Der IG Rock Szenetalk ging am letzten Samstag in die zweite Runde
In den Räumlichkeiten der Musikinitiative Hammelburg e.V. geht es so manches Mal kunterbunt und vor allem nicht gerade leise zu. Im Rahmen des IG Rock Szenetalks herrschte nun gleich einen ganzen Nachmittag und Abend reges Treiben im Garten, in den Probenräumen und schließlich auch auf der Bühne. Höhepunkt der Veranstaltung war, neben zahlreichen informativen Workshops, ein Band-Battle mit acht Formationen, die teils eine weite Anreise auf sich genommen hatten.
“Musik ist mehr als die Gesamtzahl ihrer Töne”, lautete das Motto während der Premiere des IG Rock Szenetalks im Sommer letzten Jahres. Zum ersten Mal hatten sich Musikinteressierte und -schaffende zusammengeschlossen, um dem Nachwuchs mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Ein Jahr später hat sich das als Experiment gestartete Konzept bewährt. Sowohl die theoretischen Einheiten rund um Promotion und Pressearbeit, Studiokunde und Backline-Aufbau als auch die Möglichkeit, sich am Abend live zu präsentieren, fanden großen Zuspruch unter den jungen Leuten.
Interessiert und mit manch kritischen Fragen bereicherten sie die Ausführungen der Dozenten und scheuten sich nicht, auch eigene Erfahrungen mit einzubringen. Wie sieht ein gelungener Myspace-Auftritt aus? Und wie verhält es sich mit den Ansprüchen von Veranstaltern und Presse an die Bands? Gespannt lauschten sie dem richtigen Aufbau einer Bandinfo, um kurz darauf mit den Anforderungen eines Studioaufenthaltes konfrontiert zu werden. Schnell wurden die wichtigsten Grundbegriffe, in dieser für viele noch fernen Welt, geklärt. War etwa die Phrase “Auf Click spielen” oder der Begriff “Overdub” bisher nur eine leere Hülle, bekam sie durch die anschaulichen Erklärungen binnen kürzester Zeit Substanz. Ähnlich erging es den zahlreich erschienenen Teilnehmern sicher auch während der Backline-Demonstration. Schien der Aufbau für einen Auftritt bisher eher eine unkoordinierte Angelegenheit, wurde jetzt deutlich, dass auch dahinter ein professionelles System stecken muss.
Sie wollen mehr als der Mainstream zu bieten hat
Nach so viel erstem Spiel, gepaart mit jeder Menge Spannung, folgte endlich das, worauf sich die Teilnehmer wohl am meisten gefreut hatten: Viel Musik! Neu innerhalb des IG Rock Szenetalks war diesmal nämlich ein eigens initiierter Band-Battle. Neben den bekannten Wasserhaus-Bands “Bagdad On The Dancefloor”, “Inwastement”, “Ghostbastärtz”, sowie “RMS”, unterwarfen sich auch “No Aim”, “Hug The Dragon”, “18 Jahre später” und schließlich “Dumb” dem kritischen Urteil der Gäste. Gerade einmal 15 bis 20 Minuten standen jeder Formation zur Verfügung, um das Publikum vom eigenen Können zu überzeugen und am Ende vielleicht einen der begehrten Preise abzusahnen. “Zu gewinnen gibt es einen Tag im IG Rock Tonstudio, ein Fotoshooting mit einer Hammelburger Szene-Fotografin und zu guter Letzt einen Gutschein vom Musikhaus Thomann im Wert von satten 100 Euro”, motivierte Burkhard Fenn, erster Vorstand der Musikinitiative Hammelburg e.V., die angetretenen Kandidaten.
Von Pop-Punk über Hardcore und Hardrock bis hin zu eigenwilligen Mischungen aus Indie und melancholischen Balladen, wurde dem Publikum ein äußerst vielseitiges und spannendes Spektrum musikalischer Spielarten geboten. Ob stilsicher einem Genre zuzuordnen oder kreativ zwischen verschiedenen Einflüssen changierend – alle Bands zeigten schon jetzt, dass sie mehr aus der Musik herausholen möchten, als der Mainstream ihren Altersgenossen über Charts oder Internetportale vermitteln kann. Keine leichte Entscheidung also, die das Publikum per Stimmzettel zu treffen hatte.
Hochwertige Preise für ein noch professionelleres Auftreten
Strahlende Sieger waren am Ende “Bagdad on the Dancefloor”, “Ghostbastärtz” und letztlich “RMS”. Teils ein denkbar knappes Resultat, wie die Organisatoren hinter den Kulissen später verrieten. Den Tag im IG Rock Tonstudio sicherten sich die Erstplatzierten “Bagdad on the Dancefloor”. Die vier jungen Männer, die ihren ersten Auftritt im Wasserhaus erst Anfang des Jahres beim so genannten “Heimspiel” absolvierten, hinterließen mit ihrer Mixtur aus Alternative, Punk und Indie einen wirklich guten Eindruck. “So soll’s weitergehen!”, lassen sie ihre Fans seitdem auf der eigenen Myspace-Seite wissen. Den zweitplatzierten “Ghostbastärtz” dürfte es ähnlich ergangen sein. Sie haben sich den 100-Euro-Gutschein des oberfränkischen Musikhauses Thomann redlich verdient. Diesen Preis verdanken sie sicher auch ihrer mitreißenden wie souveränen Performance, die schon während der ersten Töne absolute Bühnenpräsenz vermittelte. Der “Hardrock wie aus alten Zeiten” fand großen Anklang bei allen Anwesenden. Immerhin sind sie genauso wie die Drittplatzieren “RMS” keine Unbekannten mehr in dieser Region. Ismael, Pascal, Rafael und David freuen sich schon jetzt auf ein professionelles Photoshooting. “Wir hatten das ohnehin bereits geplant”, schmunzelten die Vier nach ihrem Sieg.
Gedankenlesen konnte das Publikum hier zwar nicht. Dennoch erhielt am Ende jede Band die passende Hilfestellung für ein noch professionelleres Auftreten. Nach diesem gelungenen Tag voller neuer Eindrücke und mit vielen guten alten Bekannten freut sich die IG Rock über einen reibungslosen Ablauf und jede Menge positives Feedback aus den Reihen der Teilnehmer. So lautete die Empfehlung, die Peter Adler, erster Vorsitzender der Würzburger Rockgemeinschaft (WüRg) und zweiter Vorstand der IG-Rock Unterfranken e.V. bereits im letzten Jahr an alle Mitwirkende aussprach: “Geht raus und spielt sooft ihr könnt!” Heuer können das die Organisatoren auf ein Neues vollends unterschreiben und geben dem Nachwuchs ein weiteres Mal mit auf den Weg: Fortsetzung nicht ausgeschlossen.
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