Stanley A. McChrystal, der wonder boy von Barack Obama, hat im Rolling Stone Magazine Klartext geredet. Dies dürfte ihm zum Verhängnis werden. Die Kritik an der Obama-Administration dürfte seine Abberufung zur Folge haben. Damit gerät die Afghanistan-Strategie der US-Regierung in eine Krise. Der Versuch mit einer Eskalation des Konflikts neben Afghanistan auch in Pakistan eine Befriedung und anschließenden Abzug der internationalen Friedensmission zu erreichen, droht zu scheitern.
In den USA und bei den Verbündeten schwindet die Unterstützungsbereichtschaft
Der Krieg gegen den Terror, der nach dem Anschlag auf das World Trade Center im Jahr 2001 von George W. Bush begonnen wurde, scheitert nicht zuletzt wegen der sinkenden Unterstützung der Bevölkerung in Afghanistan und Pakistan. Wegen des Unvermögens, die Sicherheit vor Terroranschlägen herzustellen und der allgegenwärtigen Korruption wirkungsvoll entgegenzutreten, wendet sich die breite Masse von den USA und seinen Alliierten ab. Die Kolletralschäden an der afghanischen und pakistanischen Zivilbevölkerung haben die Hoffnungen auf einen Frieden unter der Führung der USA soweit schwinden lassen, dass ein Sieg gegen die Taliban und ihre Verbündeten in absehbarer Zeit unwahrscheinlich ist.
Das unrühmliche Ende von Horst Köhler
Horst Köhler scheiterte bereits mit dem Versuch, in der Öffentlichkeit eine Begründung für den Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr im Rahmen der ISAF zu liefern. Der Luftangriff auf zwei Tanklastzüge bei Kunduz hat die Zweifel an der Friedensmission in Afghanistan weiter verstärkt.
Horst Köhler oder der neue Clausewitz: War nicht so gemeint?
“Meine Einschätzung ist aber, dass insgesamt wir auf dem Wege sind, doch auch in der Breite der Gesellschaft zu verstehen, dass ein Land unserer Größe mit dieser Außenhandelsorientierung und damit auch Außenhandelsabhängigkeit auch wissen muss, dass im Zweifel, im Notfall auch militärischer Einsatz notwendig ist, um unsere Interessen zu wahren, zum Beispiel freie Handelswege, zum Beispiel ganze regionale Instabilitäten zu verhindern, die mit Sicherheit dann auch auf unsere Chancen zurückschlagen negativ durch Handel, Arbeitsplätze und Einkommen. Alles das soll diskutiert werden und ich glaube, wir sind auf einem nicht so schlechten Weg.”
Dies kann leicht als eine Variante von Clausewitz:
Clausewitz: Der Krieg ist die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln.
interpretiert werden.
Der Krieg ist die Fortsetzung der Außenwirtschaftsinteressen mit anderen Mitteln.
Nach dem Verteidigungsminister Jung und sein Nachfolger nur knapp vor einem Rücktritt bewahrt werden konnten, war er ein weiteres Opfer der außerordentlich problematischen Afghanistan-Strategie McChrystals, mehr Opfer bei den Truppen zu riskieren, um durch Präsenz vor Ort das Vertrauen der afghanischen Bevölkerung zurückzugewinnen.
Der jetzt greise Peter Scholl-Latour scheint Recht zu behalten [1], nach den Briten und den Russen können auch die USA keine nachhaltige Kontrolle über diese Region gewinnen.
Da helfen auch keine wirtschaftlichen Gründe, die jetzt nachgeschoben werden. Die Billionen US-Dollar an Rohstoffen, die jetzt ins Spiel gebracht werden, schaffen auch keine zusätzliche öffentliche Unterstützung für das Afghanistan-Abenteuer. Es droht jetzt ein Ende mit Schrecken oder ein Schrecken ohne Ende.
[1] Scholl-Latour: Weltmacht im Treibsand – Bush gegen die Ayatollahs. Propyläen, München/Berlin 2004 oder Koloss auf tönernen Füßen – Amerikas Spagat zwischen Nahem und Fernem Osten. Propyläen, München/Berlin 2005.Photo Quelle/Copyright: isafmedia, cc creative commons, Bestimmte Rechte vorbehalten, via flickr
Ist das nicht witzig, wie uns immer neue Nachrichten von den “alten” ablenken können? Im Irak nichts los?
http://www.dw-world.de/dw/article/0,,5713016,00.html