Konstantin Wecker & Hannes Wader rockten auf Tollwood so richtig ab!

Zwei junggebliebene Oldies, von manchen auch respektlos “Grufties” genannt, rockten am Donnerstagabend vor 3000 begeisterten Fans auf Tollwood ab… Jeder der beiden Oldmen hat mehr Musikgefühl im kleinen Finger als ein von der Blödzeitung hoch- und bejubelter DSDS-Shootingstar. Eine, fast kann man schon sagen, “Bombenstimmung“ in der ausverkauften Zeltarena. Konstantin,

Zwei junggebliebene Oldies, von manchen auch respektlos “Grufties” genannt, rockten am Donnerstagabend vor 3000 begeisterten Fans auf Tollwood ab…

Jeder der beiden Oldmen hat mehr Musikgefühl im kleinen Finger als ein von der Blödzeitung hoch- und bejubelter DSDS-Shootingstar. Eine, fast kann man schon sagen, “Bombenstimmung“ in der ausverkauften Zeltarena. Konstantin, Hannes, der kongeniale Weltmusiker Hakim Ludin, ein afghanischer Perkussionist, und eine Neuentdeckung Konstantins, der dänische Gitarrist und Saitenspezialist Nils Tuxen sowie das Alter Ego von Konstantin am Klavier Jo Barnikel ließen die heiße Luft vibrieren. Alle sind von Anfang an voll dabei, das erwartungsvolle Publikum wird mit der Liebeserklärung “Kein Ende in Sicht “ eingestimmt. Ironisch nehmen die beiden sich und ihr Alter gleich zu Beginn liebevoll aufs Korn, resümieren darüber, kokettieren gekonnt mit ihren grauen Haaren.

Es war wie so oft ein Abend, welcher viel zu schnell zu Ende war, aber das ist halt Deutschland, Bayern, München, wo sogar schon überlegt wird, wer nach den Rauchern an die Kandare genommen werden kann.
Warum ist auf dem Gelände eine Begrenzung der Spieldauer auf 22.00 Uhr angeordnet, weit und breit wohnt da “koaner” und deshalb sieht es der Schreiber nicht ein. Nix is mehr mit der früher so viel gerühmten Liberalitas Bavariae, die ist den Bach genauso runter gegangen wie manche Träume der heute über 60-jährigen Generation.
Doch der Schreiber fragt sich, was sind das für Leute, die begeistert klatschen, wenn Konstantin Sage Nein, den Willy, Guttiland oder andere revolutionäre Töne erklingen lässt?

Da wird begeistert mit gegangen, man fühlt sich stellenweise wie auf dem Oktoberfest, wenn das Hofbräuhauslied angespielt wird, aber am Ende nicht nachgedacht, was man wie ändern könnte sondern brav in das noch nicht bezahlte Reihenhäuschen nach Hause gefahren, um am nächsten Morgen in die Hände zu spucken, damit das Bruttosozialprodukt gesteigert wird. Da wird zwar brav geklatscht und gejubelt bei einem Seitenhieb Weckers auf Schwarz/Gelb, aber bei der nächsten Wahl geht man entweder nicht hin, weil man ja nichts ändern kann, oder sicher ist sicher, bleibt man mit dem Kreuzchen an der gewohnten Stelle. Genau so, wenn Wader sein “trotz Alledem” singt, bei “Ein Sozialismus müsste her, mit neuem Schwung und alledem, doch wenn er wie der Alte wär, würds wieder nichts trotz alledem”
kommt der Beifall gewohnheitsmäßig an der richtigen Stelle, aber warum kommt nicht der Gedanke was man als einzelner tun könne, um etwas zu ändern.

An Weckers oder Waders Stelle wäre der Schreiber schon lange zusammengefallen, hätte nicht den Mut und Elan der beiden, wie Sisyphus immer wieder von vorn anzufangen.

Aber zum Schluss stand der Schreiber Hüften schwingend in der Menge, alle Wehwehchen waren für den Moment vergessen und einen Moment war ein Feeling wie zu alten PN oder Big Apple Zeiten für ihn zu spüren, wie damals in der guten alten Zeit auf der Leopoldstrasse.
Doch zurück zum heutigen Abend, wenn Berlin, was ich damals schon sehr gut fand, die Generalprobe war, dann kann ich nur sagen war es nach der heutigen glanzvollen Premiere eine etwas misslungene.
Aber jedes Konzert ist anders, im Zelt auf Tollwood hat Wecker sowieso ein Heimspiel und da kommt ein ganz anderes Gefühl rüber als wie in einer alten Wehranlage.

Fazit, Wecker bewegt etwas, und wenn es nur wie heute bei dem Schreiber alte Knochen sind, vielleicht ist es bei dem einen oder anderen ein anderer Körperteil, welcher mobilisiert wird. In dem großen Zelt, es fasst 3000 Leute, ist ein ständiges Kommen und Gehen, stellenweise dachte der Schreiber in der Münchner Fußgängerzone zu sitzen. Manche Kulturbanausen denken wohl einfach, bloß weil sie Eintritt zahlen, können sie sich aufführen wie die Axt im Walde, ob sie sich das in der Staatsoper auch trauen würden ist die Frage, die sich mir zum Abschluss stellt. Außerdem ist es eine Missachtung der Künstler und ihrer Leistung, und eine Respektlosigkeit den anderen zahlenden Zuschauern gegenüber.

Der Akku ist wieder voll getankt, und dann hieß es: Einfach wieder schlendern, durch den Regen gehn, welcher erfreulicherweise die drückende Schwüle im Zelt schon während des Abend gelindert hatte.
Von solchen Abenden kann man sagen; “Genug ist wirklich nicht genug“, doch muss es uns genügen, jedenfalls für hier und jetzt.

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