Local Heroes (Vol. 53): “Smilin’ in circles” – Auf den Spuren von Andreas Kümmert

Im Laufe der vergangenen Jahre haben viele junge Künstler den Weg der Readers Edition gekreuzt. Sei es die charmante Roxanne de Bastion aus London oder der zwischen nachdenklich und lausbubenhaft daher kommende Spaceman Spiff wohnhaft in Hamburg. Sie alle haben die Redaktion nachhaltig beeindruckt. Immer wieder traten sie – manchmal

Andrt.jpgIm Laufe der vergangenen Jahre haben viele junge Künstler den Weg der Readers Edition gekreuzt. Sei es die charmante Roxanne de Bastion aus London oder der zwischen nachdenklich und lausbubenhaft daher kommende Spaceman Spiff wohnhaft in Hamburg. Sie alle haben die Redaktion nachhaltig beeindruckt. Immer wieder traten sie – manchmal sogar recht unverhofft – in unseren Redaktionsalltag, um Neues aus ihrem musikalischen Dasein zu berichten. Andreas Kümmert, Singer-Songwriter aus dem unterfränkischen Gemünden am Main reiht sich hier nahtlos ein. Jetzt hat auch er Neuigkeiten, nicht nur für die Musikfreunde hier auf der Readers Edition, im Gepäck. Denn er bannt seine Mischung aus “Euphorie und Melancholie” nun auch auf einem Tonträger. Seine Debüt-EP “Smilin’ in circles” erscheint am 25. September und ist uns Anlass genug, an dieser Stelle auch ihn in die Reihe unserer “Local Heroes” aufzunehmen.

“Geschrieben wird über alles was mich beeindruckt, umgibt und berührt”, bringt der 24-Jährige seine Inspirationsquellen so schlicht, wie weitreichend auf den Punkt. Und davon gibt es am Anfang September gleich jede Menge. Den jungen Mann mit Brille und Hut zieht es hinaus in die Welt, um von Erfurt bis Braunschweig ein ganzes Jahr lang die Nation mit seiner ganz individuellen Kombination aus Stimme und Gitarre zu beeindrucken. Ein bisschen Bob Dylan, Eric Clapton samt Simon & Garfunkel, vielleicht auch ein wenig Frank Zappa, Led Zeppelin oder Ray Charles – die Liste seiner musikalischen Vorbilder, die er gekonnt in einer eigenen Mixtur zusammenbringt, ist lang. Ohne Label und damit ohne Plattenvertrag ist er “unerschrocken” unterwegs, um seinen Traum zu leben. Ganz gleich, ob dieser ihn ins eher provinzialische “Wasserhaus” nach Hammelburg führt oder auf Deutschlands kleinste Showbühne “Balcony TV” in die Metropole Hamburg katapultiert.

Songs mit Gänsehaut-Garantie

andie.jpgIm zarten Alter von 13 Jahren ging der Freund des Blues und Rock seine ersten musikalischen Schritte mit seiner Punkrockband “fast foot / bitch”. Mit 16 wehte der Wind in Richtung Soul und Rock mit der Gruppe “sickness”. Es folgten Stationen  bei “Ismael” und “silent cry” bevor es mit 21 Lenzen endgültig auf Solopfade ging. Frisur und Brille sitzen, der Bart ist nach wie vor perfekt – würde mancher Zeitgenosse in Anbetracht dieser unterschiedlicher Stationen, die sicher nicht immer ohne Turbulenzen zu meistern waren, schmunzeln. Doch Andreas beeindruckt das bestimmt nur wenig. Sein Credo lautet: “Nicht lange reden, direkt zur Tat schreiten”. Und das tut er. Was der Franke mit dem “Urburschen-Flair” auch anpackt, es scheint zu gelingen. Schon sein letztjähriger Auftritt in luftig-nordischer Höhe sowie kurz zuvor in der bayerischen “Tiefebene”e lienß das Publikum nicht mehr los. “Mach weiter so hab beim ersten mal hören ne Gänsehaut bekommen”, rät ihm der eine. Ein anderer ist gar der Meinung “Was soll man da noch sagen… Ich glaub nicht, dass es noch lange dauert, bis du groß raus kommst. Bleib am Ball, deine Musik ist wirklich klasse!”

Da steckt viel Liebe drin

In der Tat, es macht Spaß ihm zuzuhören und auch zuzusehen. Jede Faser seines Körpers sprüht vor Empathie für seine Sache – die Musik. Auch die Songs auf “Smilin’ in circles” stammen allesamt aus seiner Feder. Von Februar bis Juni hat er an der Scheibe, auf der er auch alle Instrumente selbst eingespielt hat, gearbeitet. Kontinuierlich, aber sehr entspannt verlief das Projekt, das in Alternativ-Versionen auch von “Gastmusikern” wie Florian Cremig von “Ismael” mitgetragen wird. Bis zum fertigen Produkt war es dennoch ein langer Weg – nicht ohne jedoch dabei jede Menge Spaß zu haben, wie er erzählt. Ältere Stücke wie “Moon Mood” treffen hier auf neue Werke wie der Titelsong “Smilin’ in circles”. Dabei herausgekommen ist ein “recht ehrliches und unmaskiertes Gesamtpaket”, wie er es selbst bezeichnet.

anide.jpgUnd das hört man: “Smilin’ in circles” empfängt den Hörer in warmer Atmosphäre, umhüllt ihn mit einer Decke aus wohligen Klangwänden, die sich über sechs Stücke sowie zwei Bonustracks ziehen. Ein zerknittertes Stück Papier ziert das Cover – ein Symbol für unzählige Stunden voller Kreativität? Nur er, seine Gitarre und ein Bleistift in der Hand? Vielleicht. Fest steht jedoch: Andreas nimmt seinen Beruf als Musiker ernst, sehr ernst. Es ist nicht einfach ein x-beliebiger Job, gibt er im Gespräch zu verstehen. Auch, wenn das tägliche Künstlerbrot, das er nur zu genüge kennt, zuweilen frustrierend sein kann, “man steckt sehr viel Liebe hinein, investiert Geld und sehr sehr viel Zeit”. Andreas “beißt”: er trotzt deutscher Bürokratie, spielt auch für Gagen, die nicht wirklich der Rede wert sind. “Ich liebe das was ich tue. Ab und an ist’s halt ne Hassliebe”, stellt der gebürtige Lohrer heraus. Er “lebt” lieber seine Gigs und füllt die Bühnen mit viel Herzblut. “Es ist ein wundervolles Gefühl, wenn man ins Publikum sieht und merkt, dass jemand Gefallen daran hat was man vollbringt… wenn jemand berührt ist…wenn man das Gefühl hat, die Leute würdigen den Seelenstripteas, welchen man da macht!” Und vielleicht, so stellt er in Aussicht, führt ihn diese Leidenschaft schon bald in Richtung Großbritannien und immer öfter in Richtung Straßenmusik.

Wer weiß, es scheint zumindest nicht ausgeschlossen, dass er auf dieser Reise auch der uns bereits bekannten Roxanne über den Weg läuft. Wir wünschen ihm jedenfalls viel Erfolg und weiterhin inspirierende Sessions.

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