Jackson Hole und das Loch in der Weltwirtschaft

In Jackson Hole trifft sich alljährlich die weltweite Geld- und Finanzelite, um miteinander über den Zustand der globalen Wirtschaft vor einem wunderschönen Gebirgspanorama der Rocky Mountains zu diskutieren. Es ist quasi die Sommerveranstaltung des World Economic Forum (WEF) in Davos, die im Winter zum Skilaufen und zwanglosen Gesprächen miteinander dient.

2960675738_50952cbb1c.jpgIn Jackson Hole trifft sich alljährlich die weltweite Geld- und Finanzelite, um miteinander über den Zustand der globalen Wirtschaft vor einem wunderschönen Gebirgspanorama der Rocky Mountains zu diskutieren. Es ist quasi die Sommerveranstaltung des World Economic Forum (WEF) in Davos, die im Winter zum Skilaufen und zwanglosen Gesprächen miteinander dient. Es ist sogar noch exklusiver, da es weniger Berichterstattung als beim WEF gibt. In diesem Jahr dürfte die Stimmung gedrückt sein, da der Aufschwung der Weltwirtschaft ins Stocken gekommen ist. Alles Geld was von den Regierungen und Zentralbanken der Länder weltweit in die Finanzmärkte gepumpt worden ist, hat zu keinem erkennbaren nachhaltigen Wirtschaftsaufschwung geführt. Was nun?

Bernanke der Hartnäckige

Ben Bernanke, der Präsident der US-Fed, musste jetzt nach heftigen Dementis zuvor einräumen, dass es mit dem Aufschwung der US-Wirtschaft nicht zum Besten steht. Der Optimismus des Frühjahrs ist verschwunden. Die Wirtschaft wächst bereits seit Beginn des zweiten Quartals deutlich langsamer als zunächst erhofft. Das Bureau of Economic Analysis musste seine Schätzung des BIP von 2,4% auf 1,6% reduzieren. Für das dritte Quartal wird mit einem weiteren Rückgang gerechnet. Mithin hat das gewaltige Defizitprogramm der US-Regierung plus der einmalig expansiven Geldpolitik, die die Geldmenge nach der Lehmann-Pleite am 15. September 2008 von rund 700 Mrd. US-Dollar auf zwei Billionen US-Dollar ausweitete, nicht die US-Wirtschaft in einen stabilen nachhaltigen Wirtschaftsaufschwung katapultieren können.

Jetzt ist guter Rat teuer. Zwar verkündete Bernanke in Jackson Hole, dass er weiterhin auf unorthodoxe geldpolitische Mittel setzen wird, sollte die Wirtschaft weiter lahmen, aber dies schafft eben Risiken hinsichtlich der Stabilität der Staatsfinanzen.

Same, same but different

Dies kann eigentlich nur bedeuten, dass man dem maroden Immobilienmarkt gerade jetzt wieder nach dem Auslaufen der staatlichen Finanzhilfen beim Hauskauf durch weitere Liquiditätshilfen auf die eine oder andere Art Hilfe gewähren will. Derzeit sind rund ein Fünftel aller Immobilienbesitzer in der prekären Lage, dass ihre Immobilie weniger wert ist, als sie den Hypothekenfinanzierern schulden. Da die beiden größten Hypothekenfinanzierer Freddie Mac und Fannie Mae bereits verstaatlicht worden sind, ist das größte Problem bei privaten Wohnimmobilien, sicherzustellen, dass die Refinanzierung von auslaufenden Hypothekendarlehen klappt, da sonst die Zahl der Insolvenzen, wie bereits beim Ausbruch der Krise im Jahr 2007, die Immobilienmärkte erneut in eine rasche Talfahrt schicken könnte. Man weiß also recht genau, was für ein Mechanismus die Wirtschaft wieder nach unten ziehen wird.

Wenn man also ohne Werthaltigkeitsprüfung Immobilienkredite verlängert und damit die Insolvenz verhindert, bleibt die vage Hoffnung, dass die Immobilienpreise irgendwann anziehen und damit die drohende Insolvenz der Hausbesitzer verhindert wird. Allerdings ist nicht erkennbar, dass es genügend Käufer am Häusermarkt geben könnte, die die Preise stabilisieren oder sogar deutlich nach oben treiben. Die staatlichen Finanzhilfen von 8.000,- US Dollar haben ja nur meist Käufe vorgezogen, d.h. beruhen auf Mitnahmeeffekten. Jetzt, wo das Programm ausgelaufen ist, kommt es eben zu einem deutlichen Nachfrageeinbruch. Bei wachsendem Zweifel am wirtschaftlichen Aufschwung wird es daher äußerst schwierig, noch Leute dazu zu bewegen, das Risiko eines kreditfinanzierten Immobilienerwerbs einzugehen. Die Banken sitzen ja bereits auf Eigenheimhalden, die sie am Markt nicht absetzen können. Vielleicht hilft ja der organisierte Rückbau, sprich Abriss. Sowas haben wir ja in Ostdeutschland vorgeführt, um einen weiteren Verfall der Immobilienpreise und Leerstand bei Wohnimmobilien zu verhindern. Ansonsten dürfte der Anpassungsprozess Jahre in Anspruch nehmen.

Die sieben mageren Jahre

Schon in der Bibel steht die Parabel von den sieben fetten und sieben mageren Jahren. Jetzt hat Carmen und Vincent Reinhard ein ähnlich düsteres Szenario für die US-Wirtschaft vorgestellt. In ihrem Beitrag “After the Fall” kommen sie anhand historischer Daten zum Ergebnis, dass es auch dieses Mal rund sieben Jahre dauern könnte, bis die US-Wirtschaft das Tal der Tränen hinter sich hat. Die Implikationen sind weitreichend. Sollte sich diese Einschätzung realisieren, dann droht den USA eine Arbeitslosigkeit von historisch einmaligem Ausmaß. Die zehn Prozent wären nur ein Anfang von einer weitaus dramatischeren Entwicklung. Länder wie Griechenland, Spanien, etc. haben ja bereits Erfahrungen mit Arbeitslosigkeit in der Nähe von 20 Prozent. Die amerikanischen Ratingagenturen haben bereits mit einer Herabstufung der USA bei der Bonität gedroht. Dies dürfte jedoch die Finanzlage der US-Staatsfinanzen weiter in Richtung einer Schuldenfalle treiben.

Das Congressional Budget Office (CBO) hat jetzt ein Horrorszenario veröffentlicht, das langfristig einen Anstieg der Schulden der USA auf über 200 Prozent des BIP für den Zeitraum nach 2035 beinhaltet. Damit würden in den USA japanische Verhältnisse herrschen. Allerdings finanzieren bisher die Japaner ihr Staatsdefizit weitgehend selbst, d.h. die Sparquote war hoch genug, um zumindest das Ausland zu beruhigen. Die USA müssten jedoch den Rest der Welt zur Finanzierung heranziehen, da die Sparquote viel zu niedrig ist, um diese Mittel im Inland aufzubringen. Dies ist aber mehr als unwahrscheinlich. Das Finanzloch, das in Jackson Hole derzeit betrachtet wird, ist bodenlos. Keine guten Aussichten für die Weltwirtschaft. Denn so wie es ist, wird es nicht bleiben.

Unsere kommerziellen Medien üben sich in der Vogel-Strauß-Politik und bejubeln den derzeitigen Exporterfolg der deutschen Wirtschaft. Die Zeit der Jubelpresse ist aber vorbei. It’s time of reckoning.

Photo Quelle/Copyright: woodlywonderworks, cc creative commons, Bestimmte Rechte vorbehalten, via flickr

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