Kann sich die Menschheit dank ihres erfolgreichen Wachstums und Wohlstands selbst zerstören? Als die Atombombe erfolgreich eingesetzt wurde, kam wahrscheinlich die Frage nach der möglichen Selbstzerstörung der Menschheit das erste Mal so richtig ernsthaft auf. Auch ich habe mich in meiner Kindheit gefürchtet, dass jemand, aus welchen Gründen auch immer, den Knopf drückt. Ob mit Absicht oder aus Versehen. Nachdem ich langsam lernte, die Menschen mit all ihren ungeahnten Fähigkeiten zu verstehen, kam ich irgendwann zu dem Schluss, dass es eher aus Versehen passieren könnte. Deswegen erwähne ich so oft das menschliche Ungeschick, sehr geehrter Rudolf Kipp!
Natürlich habe ich irgendwann erfahren, wie gut die Knöpfe abgesichert sind, welche die Atomgeschosse starten lassen. Leider ist es so, dass wir uns meistens ziemlich sicher fühlen, nachdem wir uns abgesichert haben. Und das wohlige Gefühl der Sicherheit setzt sich auch dann fort, wenn alle Sicherheitsmaßnahmen abgeschaltet wurden. Wie es in Tschernobyl der Fall war. Und sollten die Atomwaffen an einem passenden Montag oder Dienstag komplett abgeschafft werden, auch dann hätte ich Sorgen. Auf Grund der Euphorie, dass wir endlich abrüsten können und deswegen nichts Schlimmes mehr passieren kann, könnten sich sehr wohl einige Unfälle ereignen. Ich vermute, dass der trunkene russische Präsident Boris Jelzin das geheime Passwort zu den Atomgeschossen niemals erfahren hat. Wegen der Sicherheit.
Doch wir müssen noch tiefer bohren:
Auch der Unfall mit der Ölplattform vor dem amerikanischen Kontinent geschah nicht absichtlich. Und wir wissen nicht, wie viel Methan dabei gleichzeitig entwich. Wir wissen nicht, welches Ausmaß die Schäden haben werden, weil wir nicht einmal wissen, wie viel Öl dabei entwich. Alles nur Schätzungen. Seit Menschengedenken versuchen wir Gefahren einzuschätzen, obwohl wir angeblich in der Lage sind, die Gefahren wissenschaftlich zu untersuchen und danach genau zu prognostizieren.
Die Algenflut an der Ostküste oder an Frankreichs Ufern haben nicht so viel mir der Erderwärmung zu tun, gleich wie diese bedingt ist, sondern vor allem mit dem Dünger, den wir fachmännisch zum Wachstum unseres Wohlstands anwenden. Wie es Herr Ammer auch immer wieder schreibt. Und während wir uns über den Klimawandel streiten, ob er durch Menschen verursacht sei oder nicht, stolpern wir nur so nebenbei über die vielfältigen Folgen unserer Tätigkeit, auf die wir mit Sicherheit hier und da auch stolz sein können, die aber sehr oft einfach nur ungeschickt ist.
Die Gefahren lauern bei den Menschen
Welche Lebensgrundlagen sind aus meiner Sicht in der Gefahr, zerstört zu werden, Herr Kipp? ALLE! Aber vor allem die Pflanzenwelt. Ich habe schon einige Male auf die Zusammenhänge zwischen dem Klima und der Pflanzenwelt hingewiesen. Bei einem optimistischen Wachstum der Weltbevölkerung und des technologischen Fortschritts wird immer mehr von der pflanzlichen Natur zerstört. Wie es in Afrika längst der Fall geworden ist und wie es in Südamerika erfolgreich fortgesetzt wird. Zufällig weiß ich, dass der Boden dort sehr sandig ist, beim Ausbleiben des Regens werden Wüsten entstehen. Und nach dem Abholzen des Regenwaldes wird wohl das Regen ausbleiben. Doch wegen dem wirtschaftlichen Wachstum und dem angestrebten Wohlstand scheint es uns unmöglich zu sein, wenigstens hier und da die Natur in Ruhe zu lassen.
Und nun zu dem vorhersehbaren Kollaps:
Sie schreiben am 27. Juli 2010 um 21:14 Uhr, werter Rudolf Kipp, unter dem Artikel Warum erwärmt sich das Polarmeer? (Teil zwei) folgendes: “Und dabei darf man Reserven nicht mit den Ressourcen verwechseln. Diese sind deutlich höher und werden bei steigenden Preisen und/oder verbesserten Technologien ebenfalls zugänglich. Kohle gibt es noch für mehrere Hundert Jahre und beim Erdgas und beim Uran werden die Zahlen für die Reichweite auch ständig nach oben korrigiert.”
Selbst wenn die fossilen Rohstoffe und der Uran für 250 Jahre reichen sollten, dann haben wir genau die Zahl vor Augen, wie lange das Wachstum und unser Wohlstand fortzuführen ist – 250 Jahre. Und dann haben wir mit Sicherheit nicht genug Energie, um den erreichten Wohlstand aufrecht zu erhalten. Klima hin, Klima her.
Natürlich können wir dem unsere fachlichen Schätzungen entgegensetzen, nach denen die Menschen bis dahin Technologien entwickeln, welche die bisherigen Energiequellen ersetzen können. Doch unsere Schätzungen müssen sich bewahrheiten, bevor wir vor dem Kollaps stehen!
Wie geht es weiter?
Einen möglichen Ansatz erwähnen Sie, Herr Rudolf Kipp, in dem Kommentar vom 27. Juli 2010 um 22:10 Uhr: “Von einem drohenden Kollaps kann also in keiner Weise die Rede sein. Und was bei dieser Betrachtung noch völlig unberücksichtigt bleibt sind die Möglichkeiten, welche zukünftige Entwicklungen uns bieten können. Dazu gehören weitere Verbesserungen bei der Nutzung der Kernenergie und bestimmt auch die Nutzung von Wasser- Wind- und Sonnenkraft.”
Nur wird von den Klimaskeptikern gegenüber den Klimaalarmisten im gleichen Atemzug der Vorwurf geltend gemacht, sie würden Alarm machen, um die teuren und an sich überflüssigen alternativen Energiequellen subventionieren zu lassen und sich mit dem Geld die Taschen zu füllen. Ungefähr so, wie es BP bei der Ölförderung bislang fleißig gemacht hat. Wegen dem Wachstum und wegen dem Wohlstand. Und wenn keiner von den Forschern und Entwicklern der erneuerbaren Energiequellen dabei nicht auch gut leben darf, dann sehe ich die Entwicklung auf diesem Feld nicht so optimistisch, wie Sie.
Das schwer ersetzbare Öl
Weil sich allein in der Landwirtschaft das Öl nicht so einfach ersetzen lässt: Der Bauer müsste wieder die Pferde einschnallen und er hätte für seine abgemagerten Felder fasst kein Dünger mehr. Die Leistungsfähigkeit der Landwirtschaft wird schlagartig nach unten fallen. Also kein Wachstum mehr, und auch kein Wohlstand. Statt dessen Mangelernährung. Weil wir eine sehr natürliche Eigenschaft bis heute beibehalten haben: Ohne annehmbaren Fraß leben wir nicht lange.
Doch dank dem zu erwartenden Wachstum am Wohlstand wird das Öl zuerst wahrscheinlich immer teurer, was auch zu vernünftigen Sparmaßnamen führen könnte. Nur werden dann die ungemein vielen armen Menschen die Natur noch mehr ausbeuten, um sich unserem Wohlstand wenigstens ein wenig anzupassen oder einfach um essen zu dürfen. Bei jeder Verschärfung unserer Probleme mit den Energiequellen wird sich auch der menschliche, um nicht zu sagen humane Umgang mit der Natur sehr verschärfen. Rette sich wer kann!
Das Geld
Wie wir immer wieder erfahren können, spielt bei dem erfolgreichen Kampf um die Zukunft, das Wachstum und den Wohlstand auch das Geld eine wichtige Rolle. Nur gehen wir mit dem Geld sehr unwissenschaftlich um. Die Folgen sind Finanzkrisen, Wirtschaftskrisen und drohende Inflation, wie wir gegenwärtig erfahren mussten. Ich kann mich nicht darauf verlassen, dass uns die Patzer mit dem Geld in 20, 40 und 60 Jahren nicht immer wieder passieren. In einer Zeit, in der sich das Problem mit dem Rohstoffmangel bei den Energie-Quellen immer deutlicher verschärfen wird.
Die Unruhe und Panik, die bei dem abstürzenden Wachstum und Wohlstand entstehen werden, werden unter den Menschen zu Zerwürfnissen führen. Genau so, wie in diesem Forum zum Klimawandel, obwohl hier für die Zerwürfnisse keine ernsthaften Gründe bestehen. Wir üben hier nur fleißig für die kommenden ernsthaften Zeiten. Und die Zerwürfnisse werden uns in den anstehenden Krisen und Umweltkrisen von vernünftigen Lösungen genauso ablenken, wie sie es auch in diesem Forum zum Klimawandel bereits erfolgreich tun. Ich stelle damit nur fest, dass unsere wachsenden Zerwürfnisse deutlich erfolgreicher sein können, als wir es bei dem wachsenden Wohlstand bislang gewesen sind.
Auch der Erfolg hat zwei Gesichter
Wie nun jedermann sehen kann, greife ich bei meinen pessimistischen oder wenigstens skeptischen Überlegungen auf unterschiedliche Beobachtungen, die mit dem Klimawandel oft sehr wenig zu tun haben. Sie haben aber alle unmittelbar sehr viel mit den Menschen zu tun. Weil es hier bei dem Klima auch um die Frage geht, was die Menschen alles beeinflussen können und was nicht.
Können wir wenigstens unsere Zukunft beeinflussen. Viele Menschen glauben: JA! Ich glaube es auch. Die Frage ist nur: Mit welchen Ergebnis können wir bei unserer Gestaltung der Zukunft eher rechnen? Ich tippe auf die Blamage…
Fossile Brennstoffe werden uns ausgehen. Wenn wir wollten, wären wir aber längst von ihnen unabhängig. Sonne und Wind sind für unseren Bedarf unendlich viel vorhanden. Aber jeder Wechsel in der Energiepolitik wird ja in allen Ländern von den Energiekonzernen an sich gerissen, damit sie ihren Einflusslevel und ihre Gewinne auch mit den neuen Energien behalten. Alternative Energien werden nirgendwo in der Welt eingesetzt, um die Preise für die Energie zu senken. Denken Sie nur an Strom aus des Sahara. Da wird von den Energieriesen ausschließlich über sündhaft teure Projekte gefaselt und die Öffentlichkeit gleich unterrichtet, dass die Energie dadurch bestimmt nicht billiger würde.