Die Atempause in der Eurokrise scheint fürs erste vorbei zu sein. Nachdem Zweifel an der Stabilität der irischen Banken aufgrund hoher Verluste entstanden sind, ist das Vertrauen in die Stabilität der Eurozone erneut erschüttert. Die Abkühlung der US-Konjunktur sowie die Chinas steigert erneut den US-Dollar als Fluchtwährung und drückt gleichzeitig die Zinssätze für US-Staatsanleihen nach unten. Die Nervosität großer institutioneller Finanzinvestoren droht die Weltwirtschaft in neue Turbulenzen zu stürzen.
Hohe Volatilität bei Wechselkursen
Das deutsche Wirtschaftswachstum legte im zweiten Quartal dieses Jajres um 2,2% zu, wie die jüngsten vom Statischen Bundesamt veröffentlichten BIP-Zahlen zeigen. Die damit entstandene Euphorie über einen nachhaltigen Wirtschaftsaufschwung in der deutschen Presse und bei Kabinettsmitgliedern der Bundesregierung wie Rainer Brüderle könnte sich jedoch als verfrüht erweisen. Zwar profitierte die deutsche Exportwirtschaft vom Anstieg der weltweiten Nachfrage insbesondere bei Autos und Investitionsgütern überproportional, aber dieser Expansionskurs der Weltwirtschaft dürfte sich in der zweiten Jahreshälfte abschwächen.
Bei der hohen Volatilität muss die derzeitige Entwicklung jedoch nicht von Dauer sein. Die Unzufriedenheit über das erratische Verhalten des Wechselkurssystems mit Schwankungen nimmt jedenfalls beiderseits des Atlantik und Pazifik zu. Japan möchte die exzessiven Schwankungen des Yen, der derzeit neue Höchststände aufweist, aufgrund der negativen Folgen für seinen Export nicht länger hinnehmen.
Widerstände gegen deutschen Alleingang in der Eurozone wachsen
Hinzu kommt zwar der aus Sicht deutscher Exporteure positive Wechselkurseffekt eines schwachen Euros, aber diese Entwicklung wird zunehmend im Ausland, insbesondere den USA, äußerst kritisch gesehen. Man wirft den Deutschen Trittbrettfahrerei vor, die sich unzureichend an der Lastenteilung der internationalen Staatengemeinschaft beteiligen. Zwar kann man Deutschland nicht anlasten, dass es direkt an der Eurokrise verantwortlich ist, aber man profitiert von dem Gefälle an Kreditwürdigkeit zu den anderen Mitgliedsländern erheblich. Während die Kreditzinsen für Bundesschatzbriefe auf einen historischen Tiefststand von 2,1% gesunken sind, müssen die PIIGS-Staaten hohe Zinsaufschläge bei der Refinanzierung ihrer Staatsanleihen in Kauf nehmen.
Zusätzlich wirkt sich die Weigerung der Slowakei, dem EU-Rettungsschirm zuzustimmen, als Signal aus, dass es mit der Solidarität der EU-Mitgliedsländer nicht allzu gut bestellt sein könnte. Eine Fortsetzung der asymmetrischen Wirtschaftsentwicklung zwischen Deutschland und insbesondere den PIIGS-Staaten, deren Wirtschaften schrumpfen, schafft Probleme. Der Verweis Deutschlands, die anderen sollten dann eben ihre Hausaufgaben machen, kommt dort – nicht ganz überraschend – nicht gut an. Die Eurozone kann nur auf Dauer überleben, wenn es langfristig für alle seine Mitgliedsländer positive Effekte hat, die die negativen überwiegen.
Eine fortgesetzte Divergenz zwischen den wirtschaftlich starken und den schwachen Mitgliedsländern könnte die Grundlage der Währungsunion zerstören. Letztendlich gilt auch hier der Spruch von Ludwig Erhard, die Eurozone müsse “Wohlstand für alle” schaffen. Damit wird sich der Druck innerhalb der Eurozone auf Deutschland verstärken, durch stärkere Lohnsteigerung und weitere Maßnahmen wie Steuersenkungen oder zusätzliche Staatsausgaben, zur Belebung der Binnennachfrage beizutragen und das Gefälle gegenüber den anderen Mitgliedsländern abzubauen.
Man muss daher besorgt sein, dass eine Hybris auf Seiten der deutschen Politik und Wirtschaft, den eigenen wirtschaftlichen Erfolg zu feiern und sich nicht kooperativ gegenüber seinen anderen Partnern zu verhalten, am Ende das Bild des hässlichen Deutschen im Ausland zementieren könnte. Egoismus auf deutscher Seite und Arroganz gegenüber den Nöten der anderen dürfte jedenfalls der falsche politische Ratgeber sein. Mithin könnte es entsprechend dem Modell Westerwelle nach der großen Euphorie nicht allzu lange bis zum Katzenjammer dauern. Hochmut kommt bekanntlich vor dem Fall.
Photo: www.SirToebi.de.vu, “Dollar vs. Euro”, some rights reserved
Quelle: www.piqs.de
Lieber Georg Erber,
Sie machen sich einfach zu viel Sorgen. – Wie sagt mann in Kölle, … et het noch immer gut gegonge!
Ausserdem wir haben doch die mächtigste Frau der Welt, den besten Wirtschaftsminister aller Zeiten, eine Spitzenkraft als Aussenminister und wir haben den Papst, was soll uns da der Scheiss-Euro scheren, den wollten wir doch sowieso nicht.
merci + mfG
O. W. H.