Holger Finns Trommelfeuer in der Readers Edition: Nutzen Sie doch interessehalber einmal die Suchfunktion auf der Startseite der Readers Edition und geben ein: Google Street View. Sie finden 35 Einträge, 22 davon von Holger Finn, in der Relation beim Fleiß von Holger Finn und der Häppchenstruktur der meisten seiner Beiträge ein mittlerer Wert.
Am 19.1.2010 regt sich Holger Finn auf über die Zeit-Redakteurin Susanne Gaschke, die er im Google-Wahn sieht, weil sie wegen Google Street View den Teufel an die Wand malt, ohne ihre Ängste sinnvoll zu erklären. Am selben Tage hält er in einem weiteren Beitrag der Bundelandwirtschaftsminister Ilse Aigner dasselbe vor (Karnevalsprinzessin der Google-Phobiker). Tags drauf kommt eine kurze Vertiefung zum selben Thema, dann mehr oder minder immer wieder dasselbe am 21.2., 2.3., 3.3., 24.4., 4.5., 17.5., 9.6., 9.8., 11.8.,12.8.,15.8.,16.8.,17.8.,19.8.und 20.8.2010.
Aber Recht hat Holger Finn.
Außer dem verständlichen Ausdruck allegemeinen Unbehagens über den Datenkraken Google hat man bis heute nicht ein einziges stichhaltiges Argument dagegen gehört, warum nicht Google (oder wer immer) unsere Städte und Landschaften aus der Straßenperspektive her abfilmen und ins Netz stellen soll. Das Ausland macht sich derweil lustig über die Deutschen, für die die jedermann sichtbaren Fassaden ihrer Häuser offenbar Privatsache sind.
http://www.taz.de/1/netz/netzpolitik/artikel/1/dazugehoeren-dank-google/
Frau Künast beklagt sich, am Ende könne man ohne Nutzung des Melderegisters noch herauskriegen, wer wo wohnt. FDP-Fraktionsvize Gisela Piltz aus Berlin erklärt, es müsse vorgebeugt werden, dass die Bilder der Straßen und Fassaden mit anderen Daten von Google zu Profilen von Menschen und Firmen zusammengeführt werden, Datenschützer Peter Schaar meint sogar, dass das ein Fall für das Kartellamt sei. Aber die Zusammenführung offenliegender Daten kann man doch nicht verbieten!
Warum nur hat sich niemand über die Literatur und die Kartenwerke beklagt, die seit eh und je so explizit über die großen Städte dieser Welt berichtet hatten, dass der große Philosoph Immanuel Kant der nie aus Königsberg herausgekommen war,wie ein Ortskundiger über alle wichtigen Städte der damaligen Welt berichten konnte?!
Photo Quelle/Copyright: andrew dickson, cc creative commons, bestimmte Rechte vorbehalten, via flickr
Da muss ich Ihnen uneingeschränkt recht geben. Seit mehr als einem Jahr weiß man, das Google auch Deutschland in seine StreetView aufnehmen wollte. Auch wie die Darstellung sein sollte, war bereits bekannt; selbst der in anderen Ländern benutzte Kamerawagen stellte keine Neuerung mehr dar.
Schuld daran war möglicherweise der, von ein paar selbstherrlichen Kultusministern, aufgepropfte Bildungsstandard, der den durchschniittlichen Zeitungsabonnenten im Glauben bestärkt, die tägliche Ausgabe würde für das Einwickeln von Fischen und Kartoffelschalen geliefert. Anders ist die Ignoranz nicht zu erklären.
Ein paar von denen, die es doch gelesen hatten, haben sich auch sicher in Szene gesetzt und werden im Laufe der nächsten Jahre sicher noch für Heiterkeit sorgen, wenn irgendjemand über die Darstellung stolpert!
Wieso nun im letzten Moment die gesamte Republik plötzlich ihre Abneigung zeigt, ist mir ehrlich gesagt schleierhaft. Es muss doch irgendeiner daran gedreht haben?