Signale für einen konjunkturellen Rückschlag in den USA und China häufen sich

Die schon seit einiger Zeit befürchtete konjunkturelle Eintrübung in den USA gewinnt immer mehr an Gestalt. Wurde bereits im Juli von der US-Fed im Beige Book von einem wachsenden Konjunkturrisiko geredet,so zeigen die jüngsten Daten zur Beschäftigungslage in den USA aufgrund von Massenentlassungen und auf hohem Niveau stagnierender Arbeitslosigkeit, dass

Die schon seit einiger Zeit befürchtete konjunkturelle Eintrübung in den USA gewinnt immer mehr an Gestalt. Wurde bereits im Juli von der US-Fed im Beige Book von einem wachsenden Konjunkturrisiko geredet,so zeigen die jüngsten Daten zur Beschäftigungslage in den USA aufgrund von Massenentlassungen und auf hohem Niveau stagnierender Arbeitslosigkeit, dass die USA den Aufschwung trotz massiver Konjunkturausgaben nicht in einen selbsttragenden nachhaltigen Aufschwung im Laufe dieses Jahres wandeln kann. Das Wirtschaftswachstum hat sich deutlich gegenüber dem ersten Quartal im zweiten Quartal abgeschwächt und diese Moderation dürfte sich auch in der zweiten Jahreshälfte fortsetzen. Mithin nimmt der sogenannte double dip Gestalt an.

Arbeitsproduktivität sinkt

Die Arbeitsproduktivität je Beschäftigtenstunde ist derzeit rückläufig, d.h. es gibt einen erneuten Beschäftigungsüberhang. Sinkendes Wirtschaftswachstum gepaart mit nahezu stagnierender Beschäftigung und sinkender Arbeitsproduktivität deuten daher darauf hin, dass bei weiter rückläufigem Wirtschaftswachstum auch die Arbeitslosigkeit in den kommenden Monaten erneut ansteigen könnte. Dies ist fatal, weil normalerweise im Frühjahr und im Herbst nach der Sommerpause die Konjunktur anzieht. Von daher überrascht es nicht, wenn jetzt die Wachstumsprognosen für die USA gesenkt werden.

Außenhandelsbilanzdefizit erreicht wieder Höchststände

Offenbar ist auch die Wettbewerbsschwäche der US-Wirtschaft ein wichtiger Faktor bei der konjunkturellen Eintrübung. Das Handelsbilanzdefizit ist jetzt erneut auf ein zwanzig monatiges Hoch emporgeschnellt.Eine der Hauptschuldigen an dieser Entwicklung ist China. China hat auch gar nicht die Absicht, daran etwas in naher Zukunft zu ändern. Same same. But not different.

Eurozone profitiert weiterhin von vergleichsweise niedrigem Euro-Kurs

Der Wechselkursrückgang des Euro gegenüber dem US-Dollar, dem Yuan und dem Yen befeuert insbesondere bisher den Export Deutschlands. Da man bisher nicht wie in den PIIGS-Ländern zu einem drastischen Sparkurs gezwungen – und zugleich aufgrund der traditionell hohen Exportorientierung international außerordentlich wettbewerbsfähig ist -, profitiert Deutschland als ehemaliger Exportweltmeister zusammen mit China von der weiterhin starken Wirtschaftsentwicklung in den Schwellenländern. Allerdings schwächt sich dort nun auch die Entwicklung ab, da insbesondere China wegen akuter Blasenbildung seine Wirtschaft immer stärker abbremst. Deutschland muss sich daher auch auf eine sinkende Exportnachfrage in der zweiten Jahreshälfte einstellen. Kern der Probleme in China ist ein außer Kontrolle geratener Immobilienmarkt, der durch lockere Kreditvergabe chinesischer Geschäftsbanken kreditfinanziert ist. Zwar sind Exzesse wie in den USA bei der Kreditvergabe nicht vorgekommen, aber der Immobilienboom basiert auf den Erwartungen weiterhin rapide steigender Immobilienpreise.

Aus Sorge über die möglichen Konsequenzen eines drastischen Preisrückgangs bei Immobilien hat die chinesische Regierung jetzt stress tests bei den Geschäftsbanken angeordnet. Dabei sollen die Konsequenzen auf die Liquidität und Solvenz bei einem 60%tigen Preisrückgang dem stress test Szenario zugrunde gelegt werden. Des Weiteren sollen auch die Stahlbranche, Zement und Medien hinsichtlich möglicher Zahlungsausfälle in den stress test einbezogen werden. Derzeit soll es bereits zu Zahlungsverzug bei 40% der Hypothekendarlehen bis Ende Juni gekommen sein. Mithin ist die Lage kritischer als allgemein wahrgenommen wird. Eine weiche Landung – wie von vielen noch erhofft – sieht anders aus. Damit fallen die zwei größten Volkswirtschaften als Wachstumslokomotiven aus.

Entsprechend deutlich reagieren auch die Börsen bereits weltweit. Die wichtigsten Kursbarometer zeigen klar fallende Kurse. Manch Sommerurlauber wird sich nach dem Urlaub die Augen reiben, wie sich das Weltgeschäftsklima bereits abgekühlt hat.

Inflation oder Deflation?

Das Bild ist gemischt. In den EU-Ländern weisen Irland und Lettland eine deutliche deflationäre Entwicklung im Juni 2010 auf. Dagegen hat sich in Griechenland, Ungarn, Rumänien, Estland und Großbritannien die jährliche Inflationsrate auf über 3% beschleunigt. In den USA ist die Inflationsrate auf knapp 2% angestiegen. In Japan herrscht weiterhin eine milde Deflation von -1%. Es scheint im Juli eine weitere Inflationsbeschleunigung zu geben.

Die konjunkturelle Abschwächung dürfte sich auf etliche Rohstoffpreise hinsichtlich der bisherigen hohen Preissteigerung negativ auswirken. Umgekehrt ist jedoch mit deutlichen Preissteigerungen bei Lebensmitteln insbesondere aufgrund von Ernteschäden und spekulativen übertreibungen auf den Terminbörsen zu rechnen.

Da bereits reichlich Liquidität durch die Zentralbanken zur Stabilisierung der Finanzmärkte weltweit geschaffen worden ist, besteht immer latent die Gefahr, dass es bei Anhalten der instabilen Finanzmarktlage zu einer Flucht in Sachwerte kommen könnte. Dies dürfte dann zu einem drastischen Inflationstreiber werden.

Andere Risiken liegen in bisher nicht klar erkennbaren Wechselkursturbulenzen, insbesondere wenn die USA die Geduld gegenüber China verlieren und protektionistische Maßnahmen ergreifen.

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