In zweiter Auflage ist ein unkomplizierter, praxisorientierter Einstieg ins Thema Datensicherheit im Internet von Jens Kubiziel erschienen.
Ein Berliner betritt eine Bäkerei in München. Die Verkäuferin begrüßt ihn mit: “Na, wie viele Schrippen hätten´s den gern?”. Und dabei hatte der Tourist sich doch vorher extra erkundigt, dass er Semmeln verlangen müsse um die gewünschten hellen Brötchen zu bekommen. Woher weiß die Verkäuferin, woher er kommt?
Was in der Bäkerei, also im analogen Leben, jeden verwundern würde, ist bei Online-Shops längst Realität: Beim Besuch der Webseite werden persönliche Daten übertragen, Cookies gesetzt und weitere Mechanismen in Gang gesetzt, um mehr über den Kunden und sein Verhalten zu erfahren.
Aber was ist schlimm daran? Ist doch schön, passende Werbung zu sehen, die auf einen persönlich zugeschnitten ist? Ist anonymes Surfen und Mailen nicht nur etwas für Bombenbastler und Pornoseiten-Nutzer?
Kontrolle behalten über die eigenen Daten:
Aber Jens Kubiziel sieht das Problem woanders: Wir machen uns zu wenig Gedanken über die Wahrung der eigenen Anonymität, unabhängig von den individuellen Motiven, die eigenen Daten im Netz zu schützen. Die Entscheidung, wie sehr man sich identifizierbar macht, soll auch im Internet bei jedem selbst liegen.
Um diese Kontrolle wieder zu erlangen, ist ein wenig Hintergrundwissen erforderlich und die Kenntnis von Browsererweiterungen, Anonymisierungsdiensten im Internet und hilfreicher Zusatzsoftware. Und genau das bietet “Anonym im Netz: Wie Sie sich und Ihre Daten schützen”, erschienen im Open Source Press-Verlag für knapp 20,- Euro.
Praxisorientierter Einstieg ins Thema: Probieren geht über studieren:
Mit einem praktischen Einstieg geht es sofort los: Der Leser installiert und konfiguriert als erstes Firefox und Tor. Es gibt auf jeweils vier Seiten Erläuterungen für die Einrichtung unter Windows, Linux und Mac OS. Völlig frei von theoretischem Balast kommt so jeder auch ohne IT-Studium binnen weniger Minuten zu einer anonymisierenden Internetverbindung.
Im zweiten Kapitel geht es dann um Webproxys wie Anonymouse, offene Proxys und das CoDeeN-Netzwerk. Eine Reihe weiterer nützlicher Erweiterungen für Firefox werden kurz besprochen und Privoxy, einer der mächtigsten Web-Filter wird gut verständlich und sehr ausführlich vorgestellt.
Jens Kubiziel versucht, jedem normalsterblichen Internetnutzer einen soliden Einstieg zu vermitteln und gleichzeitig Praxis-Tipps zu geben. Das gelingt ganz gut, aber unvollständig. Schön sind etwa die Erläuterungen, was Proxys eigentlich sind. Andere Begriffe dagegen wie “Port” und “Cookie” werden jedoch ohne Erläuterung verwendet. Die für Firefox genannten Erweiterungen sind unvollständig, ich hätte mir zu jedem vorgestellten Programm eine Aufzählung von Alternativen gewünscht. Gut ist die Verknüpfung von durchaus anspruchvoller Theorie mit praktischen Handlungsanweisungen. So kann jeder Leser selbst entscheiden, wie viel Fachwissen er aufnehmen möchte.
Im zweiten Teil wird´s schwierig:
Alice, Bob und die Remailer-Evolution: Im zweiten Teil geht es um das sichere Mailen, die verschiedenen Mixmailer-Klassen, Installation und Hinweise zu konkreten Projekten. Auch dieser Teil ist unterhaltsam geschrieben, verständlich und transparent strukturiert. Auffallend ist dennoch ein klarer Bruch im Buch: Das Niveau steigt doch merklich ab Kapitel 3. das ist nicht unbedingt schlimm, Otto-Normal-Verbraucher, die hier Schwierigkeiten haben, zu folgen, finden Hinweise auf Literatur im Netz. Aber ab hier ist es vorbei mit Plug-ins, selbstinstallierenden Add-Ons und bereits gut eingestellten Programmerweiterungen.
Wer wissen will, was er eigentlich im ersten Teil des Buches gemacht hat, erfährt das in Kapitel 4, in dem das Tor-Projekt umfangreich erklärt wird. Es wird in den folgenden Kapitel dem JonDonym-Projekt und I2P gegenübergestellt.
Fazit:
Unterm Strich ist dieses Buch Keines für den absoluten Einsteiger. Der findet kostenlos Rat und Hilfe unter https://www.awxcnx.de/handbuch_11.htm, dem Handbuch der German Prvacy Foundation und vielen weiteren Seiten, auf die man nach entspanntem Googeln stößt. Besser allerdings nach entspanntem “Ixquicken”, einer Suchmaschine, die die Anfragen nicht mitloggt: http://www.ixquick.com/deu/.
Wer jedoch an technischen Hintergründen interessiert ist, einen schnellen Einstig ins Thema sucht und wirklich etwas verstehen will, statt nur anzuwenden, der ist mit “Anonym im Netz” bestens bedient!
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