Die politische Verantwortung für die Durchführung der Loveparade liegt beim Oberbürgermeister der Stadt Duisburg, die diese Groß- veranstaltung mit Macht an sich gezogen hat: Alfred Sauerland (CDU). Das gälte selbst dann, wenn er sich nicht persönlich eingemischt hätte. Hat er aber.
2008 richtete er eine stadtinterne Arbeitsgruppe ein, die die Machbarkeit der Parade auf einem städtischen Grundstück untersuchte. Sauerland ließ den Bericht in der Versenkung verschwinden. Ganz gewiss nicht, weil er die Machbarkeit gefeiert hatte. 2009 aber gab es Streit in Duisburg, weil der Duisburger Polizeischef Rolf Cebin öffentlich erklärte, dass in Duisburg keine Veranstaltungsfläche für 500.000 und mehr Menschen zu finden sei, bei der sich eine geregelte An- und Abreise organisieren ließe. Prompt rügte ihn der Duisburger CDU-Chef, Sauerland-Spezi Thomas Mahlberg wegen dieser angeblich unqualifizierten Äußerungen, mit denen er der Stadt geschadet habe. Er forderte damals sogar die Ablösung von Cebin. Geht er denn jetzt selbst? Sauerland erklärt, er könne nach der Horrorparade nicht sein Amt verlassen, denn er müsse sich um die bestmögliche Aufarbeitung kümmern. Das soll wohl eine brutalstmögliche Aufklärung á la Roland Koch werden?!
Die Augen vor den offenbaren Risiken verschlossen
Duisburg ist eine von der Bundespolitik finanziell schwer gebeutelte Stadt, die zudem wie keine andere vom Strukturwandel des Reviers betroffen ist. Da hätte ein erfolgreiches Großereignis dem Image der Stadt schon nutzen können. Die Stadtoberen haben daher – anders als in Bochum, wo das Angebot im Vorjahr abgelehnt worden war – die Augen vor den offenbaren Risiken verschlossen. Diese Leichtfertigkeit hat 20 Menschen das Leben und über 500 die körperliche Unversehrtheit gekostet.
Die Ermittlungen mit fünf Staatsanwälten und über 300 Kriminalisten sollen angeblich noch sehr lange dauern. Dabei steht die Verantwortlichkeit des Hauptverantwortlichen Sauerland auch in strafrechtlicher Hinsicht schon fest. Jeder technische Laie versteht auf Anhieb, dass ein Nadelöhr wie der Tunnel zum Güterbahnhof, der in der Stunde 20.000 Menschen Durchlass gewährt, nicht dereinzige Zugang für Hunderttausende und letztlich fast 1,5 Millionen Menschen sein kann!
Sauerland sollte aus politischen Gründen zurücktreten und eine angemessene Strafe wegen fahrlässiger Tötung von 20 Menschen akzeptieren. Da seine Leichtfertigkeit mit einer guten Portion Unerfahrenheit, wenn nicht gar Dummheit gepaart ist, wird man ihm nicht mit der schweren Keule einer Freiheitsstrafe (auf Bewährung, wie üblich) kommen müssen. Am eigenen Geldbeutel muss er eine satte Geldstrafe verspüren. Und natürlich kann er nicht im Amt bleiben!
Photo Quelle/Copyright: AchimH, cc creative commons, Bestimmte Rechte vorbehalten, via flickr
Bei solchen Katastrophen, die auf ganz offensichtlichen Fehlern von Verantwortlichen ruhen, müssen schnell Köpfe rollen. So hat man das immer praktiziert. Für Herrn Sauerland bedeutet jede Stunde des aufgeschobenen Rücktritts eine Verschlimmerung seiner Lage. Es liegt in seiner Hand.
Natürlich dürfen darüber alle anderen nicht vergessen werden: Schaller, die Polizeiführung, die Landespolitiker, und auch ein Herr Schreckenberg nicht.