Der Indische Minister für Human Resource Development, Kapil Sibal, hat einen Tablet-PC der Öffentlichkeit vorgestellt. Das besondere daran ist, dass er nur 35 US-Dollar kosten soll. Damit läge der Preis bei 1/14 des iPad. Indien – wie viele andere Entwicklungsländer – können sich die hohen Kosten für einen PC für die Masse ihrer Bevölkerung nicht leisten. Wie schon der MIT-Professor Negroponte, der einen 100 US-Dollar PC für die Armen der Welt auf den Markt bringen will, versucht Indien hier den Preis noch weiter nach unten zu drücken. Der Tablet-PC soll 2011 auf den Markt kommen und auf dem Open Source Betriebssystem Linux basieren.
Endgeräte sind nur ein Teil des Problems
Ich habe bereits an anderer Stelle auf die grundsätzliche Bedeutung des iPad bei seiner Vorstellung Anfang dieses Jahrs hingewiesen. Es geht neben der Hardware auch um Standards für eBooks. Während Apple erneut einen eigenen proprietären Standard wie bei seinen Musikplayern etablieren will, gibt es parallel dazu Bemühungen, einen offenen nicht-proprietären Standard wie EPUB zu etablieren. Mit aggressivem Marketing und der Unterstützung zahlreicher Verlage ist Apple nun mit dem Start des Verkaufs des iPad zunächst gelungen, gegenüber der Konkurrenz z.B. Sonys eBook Reader, der auch EPUB unterstützt, den first-mover-advantage im Rahmen eines Standardkriegs für sich zu reklamieren. Als einziger derzeit ernstzunehmender Konkurrent kann Amazon mit dem Kindle und über 620.000 Buchtiteln im Angebot Apple halbwegs Paroli bieten. Apples iPad hat jedoch den entscheidenden Vorteil, dass er als Tablet-PC nicht nur als eBook-Reader konzipiert ist, sondern das gesamte Spektrum der Apple-Services gleichzeitig mit bedienen kann.
Wer kontrolliert die Vertriebswege und das Rechtemanagement bei eContent?
Ob es Indien oder auch anderen Anbietern gelingen wird, allein über ein billiges Endgerät maßgeblichen Einfluss auf den entstehenden kommerziellen Markt für eContent insbesondere eben auch für klassische Druckerzeugnisse zu gewinnen, kann bezweifelt werden. Unter der Oberfläche von Endgeräten liegen die weitaus bedeutenderen Fragen, ob es offene Standards in Richtung EPUB geben wird, wer am Ende die digitale Rechteverwaltung (DRM) kontrolliert und wie die Marktzutrittsmöglichkeiten sich im Zuge der neuen Vertriebswege bei eContent verändern werden. Die Medienindustrie steht jedenfalls schon in den Startlöchern, um das Fell des Bären unter sich aufzuteilen.
Apple ist jedenfalls offensichtlich auf einem guten Weg, die Marktführerschaft in der digitalen Welt des eContent und eCommunication für sich zu erobern. Steve Jobs hat mit Apple sehr viel besser die Bedeutung der vertikalen Integration einer digitalen Wertschöpfungskette und die Bildung von Marktmacht darin begriffen. Bisher scheinen jedenfalls nicht-kommerzielle NGOs oder auch die Regierungen die Problematik diesbezüglich noch nicht erkannt zu haben. Auch viele potentielle Wettbewerber bleiben ihren traditionellen Teilmärkten verhaftet. Goldene Zeiten für Apple. Die Bilanzen zeigen es deutlich. Apple ist nicht nur Technologieführer, sondern auch Weltmarktführer bei digitalen Content-Geschäftsmodellen.
Guter Hinweis. Als ich das gelesen habe:
http://www.tagesanzeiger.ch/digital/computer/Indiens-Antwort-auf-das-iPad/story/20827069
wünschte ich mir gleich, noch einmal ein indisches Kind zu sein. Apple wird in Indien nicht viel heraushollen können.