Haben Sie gestern Abend Thilo Sarrazin in der Talk-Show von Beckmann in der ARD gesehen? Nein? Ich schon, wenn auch nicht lange…
Die Diskussion war, wie viele Talk-Shows, Gegacker zur eigenen Profilierung, kaum inhaltliche Auseinandersetzung. Kann man vergessen. Mich hat auch nur interessiert, den Mann mal wenigstens im Fernsehen zu erleben, der zurzeit die bundesdeutsche Medienszene aufmischt. Mir kam er vor wie ein Gehetzter. Nein, ich habe kein Mitleid – trotzdem.
Mir hat gefallen, was Schirrmacher am vergangenen Sonntag in der FAS zu Sarrazins Buch schrieb. Er hat sich mit der Ideologie von Sarrazin beschäftigt, dem Biologismus – eine Geisteshaltung, die menschliche Verhaltensweisen und gesellschaftliche Zusammenhänge vor allem durch biologische Gesetzmäßigkeiten erklären will.
Die Geistesverfassung von Herrn S. an sich interessiert mich nicht, sondern die Frage, warum zu genau dieser Zeit eine solche Geisteshaltung hoch gespült wird.
Individueller Zufall oder historische Kausalität?
Schirrmacher verweist darauf, dass die Flucht in den Biologismus typisch ist für Gesellschaften, die um ihre Identität fürchten und ihren eigenen Werten misstrauen. Insofern sind Sarrazins Thesen Ausdruck eines Zustands unserer Gesellschaft. Zugleich sind sie Ausdruck des Wunsches, die Zeit zurückzudrehen.
Drehen wir sie also mal zurück – etwa in jene “besseren” Jahre, als Deutschland seine in Firmenwohnheimen zusammengepferchten “Gastarbeiter” hatte. Unter genau jenen Gastarbeitern gab es viele, die “es zu etwas gebracht haben” – aus eigener und der ihrer Familien Hände Arbeit. Sei es in Deutschland oder zurück in ihren Heimatländern. Allein das widerspricht schon den biologistischen Ansätzen des Herrn Sarrazin.
Sarrazins Haltung, die biologischen Gesetzmäßigkeiten in den Fokus zu stellen, ist meiner Meinung nach sachlich falsch, weil sie die Möglichkeiten von Bildung, Weiterbildung und geistig-sozialer Entwicklung leugnet. Zudem ist sie politisch bestenfalls konservativ, eher reaktionär. Sie sieht die Menschen im wesentlichen durch Herkunft und andere “biologisch vorbestimmten” Faktoren geprägt und ihr “Schicksal” damit entsprechend vorherbestimmt. Raum für individuelle und soziale Entwicklung bleibt da nicht.
So wünscht es sich der, der bestehende oder frühere Verhältnisse zementieren will. In Zeiten einer “gesellschaftlichen Verunsicherung” kommen solche politischen Strömungen gerne auf, die mit dem einen oder anderen Argument von früheren “guten” Zeiten träumen.
Schirrmachers Diagnose, der Biologismus sei Symptom einer demographisch verwundeten Gesellschaft, die um ihre Identität fürchtet und ihren eigenen Werten misstraut, ist richtig. Aber sie greift zu kurz, was die Ursache hierfür angeht. Demzufolge ist es mit Bildung und dem Glauben an die eigene Kultur, auf die er als Lösung abstellt, auch nicht getan.
Wenn einer Gesellschaft insgesamt die wirtschaftlichen Perspektiven verloren gehen, nicht zuletzt in einem Wust an Bürokratie, wenn die Identifikation der Bürger mit ihrem Gemeinwesen ständig sinkt, weil sie merken, dass dieses Gemeinwesen weniger für sie, als für einen kleinen Teil der Gesellschaft da ist, wenn dieses Gemeinwesen vor allem als Verteilstation von Almosen in Erscheinung tritt, mangelnde soziale und individuelle Hoffnungen und Erwartungen – all das sind die Grundlagen für das Auferstehen von allen möglichen konservativen bis reaktionären ideologischen und politischen Strömungen.
Insofern ist Sarrazin für mich ein Indikator für den Zustand unserer Gesellschaft.
Demzufolge wäre die richtige politische Antwort eine umfassende real erlebbare Redemokratisierung unseres Gemeinwesens. Aber in einer Mediengesellschaft, die jeden Tag sensationsgeil eine andere kurzlebige Sau durchs Dorf treibt, kann es keine Besinnung auf solche Werte geben, insbesondere dann nicht, wenn die Politik sich längst auf dieses Spiel eingelassen hat.
Unbestritten – auf dem Weg der Redemokratisierung ist eine angemessene Bildungspolitik notwendig, reicht aber alleine nicht aus. So lange der einzelne Bürger nicht merkt, dass er von der Gesellschaft gebraucht wird, so lange er nicht spürt, dass sie es ihm ermöglicht, sich wirtschaftlich und sozial zu entwickeln, so lange helfen auch keine Bildungs-Chip-Karten einer Frau von der Leyen.
Ich befürchte, es werden weitere Traktate sprießen, die uns in ideologische Sümpfe führen, oder schlimmer noch, solche, die Auswege propagieren, die in bürokratischen Akten enden, die nur weitere nach sich ziehen. Oder noch schlimmer, einer eugenischen Politik das Wort reden. Und das wird dann Ausdruck einer weiter fortschreitenden Gesellschaftskrise sein und den Karren noch näher an die Wand fahren.
In einem hat Sarrazin recht. Eine Integrationspolitik á la Laissez-faire muss scheitern. Aber für diese Erkenntnis braucht man kein solches Buch.
Na das war doch einmal eine tolle Sendung. Der Beckmann hatte alles und jeden im Griff. Ja er räumte jedem der Diskussionsterilnehmer ein, sich mit seinem zur Schau gestellten enormen Wissen nach Leibeskräften zu blamieren.
Der kleine Mann aus Indien, den ich eigentlich nicht in die Kaste der Hohlschwätzer einordne hat sich darauf kapriziert, dass man halt wesentlich mehr für die Bildung des türkischen Nachwuchs tun müsste. Ich möchte Herrn Yogishwars darum bitten in Duisburg, Essen, Hamborn, Bochum oder in Hamburg Billstedt, Billbrok oder Steilshopp einmal Schulgebäude zu besichtigen. Dann wird er wissen, wieviel Geld noch im Topf ist. Geld, dass unser Staat seinen Wünschen gemäss investieren kann.
Sollte ich in die Versuchung kommen mit meinen Kindern in die Türkei auszuwandern, dann kann ich für den Fall meiner Arbeitslosigkeit ja sicher damit rechnen, dass dort für mich auch eine Hartz IV Betreuung greift, dass ich ärztliche Versorgung in Anspruch nehmen kann, dass ich mich darauf verlassen kann, dass jeden Monat pünktlich das Kindergeld auf meinem Konto eintrudelt.
Also ich würde nie wieder über einen Rückweg in die Bundesrepublik nachdenken. Ich bin doch nicht bekloppt, Hier regnets bei “die Türken” scheint die Sonne. Mir jedenfalls ist es piepegal, ob die alle fünf graue Zellen weniger haben als wir. Ich glaube die sind ganz einfach schlauer als wir, – hier bei “die Deutschen” gibts Knete vom Staat, hier bleib ich, BASTA, AMEN – ENDE DER DURCHSAGE.