Bis Helmut Schmidt 1984 selbst berichtete, dass der Vater seines Vaters Jude war, was er und sein Vater im Dritten Reich vertuschten, wusste niemand davon. Wir neigen ja dazu, immer das Tun anderer, besonders prominenter Menschen, zu bekritteln. Aber beim besten Willen ist weder die Tatsache, dass der Altbundeskanzler “Vierteljude” ist, weder das Vertuschen dieser Tatsache in der Zeit des Dritten Reiches, in der dies persönliche Nachteile gebracht hätte, noch die Aufdeckung in irgendeiner Weise zu beanstanden. Solche Dinge zu wissen, macht vielleicht Hoffnung darauf, dass Deutsche und Juden, die über Jahrunderte so viel miteinander gemein haben, nach dem Versuch der Ausrottung der Juden in Europa durch Hitlers Schergen wieder zueinander finden.
Juden haben doch viele Generationen wie Deutsche in Deutschland gelebt und haben sich mit Nichtjuden vermischt. Daher haben sehr viele Menschen, von denen man das überhaupt nicht ahnt, Juden in ihrer Ahnenreihe. Sehen Sie einmal in die Internetseite “Jew or not Jew” und checken Prominente aller Art wie Trotzki über Kreisky, Boris Becker und Pete Sampras.
Nun haben Helmut und Loki Schmidt über das Zeit-Magazin von sich etwas preis gegeben, was eine ganz andere Dimension hat: sie haben in den letzten Jahren Millionen, die er mit seinen Büchern verdient hatte, an gemeinnützige Stiftungen gespendet, allein eine Million an die von Schmidt mitgegründete Deutsche Nationalstiftung, die das Zusammenwachsen von Ost- und Westdeutschland fördert. Wer hätte das gedacht?! Ohne Frage sind die Eheleute Schmidt ihr Leben lang aufrechte Menschen gewesen, er war von 1974 bis 1982 zudem der wohl fähigste Staatsmann, den Deutschland je hatte. Er war insbesondere – ganz im Gegensatz zu seinem Nachfolger Kohl – immer ein Ehrenmann und ein Vorbild für das Volk und für seine Amtskollegen in aller Welt. Aber dann noch ein Großspender? Ein freigebiger und uneigennütziger Mensch? Es überrascht nicht und macht doch Hoffnung, dass es mit Deutschland nicht immer so weiter gehen muss wie seit Kohl, Schröder und Merkel.
Was für eine moralischen Distanz ist es doch zwischen den bescheidenen Eheleuten Schmidt, die erklären, dass sie nie nach Vermögen gestrebt haben und Kohl, der mit Millionen aus dunklen Quellen um sich wirft, mit Schröder, der seinen Altamtsbonus missbraucht um in Russland Kasse zu machen und Merkel, die “Mutter der Nation” ohne einen Hauch menschlicher Güte die Spaltung der Gesellschaft in arm und reicht immer weiter voran treibt!
Schmidts haben immer bescheiden gelebt, ähnlich wie der fast vergessene aufrechte SPD- Parteifunktionär Erich Ollenhauer, der darauf bestand, in einfachen Wohnverhältnissen zu leben.
Am 25.8.23:10 schreibt “rodolfo” im Honigmann-Blog folgenden Kommentar, dem kaum etwas hinzuzufügen ist:
“Helmut Schmidt ist und bleibt ein VORBILD! Sowohl an staatsmännischem Auftreten und Argumentieren als auch an gelebter Lauterkeit und selbstbewusster Bescheidenheit!
Leider gab und gibt es in Deutschland seit dem zweiten Weltkrieg keinen anderen Deutschen Politiker, der ihm “das Wasser reichen” und eine vergleichbare VORBILD-Funktion erlangen kann.
Wie ärmlich, ja vergleichsweise erbärmlich schneidet dagegen sein Amtsnachfolger Helmut KOHL, trotz oder vielleicht auch wegen seiner weitaus längeren Kanzlerschaft ab, obwohl man ihm die deutsche Wiedervereinigung -und auch deren total falsche Finanzierung- zu grossen Teilen anrechnen muss.
Was mir an Helmut Schmidt während seiner Kanzlerschaft missfiel, war sein Eintreten für die Nachrüstung und seine öffentlich gezeigte Geringschätzung von Jimmy CARTER!”
Nato-Doppelbeschluss, vielleicht unpassende Geringschätzung von Carter und insbesondere sein stures Eintreten für den volksschädlichen Tabakkonsum – nobody is perfect. Aber dass die Eheleute Schmidt so generös an Stiftungen spenden, die das Allgemeinwohl in unserem Lande fördern, und auch, dass sie darüber reden, ist phantastisch. Wenn dieser große Staatsmann, der doch ganz bestimmt erlebt hat, wie sehr Deutschland all die Jahre nach dem Verlust des Zweiten Weltkrieges unter Kuratel gestellt wurde, zusammen mit seiner Ehefrau in dieses Staatswesen und in unsere Gesellschaft aus privaten Mitteln investiert, dann besteht ja doch Hoffnung darauf, dass es sich lohnen könnte, sich dafür einzusetzen!
Photo Quelle/Copyright: Ole Reißmann, cc creative commons, bestimmte Rechte vorbehalten, via flickr
Für mich ist es allerdings unwesentlich ob Schmidt jüdisches Blut hat oder nicht. ( übrigens meines Wissens mütterlicherseits, ist aber völlig unwichtig.)
Wichtig erscheinen mir seine Lebensleistung, sein Charakter und da kann ich nur sagen wir könnten heute froh sein so einen Mann ( oder Frau ) als politischen Führer im Lande zu haben.
Da erscheinen die heutigen AkteureInnen einfach nur als farblose DünnbrettbohrerInnen.
Das große Versäumnis der Generation Schmidt war jedoch, bei der Auswahl ihrer NachfolgerInnen nicht kritisch genug gewesen zu sein.
Das Prinzip Leistung vor Promotion ( Vitamin B oder Quote )
Praktische Erfahrung vor Theoretischem Wissen ( tun und weniger reden)
Persönlichkeit vor Technokratentum und Ideologie ,
wurde zu intensiv unterlaufen.
Das Ergebnis sehen wir heute an allen Ecken der Gesellschaft.