“Bleibt positiv!” – Gelungene Premierenfeier im Wasserhaus

Das erste “Drinnen & Draußen” der Musikinitiative Hammelburg e.V. war ein voller Erfolg Es gibt Komponenten im Leben eines Open Air-Veranstalters, die hat er oder sie nur bedingt unter Kontrolle. Da wäre zum einen die Laune des Wettergottes, die auch mit Hilfe zahlreicher flehender Blicke gen Himmel nur schwer beeinflussbar

petgh.jpgDas erste “Drinnen & Draußen” der Musikinitiative Hammelburg e.V. war ein voller Erfolg

Es gibt Komponenten im Leben eines Open Air-Veranstalters, die hat er oder sie nur bedingt unter Kontrolle. Da wäre zum einen die Laune des Wettergottes, die auch mit Hilfe zahlreicher flehender Blicke gen Himmel nur schwer beeinflussbar scheint. Zum anderen ist es das Wohlwollen der Gäste, die – neben den eingeladenen Künstlern – den entscheidenden Anteil zu einer gelungenen Party beitragen. Am vergangenen Samstag ist das Zusammenspiel aller Faktoren in nahezu perfekter Harmonie geglückt. Vom späten Nachmittag bis in die frühen Morgenstunden tobte im Wasserhaus das Leben – im wahrsten Sinne des Wortes.

Als am Ende eines langen Tages die Innenbühne der Musikini mit zahllosen Menschen bevölkert war und mitten unter ihnen ein rot angemalter Herr mit seinem ganz in blau-weiß leuchtenden Kumpanen den Abschluss eines Schweiß treibenden wie Energie geladenen Konzertes feierte, da war klar: Das Wagnis des ehrenamtlichen Teams ist aufgegangen und hunderte Arbeitsstunden, die im Vorfeld zum Gelingen des ersten “Drinnen & Draußens” abgeleistet wurden, waren alles andere als umsonst gewesen. Strahlen, was die Backen hergaben, war das Credo der Nacht. Und um es gleich vorweg zu nehmen. Eine Fortsetzung scheint in Anbetracht des überwältigenden Zuspruchs, wie er sonst nur zu X-Mas-Party-Zeiten herrscht, absolut nicht ausgeschlossen.

Doch von vorne: Man nehme also sechs wunderbare regionale und überregionale Bands, sorge für eine abwechslungsreiche musikalische Mixtur von Schwer- bis hin zu übermütigkeit, stelle dem Ganzen ein unschlagbares Appell voran und schon kann es los gehen. “Alle abgeh’n – alle durchdreh’n!“, hatte die Musikini den Hammelburgern ganz im Sinne der Berliner Headliner “Mellow Mark & Pyro Merz” mit auf den Weg gegeben. Und diese hielten sich von der ersten Minute an die Vorgabe der Verantwortlichen. Bereits am frühen Nachmittag stimmte sich so eine ordentliche Anzahl an Musikfreunden mit den Wasserhausbands “Bagdad on the Dancefloor” und “OverLiquid” auf einen langen Abend ein. Schon bald waren die Plätze im neu gestalteten Biergarten des Anwesens rar und das Händeschütteln groß. Denn anlässlich des Sommer-Abschluss-Festivals waren viele bekannte Gesichter aus der näheren wie weiteren Umgebung in den gemütlichen Winkel hinter dem Wasserhaus gekommen, um bei einem kühlen Bier in geselliger Runde die letzten Sonnenstrahlen zu genießen.

Leise Töne und ein neues Album im Gepäck

oppp.jpgFür Ruhe und Besinnlichkeit zwischen den schnatternden Gästen konnte hier eigentliche nur einer Sorgen. Spacemann Spiff alias Hannes Wittmer gab sich, wenn auch leicht erkältet, die Ehre in seiner ehemaligen Heimat, um bei Songs wie “Schnee” oder “Egal” über den richtigen Tee oder allerlei andere Weisheiten aus dem Musikerdasein zu philosophieren. Im Takt der langsam untergehenden Sonne schlug er vor malerischer Kulisse die leisesten Töne während dieser Premierenfeier an. Doch die Zeit zum Durchatmen war kurz. Denn auch so mancher Künstler hatte sich anlässlich dieser Veranstaltung etwas Besonderes einfallen lassen. So brachte Creamhild’s Jazzpant-Frontmann “Tollpatsch” aka Benjamin Schmidt mit seiner Crossover-Band nicht nur viel gute Laune von Bad Königshofen mit nach Hammelburg, sondern auch gleich ein ganzes Solo-Album zum kostenlosen Download mit in die Stadt. Seine “Unbegrenzten Höflichkeiten” sind ab sofort auf www.pimphouse-records.de zu finden.

Immer wieder neu entdecken konnte sich das Publikum kurze Zeit später in den Liedern des Schweinfurters Senore Matze Rossi. Mitsamt seiner Band sorgte er für die “emotional packenden wie reißenden Momente” des Abends. Bekannte Songs, die das Wasserhaus nicht zum ersten Mal verzauberten, traten hier in einen spannenden Dialog mit neuen Stücken, die manchen Gast zu einer völligen Neubewertung des “Altmeisters”, den einige zum ersten Mal überhaupt mit Ensemble erlebt hatten, kommen ließ. Zurück zu den “Punkrock-Wurzeln” lautete nämlich seine Mission des Abends. Und die war alles andere als leise.

Messershows und feiern in luftiger Höhe

opug.jpgOb das auch für die beiden Schelme Mellow Mark und Pyro Merz gegolten hat? Ohne Frage, dieses im Vorfeld als “sympathisch wie unberechenbar” angekündigte Duo hielt den Ruf, der ihnen lange voraus zu eilen schien. Auf einiges hatten sich die zahlreichen Fans eingestellt: Selbstverständlich erhofften sie sich Pyros einschlägige Messershow, Songs wie “Revolution” oder neuerdings “Berlincito” – der ersten Single des neuen Supporter-Albums “Besides” und manch spontane “Rede” des Echo-Preisträgers, die “Ratz, Fatz, Peng” zur geistigen Erleuchtung berauschter Gemüter beitragen sollte. Bekommen haben die Hammelburger alles – und noch einen obendrauf. So sprang unter tosendem Beifall der Gäste, die sich zwischenzeitlich um eine ordentliche Schar an Workshop-Teilnehmern des Singer-Songwriter-Kurses der Musikakademie vermehrt hatte, nicht nur ganz plötzlich ein von oben bis unten rot bemalter Mellow Mark hinter dem schwarzen Vorhang hervor, sondern auch ein neuerdings mit Vogelmaske ausgestatteter Pyro Merz gleich hinterher. Zwei Stunden fegten sie über die Bretter, die in diesen Gefilden schon vieles gewohnt waren, um am Ende der Veranstaltung gemeinsam mit den Fans in luftiger Höhe ein gelungenes Fest zu feiern. “Bleibt positiv!”, gaben die beiden Künstler ihnen allen mit auf den Weg. Ein Rat, den die Anwesenden sicher nur allzu gerne befolgen.

“Wir ziehen unseren Hut. Ihr seid die tollsten!”, riefen die Organisatoren schließlich in die Nacht hinein. Ein unvergesslicher Abend lag hinter ihnen. Sie sind sich nun sicher: Mysteriöse Ereignisse, die sich auch schon mal mit donnernden Bässen ankündigen und im Internet auf gar wahnwitzige Weise fortgepflanzt werden – davon braucht Hammelburg unbedingt mehr.

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