Barack Obama hat das Ende des Militäreinsatzes der USA im Irak erklärt. Er versuchte, die jetzige Lage als ausreichende Stabilisierung nach einem sieben jährigen Militäreinsatz zu deuten. Nun ja, man kann daran seine Zweifel haben. Es existiert derzeit noch nicht einmal eine neue Regierung nach mehrmonatigen Verhandlungen. Ein Ende der Terroranschläge ist ebenfalls nicht absehbar. Mithin gehört schon ein erhebliches Ausmaß an Optimismus dazu, an ein Happy End im Irak zu glauben. Vielmehr ist Barack Obama seinen Wählern die Erfüllung eines Versprechens schuldig. Die Mid-Term-Wahlen brauchen attraktive Wahlthemen.
Der Afghanistan-Einsatz ist ebenfalls gescheitert
Der bereits neun Jahre dauernde Einsatz steht auch vor seinem unrühmlichen Ende. Der Traum der Neokonservativen unter George W. Bush, dort und im Irak islamische Länder nach dem Vorbild einer westlichen Demokratie aufzubauen, erweist sich als pipe dream. Mithin geht es hier auch nur noch darum, unter Gesichtswahrung einen Rückzug anzutreten. Hier trifft es auch die Deutschen. Die Politik unter einer parteiübergreifenden Koalition von SPD/Grünen/CDU/CSU/FDP hat trotz fehlender Mehrheit in der Bevölkerung diesen Einsatz verteidigt und die Bundeswehr unter Verweis der Bündnisverpflichtung in ein Abenteuer geschickt, bei dem sie auf verlorenem Posten steht. Zum Jahrestag des Kunduz-Massakers sind die letzten Illusionen verflogen, dass man einen friedlichen Aufbau unter den gegenwärtigen Verhältnissen realisieren kann.
Westerwelle ist erst danach als Außenminister eingefallen, dass man die Bundeswehr in einen bewaffnenden Konflikt geschickt hat und nicht zu einer Friedensmission. Diese Einsicht stellte sich auch erst dann ein, da ansonsten die Bundeswehr sich kaum angemessen ihrer Haut wehren konnte. Doch dadurch wird ein sinnloser Einsatz nicht sinnvoller. Eigentlich gilt nur die Parole: Marsch, Marsch Kameraden wir müssen zurück! Peter Strucks Doktrin, dass die Bundesrepublik Deutschland auch am Hindukusch verteidigt werden muss, erweist sich als groteske Fehleinschätzung. Als Horst Köhler diesen Unsinn jetzt öffentlich wiederholte, geriet er zwischen alle Fronten. Die Phrase ist inzwischen Hautgout.
Die Angst des Westens vor der eigenen Niederlage
Die Angst, die derzeit auch insbesondere gegenüber dem Islam sich in Europa breitmacht, basiert vermutlich auch zum Teil aus dieser aktuellen Erfahrung, dass die Politik des Westens kein Mittel gefunden hat, die radikalen Islamisten nachhaltig zu besiegen.
Die Rechnung der Al-Qaida-Fanatiker könnte sogar aufgehen, dass es eine wachsende Islamphobie geben könnte, wie sie bereits rund um Deutschland gang und gäbe ist. Wenn bereits Islamisten zum Köpfen von Wilders aufrufen, die FPÖ mit einem Anti-Islam-Spiel in den Wahlkampf zieht, dann drohen auch Pogrome gegen Muslime.
Sarrazin ist daher mehr ein Vertreter des wachsenden anti-islamischen Zeitgeists. In Dänemark wird bereits ebenfalls der Kampf der Kulturen begonnen. Eine transeuropäische Anti-Islambewegung ist bereits im Entstehen. Mittel- und Nordeuropa sind dabei das Zentrum einer derzeit wachsenden Anti-Islam-Bewegung. Diese Entwicklung scheint nun auch in Deutschland Fuß zu fassen. Daher die Reaktion der politischen Spitzenvertreter gegen das Sarrazin-Buch. Damit verhält man sich analog zu den offiziellen Vertretern der Politik in den Niederlanden. Auf eine derartige Entwicklung ist man in der deutschen Öffentlichkeit nicht vorbereitet.
Unter der Fiktion des Multikulti hat man die sich abzeichnende Spaltung in unserer Gesellschaft schlichtweg ignoriert. Westerwelle hat mit seiner Kampagne gegen den Vollvorsorgestaat und spätrömische Dekadenz letztendlich auch in die Richtung dieser Strömungen gegen Sozialhilfeempfänger insbesondere mit Migrationshintergrund gezielt. Er wollte sich hier Unterstützung der latent fremdenfeindlichen Wähler sichern. Das ging schief. Sarrazin ist hier nur expliziter als Westerwelle. Er scheint damit Erfolg zu haben.
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Jenseits des Sarrazin – Unsinns: es gibt keinen Grund, die Errungenschaften der europäischen Aufklärung jemals wieder ad acta zu legen!
Man kann das als Wert infrage stellen. Dann muß man sich aber auch positionieren.
Die Sache ist ganz einfach: wer das nicht verstehen will und nur wegen Stütze sich hier durchfressen will, hat hier nichts verloren.