Das Mandat des Himmels in China: Unwetter, Erdbeben, Dürre und Wirtschaftsblase

China ist auf dem Weg zur Weltspitze. Doch die Widersprüche in der chinesischen Gesellschaft verschärfen sich. Ob Streiks von Arbeitern in Shenzen oder anderswo – es breitet sich eine Unruhe im Land aus. Hinzu kommt, dass dieses Jahr das Jahr des Metall-Tigers ist. In China besteht trotz aller Modernisierungen ein

dustt.jpgChina ist auf dem Weg zur Weltspitze. Doch die Widersprüche in der chinesischen Gesellschaft verschärfen sich. Ob Streiks von Arbeitern in Shenzen oder anderswo – es breitet sich eine Unruhe im Land aus. Hinzu kommt, dass dieses Jahr das Jahr des Metall-Tigers ist. In China besteht trotz aller Modernisierungen ein tief verwurzelter Volksglaube. Naturkatastrophen werden dabei als Zeichen gedeutet, dass der Herrscher das Mandat des Himmels verloren hat. Dies ist trotz des aus westlicher Sicht als Aberglauben abzutuenden Volksglaubens durchaus nicht für die chinesische Regierung zu unterschätzen.

Das Erdbeben in Yushu

Am 14. Mai begann mit dem Yushu-Erdbeben in der Provinz in Qinghai eine Serie von Naturkatastrophen in China. Dieser Teil von Qinghai ist ein Gebiet, das bis zur Besetzung Tibets durch China im Jahr 1950 zu Tibet gehörte. Um zu verhindern, dass buddhistische Mönche bei den von ihnen initiierten Hilfsaktionen zu viel Sympathie bei der Bevölkerung erlangen, wurden sie in ihre Klöster zurückgeschickt. Bereits 2008 wurde die Nachbarprovinz Sichuan durch ein schweres Erdbeben erschüttert, das nach offiziellen Angaben 69.181 Todesopfer forderte und über fünf Millionen ohne Wohnung ließ. Besonders heftig war die Kritik an den Baumängeln an öffentlichen Bauten, insbesondere Schulen, die als Tofu-Buildings bezeichnet wurden, da sie als erstes zusammenfielen. Die chinesische Regierung unternahm massive Anstrengungen, um Hilfe zu organisieren. Man versprach, für rasche Aufklärung hinsichtlich der Korruption von verantwortlichen Funktionären zu sorgen, die für die Baumängel verantwortlich gemacht wurden. Das Sichuan Erdbeben war das schwerste nach dem Tangshan Erdbeben von 1976. Letzteres wurde mit dem Ende der Mao-Ära in Verbindung gebracht, der in diesem Jahr starb und den Richtungswechsel zu Reformpolitik von Deng Xiaoping einleitete. Wie beunruhigt die Bevölkerung ist, zeigt sich auch daran, dass der Film “Desaster” in diesem Jahr zum Kassenschlager avancierte. Thema des Films ist das Tangshan Erdbeben von 1976.

Die Sandstürme in Nordchina

Im März 2010 setzten heftige Sandstürme in Nordchina ein, die auch Beijing tagelang im Sandstaub verschwinden ließen. In China wurde wegen der ungewöhnlichen Stärke und Ausdehnung dieser Sandstürme, die Ausdruck der zunehmenden Verwüstung im Norden Chinas sind, die Frage des Klimawandels in der Presse diskutiert. Es wurde eine Region, in der mehr als 270 Millionen Einwohner auf einer Fläche von zwei Millionen Quadratkilometer leben, für Tage massiv in Mitleidenschaft gezogen. Diese Sandstürme, die in der Regel von März bis Mai andauern, setzten sich auch in den folgenden Monaten fort. Sie weiteten sich weiter nach Süden bis zum Fluss Yangtse aus und auch Taiwan blieb von den Sandstürmen nicht verschont. Am Ende wurde von der Regierung eine Nachrichtensperre verhängt, um nicht weitere Unruhe im Land entstehen zu lassen.

Schneestürme in China

Bereits im Jahr 2008 hatte es schwere Schneestürme in Südchina gegeben, das normalerweise von derartigen Wetterereignissen verschont bleibt. Wegen baulicher Mängel stürzten zahlreiche Häuser unter der Schneelast ein. Auch in diesem Jahr gab es diesmal im Norden wieder heftige Schneefälle, die zeitweilig die entsprechenden Provinzen lahmlegten. Besonders stark war die Äußere Mongolei betroffen, wo im Januar 2010 die Temperaturen tief unter den Nullpunkt fielen. Im November 2009 hatte es heftige Debatten gegeben, als in Beijing ein künstlicher Schneesturm ausgelöst wurde. Nachdem im Zuge der Olympischen Spiele bereits versucht wurde, für gutes Wetter in Beijing während der Spiel zu sorgen, hatte dieser Vorgang heftige Kritik an der Regierung ausgelöst.

Dürre in Yunnan und Nachbarprovinzen

Yunnan litt im Frühjahr unter massiver Dürre, die bereits im Herbst letzten Jahres einsetzte. Da Yunnan als Wasserturm Chinas bezeichnet wird – es stellt das Quellgebiet der drei wichtigen Ströme, des Yangtse, des Mekong und des Salween dar, hat es für die Regionen unterhalb zur Folge, dass weniger Wasser als üblich hinunter fließt. Die chinesische Regierung sah sich gezwungen, durch Nahrungsmittelhilfen den betroffenen Regionen Hilfe zu leisten. Die Wasserstände hatten ein niedriges Niveau erreicht, wie es zuletzt 1950 beobachtet worden ist. Das Ende der Dürre wurde jetzt durch heftige Regenfälle abgelöst, die ebenfalls zu Todesopfern im Rahmen von überflutungen und Erdrutschen geführt hat.

Flutkatastrophen in Süd- und Zentralchina

Seit Monaten leidet China unter schweren Flutkatastrophen, die mehr als 100 Millionen Menschen und T,ausende Tote gefordert haben. Zeitweilig war die Lage am Drei-Schluchten-Staudamm kritisch. Derzeit herrscht Staatstrauer wegen der durch einen Erdrutsch getöteten Menschen in Zhouqu in der Provinz Gansu.

Das Natur und Wirtschaft spielen in China derzeit verrückt

Fassen wir diesen kurzen überblick der Wetterturbulenzen in China seit einigen Jahren zusammen, dann verwundert es nicht, wenn Spekulationen über den Verlust des Mandats des Himmels in China die Runde machen. Zusammen mit anderen Naturkatastrophen wie den Erdbeben und bereits seit einigen Jahren heftigen Unruhen in Tibet im Jahr 2008 und bei den Uiguren in Xinxiang im Jahr 2009 kann man die politische Lage in China als angespannt ansehen. Hinzu kommt, dass die Wirtschaft trotz der hohen Wachstumsraten aufgrund einer Finanzblase und spekulativen Exzessen eine schwierige Phase durchmacht. Ein gefährlicher Cocktail, der sich derzeit in China breit macht.

Photo Quelle/Copyright: Lanfranch, cc creative commons, Bestimmte Rechte vorbehalten, via flickr

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