiten, finden jedoch auch Mainstream-Redakteure klare Worte. So schreibt Albrecht Ziegler vom SWR-Hörfunkstudio in Washington: “(…) Was der politische Gegner nicht schaffte, bringt vielleicht BP zustande. Der Ölkonzern könnte mit seinem Dilettantismus den reformfreudigsten Präsidenten der letzten Jahrzehnte unfreiwillig in massive Schwierigkeiten bringen. (…) Obama bleibt nicht viel Zeit, um den politischen Schaden, den BP für seine Politik angerichtet hat, zu beheben. Er ist in keiner beneidenswerten Position: Obwohl die Gründe des Desasters noch nicht aufgeklärt sind und als Konsequenz mögliche Sicherheitsmaßnahmen noch nicht ergriffen wurden, zerren bereits Regionalpolitiker aus dem betroffenen Süden der USA an ihm (…).”
“Yes, we can!”
“Well, we might, if they’d only let us …”
“No, we can’t”
Die Wandlungen eines Blenders. Ein typischer Politiker eben. Machtgeil, perfekte Fassade, keine Substanz.
Wie sagte doch schon Hemingway? “Ein Politiker muss tun, was ein Politiker tun muss. Nämlich gar nichts.” Oder so ähnlich.