U&D Bad Kissingen 2010: Ein buntes Treffen der Generationen

Am Wochenende feierte der Verein zur Förderung von Jugendveranstaltungen e.V. seine 15. Festivalausgabe Harmonisch und doch gegensätzlich, erst handgemacht und dann wieder voll elektronisch – das diesjährige Umsonst & Draußen Bad Kissingen näher einzugrenzen, erwies sich im Verlauf von zwei Tagen voller Musik aus verschiedensten Himmelsrichtungen als ein gar nicht

Publikum.jpgAm Wochenende feierte der Verein zur Förderung von Jugendveranstaltungen e.V. seine 15. Festivalausgabe

Harmonisch und doch gegensätzlich, erst handgemacht und dann wieder voll elektronisch – das diesjährige Umsonst & Draußen Bad Kissingen näher einzugrenzen, erwies sich im Verlauf von zwei Tagen voller Musik aus verschiedensten Himmelsrichtungen als ein gar nicht so leichtes Unterfangen. Neben einem bunten Genre-Mix hatten die Organisatoren in diesem Jahr jedoch noch mehr zu bieten. Gemeinsam mit ihren gut 6500 Gästen waren sie “ganz jung. ganz alt. ganz Ohr” und gingen so die ersten Schritte in eine neue, Generationen übergreifende Zukunft des Festivals.

Sommer in die Ohren!!!“, lautete das diesjährige Motto hoch über der Kurstadt Bad Kissingen. Strahlenden Sonnenschein, eine ausgelassene Stimmung und wunderbare Auftritte der regional wie überregional verwurzelten Bands hatten sich die Organisatoren gewünscht. Nur allzu gut waren den beiden Vorsitzenden Tobias Schneider und Ralf Stierstorfer samt ihrer ehrenamtlichen Helferschar stürmischere Zeiten mit heftigen Gewittern und davon wehenden Bühnen in Erinnerung. Jetzt, zur 15. Ausgabe – und damit pünktlich zum Jubiläum – strahlte der Wettergott mit ihnen um die Wette. Denn von Schweden bis Schwaben waren die Künstler angereist, um den Bad Kissinger Musikfreunden ein ganz besonderes Festival zu bescheren.

spacee.jpgZu den Höhepunkten unter 35 Bands auf drei Bühnen zählte ganz sicher Spaceman Spiff. Der Wahlhamburger, der sein unterfränkisches Publikum mit den zwei ihm zur Seite stehenden “Astronauten” Anne de Wolff und Felix Weigt, unter anderem am Cello, der Violine, Glockenspiel oder auch Akkordeon, überraschte, zog bereits am späten Freitagabend als Headliner auf der U-Bühne in den Bann. Der ehemalige Frontmann von Gung Fu und den Taschenrockern, einst in der Nähe von Hammelburg zu Hause, schlug während seines umjubelten Konzertes ganz leise Töne an, die dank des neuen Arrangements dennoch kraftvoll und nachhaltig über die Wiesen des Festivals hinweg getragen wurden. Songs wie “Melancholie und ich” wandelten sich dergestalt glatt in ihr Gegenteil um. Viele strahlende und gerührte Gesichter lies der bescheidene Singer-Songwriter zurück, die sich schließlich glücklich und zufrieden in die Vollmond schwangere Nacht begaben. Ebenso beeindrucken konnten Kniffler’s Mum, die den ersten Tag auf der U-Bühne beschlossen. Bereits im vergangenen Jahr hatte die Stuttgarter Hip Hop-Combo überzeugen können. Diesmal tauschten sie Fliege und Anzug nicht nur mit legeren T-Shirts, sondern konnten ihrem Ruf als “verrücktestes Team seit den Bremer Stadtmusikanten” auf ein Neues alle Ehre machen. Kurzerhand legten sie zu mitternächtlicher Stunde eine Freestyle-Einlage mit den Münchnern Creme Fresh, die sich nach den Pferdeköpfe tragenden Nürnbergern My New Zoo die Ehre auf der U-Bühne gaben, auf das “Parkett”.

Eine Brücke zwischen Jung und Alt

kigda.jpgDie riesengroße Party, die im Sommer 2009 begonnen hatte, ging also weiter. Am Samstag startete das Team dann auch gleich mit einem Novum. Ein Weißwurstfrühstück und für das Festival ungewohnte Klänge der Blaskapelle Hausen läuteten in den zweiten Festivaltag ein. Zünftige Volksweisen und moderne Hits, geht das zusammen? Ja, waren sich nicht nur der Verein zur Förderung von Jugendveranstaltungen e.V. sicher, sondern auch die Mitglieder der Blaskapelle Hausen. Mit Hilfe des Projekts “ganz jung. ganz alt. ganz Ohr” sollte heuer erstmals ganz bewusst eine Brücke zwischen Jung und Alt geschlagen werden. Denn was während des legendären Metal Open Airs “Wacken” in Schleswig-Holstein funktioniert, das soll auch hierzulande fester Bestandteil des Umsonst & Draußens werden. Noch gäbe es Berührungsängste, fasst Ralf Stierstorfer die ersten Schritte, die Jung und Alt aufeinander zugingen, zusammen. Die Bedenken manch anwesender Gäste auf Grund ihres Alters eben nicht mehr zum Festival zu passen, hätten sich jedoch schnell zerstreut. Auch die Kapelle selbst hatte sichtlich Freude an ihrem ungewohnten Auftrittsort. Rock, Metal und Traditionelles – das schließt sich in den Augen der Musiker absolut nicht aus. Das hätten auch die anwesenden Gäste bewiesen. Bis sich das Generationen übergreifende Konzept allerdings etablieren werde, so Stierstorfer und Schneider weiter, könne es gut und gerne noch ein, zwei Jahre dauern. “Wir sind auf einem guten Weg”, freuen sich die beiden Vorsitzenden. Jetzt gelte es manchem Vorurteil weiterhin konsequent entgegenzutreten.

Kid Galahad – Die Bombe aus Schweden

Derart beschwingt konnte der zweite Abend kommen. Und der wurde fulminant.Während im Zelt der &-Bühne Sounds der härteren Gangart die jungen Leute zum Toben brachten, stürmten bei ebenfalls schwülwarmen Außentemperaturen nulltarif die D-Bühne. Das Trio aus der Nähe von Stuttgart gab eindrucksvoll zum Besten, warum sie mit ihrem Debüt-Album “Licht aus” ganz sicher zu den Lichtblicken am deutschen Rockhimmel gehören. “Mal melancholisch, mal mit Wortwitz, knallen einem die Songs nur so um die Ohren”, kündigten sich die sympathischen jungen Männer, die vom Goethe Institut als Deutsche Botschafter bereits vier Wochen lang durch Indien, Bangladesch und Sri Lanka geschickt wurden, an. Und sie hielten, was sie versprachen: Die PopCamp-Absolventen 2007 und Preisträger des MARS Awards konnten mit ihrem selbsternannten “Pussyprock” von der ersten Minute an Kontakt zum manchmal etwas zurückhaltenden Bad Kissinger Publikum aufbauen und dank eingängiger deutschsprachiger Texte zahlreiche Gäste sogar zum Mitsingen animieren.

chrietw.jpgMitsingen, das war bei der Göteborger Formation Kid Galahad nicht angesagt. Viel zu viele Münder standen während der eindrucksvollen Darbietung von Sänger Mattias Frisk, Gitarrist Johan Riedel, Drummer Marcus Svedin, Bassist Erik Benjaminsson und Keyboarder Christoffer Nordahl derart weit offen, das nicht einmal daran zu denken war, diese in absehbarer Zeit wieder zu schließen. Nicht wenige sahen die Emergenza-Weltsieger 2009, die das letztjährige Taubertal-Festival in wahre Begeisterungsstürme versetzten, zum ersten Mal überhaupt. Und Bad Kissingen war sich sicher – das sollte nicht die letzte Begegnung gewesen sein. Auch bei diesen exzessiv agierenden Herren war die Ankündigung der U&D-Organisatoren Programm: “Rocksongs mit einem Hauch 70er-Feeling und der nötigen Portion Dreckigkeit” sollte die Kurstadt geboten bekommen. Das schwedische Ausnahme-Quintett legte noch einen oben drauf. “Selten hat mich eine Newcomer-Band auf Anhieb so vom Hocker gehauen wie diese Herrschaften”, war sich ein Zuschauer schon während des Konzertes sicher. Andere stürmten gleich direkt auf die Bühne, um ihrer Freude über einen so gelungenen Auftritt Ausdruck zu verleihen.

“Im Großen und Ganzen waren wir sehr zufrieden”, resümierten nach der “Bombe aus Schweden” nun auch Ralf Stierstorfer und Tobias Schneider. Am Ende eines Wochenendes voller Sonnenschein und unzähliger noch unsortierter Eindrücke blieb auch ihnen bei so vielen schönen Momenten glatt die Spucke weg. Doch auch diesmal gilt der alte Spruch “Nach dem Festival ist vor dem Festival”. Und während gerade noch die letzten Aufräumarbeiten laufen, hat das Team bereits 2011 im Blick. Bad Kissingen darf also auf ein Neues mächtig gespannt sein.

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