Magie des Denkens

Wer sich gerne auf die Spiritualität einlassen will, der könnte sich zuerst mit dem magischen_Denken auseinandersetzen. Dieses Denken ist im zweifachen Sinn eine Frühform menschlicher Denktätigkeit: Erstens gilt es als primäre Denkform der sogenannten Urvölker. Zweitens steht magisches Denken am Anfang der Denkentwicklung jedes Kindes und damit jedes Menschen. Aussagen

Wer sich gerne auf die Spiritualität einlassen will, der könnte sich zuerst mit dem magischen_Denken auseinandersetzen. Dieses Denken ist im zweifachen Sinn eine Frühform menschlicher Denktätigkeit: Erstens gilt es als primäre Denkform der sogenannten Urvölker. Zweitens steht magisches Denken am Anfang der Denkentwicklung jedes Kindes und damit jedes Menschen. Aussagen wie: “Die böse Tür hat mir den Finger eingezwickt!”oder “Der Teddy hat sich versteckt!” sind die einfachsten Ausdrücke des magischen Denkens. Wir nehmen dabei an, dass gewisse Begebenheiten mit Absicht geschehen und unterstellen damit verschiedenen Sachen einen Geist.

Bei den Urvölkern haben sich die Geister verselbstständigt. Weil sich die verschiedenen Gegenstände des täglichen Gebrauchs nicht unterbrochen böse verhielten, sondern dank der ausgezeichneten Geschicklichkeit der Urmenschen äußerst selten, wurden die Geister nur hinter dem unangenehmen Geschehen vermutet und nicht mehr in dem Gegenstand selbst. Nur wenn der Gegenstand, z.B. im flüssigen Zustand, permanent die Ängste und das Misstrauen der Urmenschen weckte, wurde ihm dauerhaft ein hochspezialisierter Geist zugedacht, wie z.B. der Wassergeist.

Das magische Denken und die Mythologie

Bevor es die Mythologie gab, mussten sich zuerst die sagenhaften Mythen prächtig entwickeln. Die Mythologie beschäftigt sich mit der Gesamtheit der Mythen verschiedener Völker, Regionen oder sozialen Gruppen. In europäischen Kulturkreisen ist bildungsbedingt die griechische_Mythologie am bekanntesten. Doch genauso interessant ist auch die indische_Mythologie. Und auch das Heidentum hatte seine Mythen und religiöse Vorstellungen. Einige unzerstörbare Bräuche des Heidentums haben sich sogar in die christlichen Feierlichkeiten der Weihnachten und der Ostern eingeschlichen. Weil diese Feiertage ursprünglich heidnisch waren. Oder jüdisch. Oder international. Ganz wie man will, weil alles irgendwie stimmt.

Es konnte nicht der Weihnachtsbaum sein, der Jesus in der Wüste seinen Schatten spendete. Und wer wissen will, wo der Hase läuft, der muss sich nur fragen, was der Hase neben dem frommen Lamm bei den Osterfeiern zu suchen hat. Apropos Hase: Die heidnischen Feiertage besaßen wahrscheinlich viel mehr Freude, Witz und auch Sexualität als die christlichen. Der Hase mit seinen Eiern war ein Symbol für die Fruchtbarkeit, die sich im Frühling überall in der Natur ankündigte.

Trotzdem hegten die Christen eine eher selbstgerechte als gerechte und eher eingebildete als gebildete Verachtung gegenüber den Heiden. Ähnlich wie heute gegenüber den Atheisten. Heiden zu töten war keine Sünde sondern scheinbar gottgewollt. Manche Christen werden wahrscheinlich immer noch Probleme damit haben, sich mit den spirituellen Vorstellungen der heidnischen Urvölker auseinander zu setzen, obwohl sie sonst laut nach der Spiritualität rufen. Doch der Glaube an gute und böse Geister, an Dämonen, emanzipierte Feen, Kobolde und Osterhasen hat in der Entwicklung der religiösen Spiritualität der späteren Christen die gleiche Bedeutung gehabt, wie der Glaube an den heiligen Nikolaus. Oder einfach nur Nikolaus. Oder Weihnachtsmann. Denn von irgendwo her müssen die Geschenke ja kommen! Und die Schenkfreudigkeit wurde dem Christentum nachweislich durch das Heidentum beigebracht und nicht durch Jesus.

Worin besteht eigentlich der wahre Unterschied zwischen den Christen und den Heiden? Die Heiden werden sich über diesen Artikel nicht im geringsten aufregen. Die Christen wahrscheinlich ja. Der Vorteil der Heiden besteht darin, dass sie sich selbst nicht so ernst nehmen, wie es die Christen tun.

Die Vereinsamung des Oberhauptes

Der Monotheismus schaffte die Vielfalt der verschiedenen Verkleidungen ab, hinter denen sich der menschliche Geist versteckte. Denn all die Geister und Dämonen, Feen und Kobolde hatten auffällig menschliches Antlitz. Und wenn sie böse waren, dann waren sie eigentlich genauso böse wie die Menschen. Nur wenn sie gut waren, dann haben sie mit ihrem Zauber die Menschen bei weitem übertroffen. Alle heidnischen Geister und Gottheiten waren und sind die Spiegelung des menschlichen Geistes.

Der einsame Gott wird dagegen als die Urursache der Welt angenommen. Während die Geister und Dämonen, Feen und Kobolde hocherfreut im Gras hüpften, ohne sich zu fragen, wem sie die wunderschöne Welt zu verdanken haben, fingen die Menschen an, sich damit ernsthafte Gedanken zu machen. Und sie haben hinter allem, was sie sahen, den alleinigen Gott entdeckt. Der menschliche Geist wurde damit etwas erwachsener, weil er die marionettenhafte und allzu willkürliche geistige Vielfalt aufgegeben hat und nach der Einheit bei der Ursache und Wirkung fragte. Und so entstand der allmächtige und wirkungsvolle Gott, der die Verantwortung für jedes Geschehen bis heute tragen muss.

Während die Geister und Dämonen die Menschen oft grundlos ärgerten, fand Gott immer ausgeklügelte Gründe dafür, warum er den Menschen Ärger macht. Und die Menschen konnten sich nicht mehr einfach nur ärgern, sondern sie mussten darüber nachdenken, warum ihnen Gott so viele Hürden in ihren Lebensweg stellt. Sie konnten sich auch gegen Gott nicht mehr mit Knoblauch rüsten, so, wie sie es gegen die Geister erfolgreich tun konnten. Weil sie zu dem Schluss kamen, dass sie gegen den übergroßen Gott, von dem sie nicht einmal wussten, wie er aussieht, und der bis heute keine erkennbaren Schwächen hat, machtlos seinen. Was bei den Geistern nicht der Fall war. Also wurde der menschliche Geist dadurch eindeutig ernsthafter, nachdenklicher und erwachsener. Und wie es mit den Erwachsen so ist – auch langweiliger.

Nur Einer hat es bislang gewagt, mit Gott zu kämpfen. Und der nannte sich danach Israel. Er wagte es aber nur, weil er nicht ahnte, mit wem er da kämpft: „In einer Nacht griff ein Engel Jakob an und rang mit ihm die ganze Nacht. Als die Morgendämmerung heraufzog, ließ Jakob ihn nur gegen einen Segen ziehen. Er erhielt von dem Engel den Namen Israel – Gottesstreiter – denn er hätte mit Gott und Menschen gerungen und gesiegt. Dies war das letzte Mal im Alten Testament, dass ein Mensch körperlichen Kontakt mit Gott hatte – nicht einmal Moses oder David erfuhren diese Ehre.“

Die Langweile

Die weit verbreitete Langweile des eng religiösen Glaubens hat den Heiden, welche zum Christentum überlaufen sind, nicht gefallen. Deswegen ließen sie Gott nicht lange alleine da sitzen. Sie riefen die Engel und Dämonen aus ihrem Schlaf, damit sie die guten und bösen Geister, die Feen und die Kobolde ersetzen. Und wieder war Gott nicht die alleinige Ursache für das ganze Getümmel auf der Erde. Nach jedem Regen haben die Engel und die Teufel tiefe Spuren im Matsch hinterlassen. Die bösen Dämonen, die Teufel, müssen in der katholischen Kirche von gebildeten Fachkräften bis heute regelmäßig vertrieben werden, damit sie in der Kirche nicht die Überhand nehmen.

Und auch die Hexen wurden aus der heidnischen Kultur durch die bekehrten Christen wieder ins Leben gerufen. Damit sich die Christen an den Hexen endlich rächen konnten. Mit der Macht des Kreuzes und der Macht Gottes. Weil die Christen den Glauben angenommen haben, dass Gott der Aller Mächtigste sei. Deswegen konnten sie mit seiner Hilfe angstfrei auf Hexenjagd gehen. Und dank dieser Unterhaltung war es den Christen nicht mehr so langweilig.

Ist es möglich, dass sich auch Gott hier und da langweilt? Wenigstens unseretwegen? Veranstaltet er deswegen die verwegenen Spielchen mit uns, auf die Herr Günther Vennecke unter dem Artikel: Gott-und-Atheismus am 9. Juli 2010 um 23:40 Uhr hinweist? Wortlaut: “Gott” schließt mit Satan eine Wette über die Glaubensfestigkeit von Hiob ab (so viel zur “Allwissenheit” des “Allmächtigen”). Als Folge dieser Wette sterben viele Menschen. Diese Geschichte wird den Gläubigen als Beispiel eines unverbrüchlichen Gottvertrauens verkauft, wo doch Hiob das Opfer eines zynischen und senilen Trottels war, der seine angebliche Macht bei Spielchen verplempert.

Das magische Denken

Das magische Denken erzeugt wie eine Presse ein oft undurchsichtiges Spiegelbild von uns selbst, von unseren Ängsten und Wünschen. Und wer sich nun dagegen wehren will, er selbst sei nicht so undurchsichtig wie manche Spiegelbilder, der sollte darüber noch etwas nachdenken. Ein flaches Gemüt ist oft nicht im Stande, die menschliche Tiefe getreu widerzuspiegeln. Auch spiegelt das magische Denken oft nur das Vorrangige, das Akute, das sich mit aller Macht nach vorne drängt. Ein strenger Gott spiegelt nun mal vor allem die Strenge wieder. Anders geht es auch nicht, weil wir nicht wissen, wie Gott wirklich aussieht.

Also könnte uns eine ernsthafte Auseinandersetzung mit unseren Gottesbildern vor allem in Sachen Selbsterkenntnis hilfreich sein. Wir können uns milde und liebevoll geben wie wir wollen, so lange wir einem strengen Gott gegenüber stehen, dann stimmt an unserer Selbstdarstellung etwas nicht. Natürlich können wir auch an einen liebevollen Gott glauben und selbst streng und gehässig sein. Dass nennt man dann Arbeitsteilung. Gott macht den einen Teil der Arbeit und wir den anderen. Dank dieser vernünftigen Teilung kann sich niemand mit Gott verwechseln. Und unser Wunschdenken bleibt dabei vollkommen frei.

Gott und ich

Ich selbst empfinde mich eher als Gegenspieler Gottes. Ich will mich durch den schlauen Gott nicht so einfach überlisten lassen. Es sei denn, ich werde dabei auch schlauer. Das kann ich mir dann als Gewinn zuschreiben. Deswegen kann ich mich schlecht als Atheist bezeichnen. Und sollte es Gott wirklich nicht geben, dann wäre es echt schade. Ich würde dadurch meinen sehr schlauen Gegner verlieren.

Kommentare

Schreibe den ersten Kommentar für diesen Artikel.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*