Der Geruch der Straße löst Heimatgefühle aus

Der Regen schwemmt die trunknen Reste des Partysommers in den Gulli. Allerorten Depression. Nur in den Medien Aufschwungsgefasel. Hier und heute Sehnen. Nach Aufbruch im Umbruch. Und Underground. Irgendwo. Die Edition PaperONE hat diesen Underground auf ihrer Fahne. Und sie weht standhaft gegen den Wind. Und Michael Schweßinger erzählt warum.

ms.jpgDer Regen schwemmt die trunknen Reste des Partysommers in den Gulli. Allerorten Depression. Nur in den Medien Aufschwungsgefasel. Hier und heute Sehnen. Nach Aufbruch im Umbruch. Und Underground. Irgendwo.
Die Edition PaperONE hat diesen Underground auf ihrer Fahne. Und sie weht standhaft gegen den Wind. Und Michael Schweßinger erzählt warum. Vor allem warum jetzt ein Umzug ansteht und Bewegung. Volly Tanner dagegen hört zu und schreibt auf:

Warum zieht PaperONE nach Leipzig-Lindenau und speziell in die “Lützner”?

Olli Baglieri hatte ja die Edition PaperONE 2005 aus seinem Wohnzimmer aus gegründet und mitlerweile hat der Verlag eine Größe erreicht, wo man sagen muss: Okay, wir stoßen hier an Grenzen. Für uns war der Umzug ein folgerichtiger Schritt, den wir uns lange überlegt hatten. Dass wir nun in der Lützner. 77 sitzen, also im Herzen von Altlindenau, ist eher Zufall. Ich habe damals Carsten Martin, den Betreiber des Fausers kennen gelernt, und da Herr Martin ein großes Herz für Kunstschaffende hat, hat er uns die jetzigen Räume preisgünstig angeboten. Für uns war das die Chance schlechthin, da wir als Verlag das Underground nicht nur im Namen stehen haben, sondern auch versuchen dies umzusetzen. Eine unumstößliche Maxime ist dabei: Komplett auf eigenen Beinen stehen! Also keine Fördergelder oder Kreditfinanzierungen.

Andere Verlage gehen nach Berlin oder ins Haus des Buches – Ihr in den Westen – warum?

Ach der Leipziger Westen ist doch schön. Es ist hier noch nicht so statisch wie in anderen Vierteln, die sich schon ziemlich ausdifferenziert haben. Man entdeckt doch immer wieder etwas Neues. Egal, ob das nun andere Künstler sind, die im Pool der Kreativwirtschaft rumplantschen oder einfach interessante Zeitgenossen. Da wir als Verlag von der Piste kommen, löst der Geruch der Straße natürlich in uns Heimatgefühle aus. Sprich: Veranstaltungen mit schicken Häppchen und Wasserglaslesungen waren noch nie was, wofür die Edition PaperONE ein besonderes Faible hatte.

Was genau passiert beim Salon/Lounge?

Ja, den Salon der Edition PaperONE wird es ab Oktober jeden ersten Sonntag im Monat in den neuen Verlagsräumen geben. Wir haben unser Baby nicht ohne Grund “La bohème maudite” getauft. Also dahin wird der Hase auch laufen, also direkt quer durch die Jahrhunderte zu den verfemten Dichtern und literarischen Wanderern zwischen den Welten. Wir und unsere Gäste lesen und diskutieren dann Texte, die in diese Richtung gehen. Also Baudelaire, Wilde, Miller, Verlaine, Stirner, Rimbaud um nur einige zu nennen. Der Salon soll eine Plattform für stilvolle literarische Auseinandersetzung jenseits irgendwelcher Dogmen und Hipp- Gelabers werden. Ein wenig Fin de siecle-Stimmung in Abendgardarobe und Eleganz. Klar, dass wir dazu Zigarren und edle Alkoholika reichen.

Die personelle Aufstellung des PaperONEteams bitte inklusive Normaljobs.

Hauke von Grimm (Schwimmmeister)
Jörg Jauernig (Systemtechniker)
Michael Schweßinger (Bäcker)

Weitere Ausrichtung des Verlages? Was kommt als Nächstes?

Wir haben im Herbst einige gute Bücher am Start. Der Leipziger Autor Michael Oertel wird einen Bildband über Armut bei uns veröffentlichen. Das Social-Beat-Urgestein Hartmut Malorny ist mit seinem neuen Kurzgeschichtenband “Ein Sargtischler in NY” bei uns am Start. Daneben gibt es die erste Ausgabe des Undergroundliteraturzines “Die Maulhure” u.a. mit einigen klasse Beiträgen aus dem amerikanischen Underground und gerade ist die neue Ausgabe unseres eigenen Literaturmags Fahrenheit 450 im Druck. Daneben machen wir noch einen Fotobildband von Olli Baglieri zu seiner gerade laufenden Thrash-Fotographie-Ausstellung Ordure Couture. Ach und noch eine Hand voll andere Dinge, zwei drei Newcomer. We will see. Ein Blick auf unsere Homepage ist da nie verkehrt.

Verändert sich im Rahmen der Entwicklung (Laden/ Autoren/ Richtung) aus das CI der Bücher (corperate design)?

Da Olli und auch ich unsere subkulturelle Sozialisation in der Gothic-Szene hatten und uns auch darüber kennen lernten, kannte man ja die EditionPaperONE Bücher vor allem als schwarz. Aber wir waren nie der Meinung, dass wir sklavisch irgendeiner CI hinterherlaufen müssen, also Brüche wird es immer geben und das war und ist auch unser Ziel. Dinge aufzubrechen, nicht zu verkleistern. Die Nahtstellen aufdröseln (Schreibt man das so). Also mehr Sand als Öl im Getriebe.

UND HIER DIE EINLADUNG AN ALLE INTERESSIERTEN:

Charmantes Begängnis zur Eröffnung der Verlagsräume der Edition PaperONE inklusive öffentlicher Pressekonferenz mit PaperONEautoren, Gesprächen & Literatur

Samstag, 11.September 2010/ 20:00 Uhr
natürlich EINTRITT FREI!
Lützner Straße 77/ Erdgeschoss (auf der anderen Straßenseite vom FAUSER)
http://www.editionpaperone.de/

Endlich! Ein Lichtschimmer über den weiten sumpfigen Ebenen des Literaturbetriebs. Die Edition PaperONE, wandelbar und aktiv, zieht ins Herz der Bestie. Nicht, wo Schickimickies sich die Szenebartüre aus der Hand zerren, nicht, wo Styling und Trends den Ton angeben, sondern dahin, wo das Herz der Stadt pulsiert, pumpt und schwitzt und lebt und leidet – nach Lindenau – in den WESTEN der Stadt!

Und damit der Verlag der schmerzenden Herzen weiter so schön als Eisbrecher in der konsumistischen heutigen Welt agieren kann – und IHR ALLE etwas davon habt – seid IHR ALLE eingeladen, der Eröffnung der neuen Räume beizuwohnen. Es geht um die Menschen! Es geht um uns alle!

Die Macher der PaperONE haben dafür auch noch einen Trumpf im Ärmel – die ab Oktober in den Verlagsräumen – jeweils am ersten Sonntag – stattfindende Lounge “La Bohéme maudite!”, eine lockere Runde für den stilvollen Literaturfreund, richtig mit Abendgarderobe, Zigarrenqualm, Charme und Schallplatten, Filmen und Gesprächen über Literatur. Die Banalität des Mainstreams bekommt hier – bei “La Bohéme maudite!” die Absinthflasche an den Kopf geworfen.

Und am Eröffnungsabend gibt es die PaperONEautoren zum Gespräch, eine Pressekonferenz für JEDEN UND ALLE, überraschungen, Stil und Miteinander

Lasst Euch auf uns ein! Wir jedenfalls lassen Euch gern herein!

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