IFA: 3D-Hype oder besser stereoskopische Videoanimationen

Auf der diesjährigen IFA ist die Unterhaltungselektronik- Industrie auf der Suche nach neuen Zielen. Nachdem zumindest bei den Endgeräten die superflachen Großbildschirme Einzug gehalten haben, die Auflösung und der Bildkontrast auch nicht mehr große Probleme darstellen, muss eben eine neue Dimension her. Großspurig wird dabei von 3D-Fernsehen gesprochen. Eigentlich ist

ztfrd.jpgAuf der diesjährigen IFA ist die Unterhaltungselektronik- Industrie auf der Suche nach neuen Zielen. Nachdem zumindest bei den Endgeräten die superflachen Großbildschirme Einzug gehalten haben, die Auflösung und der Bildkontrast auch nicht mehr große Probleme darstellen, muss eben eine neue Dimension her. Großspurig wird dabei von 3D-Fernsehen gesprochen. Eigentlich ist das stereoskopische Videoanimation, d.h. es werden technisch Doppelbilder erzeugt, die durch entsprechende Interferenz miteinander kombiniert einen räumlichen Eindruck vermitteln können. Das Verfahren ist uralt. Schon meine Großeltern konnten solche Postkarten oder auf der Kirmes Stereoskopische Bilder ansehen.

Die Zukunft der Bildschirmtechnik ist das Poliertuch

Neben den Touchscreens, die ein regelmäßiges Putzen der Bildschirme notwendig macht, um die Fingerabdrücke zu entfernen, da sie durch entsprechende Bildbrechungen die Sicht vernebeln, muss jetzt der Stereoskopseher noch ein Brillenputztuch zulegen, da die Doppelbilder derzeit nur durch entsprechende Shutterbrillen dem rechten und linken Auge des Betrachters das jeweilige linke bzw. rechte Teilbild zur Verfügung stellt. Auch hier schwangen die Standhostessen regelmäßig das Wischtuch. Da der Stereobildeffekt auch nur dann halbwegs für den Betrachter wirksam ist, wenn er entsprechend seinen Blick auf einen Punkt fokussiert, muss der Körper eben auch starr den Blick auf den Bildschirm fixieren – sonst treten die Doppelbilder wieder auf bzw. das stereoskopische Bild wird an den Rändern unscharf. Längeres Betrachten dürfte leicht zu Nackenverspannungen führen. Mithin werden sich die Ärzte freuen können. Nach der tastaturbedingten Sehnenscheidenentzündung und dem Mausellenbogen, kommen jetzt noch Sehstörungen und Nackenschmerzen hinzu. Immerhin kann die Couch potato durch regelmäßige Putzgymnastik für etwas Bewegungsausgleich sorgen.

Es geht auch anders

Holografie als dreidimensionale Bildspeicherung gibt es ja auch bereits seit einiger Zeit. Diese hat es jedoch nicht so weit gebracht, dass man farbtreue Bilder geschweige denn Bildsequenzen darstellen kann. Aber immerhin werden 3D-Objekte bei Änderung des Blickwinkels auch perspektivisch korrekt dargestellt. Hier ist deshalb die Marktreife nicht abzusehen. Apropos 3D-Fernsehen, die stereoskopischen Bildschirme, die auf der Messe gezeigt werden, sind im wahrsten Sinne des Wortes Endgeräte. Da es an entsprechenden 3D-Inputs, bzw. stereoskopischen Inputs derzeit mangelt, sieht man von den wenigen Hollywoodstreifen wie “Avatar“, “Alice im Wonderland” etc. ab, erinnert mich das Ganze an eine Filmszene – ich weiß nicht mehr ob es “Uzala der Kirgise” von Kurosawa war oder ein anderer entsprechender Film, bei der eine mongolische Familie vor einem Fernseher saßen – der Bildschirm war dunkel, da es weder Strom noch eine Empfangsmöglichkeit gab.

Spielekonsolen dürften am ehesten 3D-taugliche Inhalte anbieten können

Im Gegensatz zum klassischen Film, kann man in computeranimierten Spielen, von vornherein 3D-Modelle einsetzen. Die oben genannten Filme sind deshalb ja auch vorrangig mit entsprechenden Techniken erzeugt und nicht auf stereoskopischer Basis generiert worden. Mithin wäre es mit eingebauten Bewegungssensoren in Shutterbrillen dort auch möglich, bei Blickänderungen bzw. Kopfdrehungen den Bildinhalt entsprechend anzupassen. Die klassische Stereoskopie verfügt über solche Möglichkeiten nicht. Mithin ist es eine Sackgasse für echtes 3D-Sehen. Aber die Marketingabteilungen der großen Endgerätehersteller werden es schon richten. Man wird den Leuten eine Technik aufschwatzen, die eigentlich keinen Euro Cent wert ist. Viel Spaß aber ohne mich.

Photo: Numerama.com, Bestimmte Rechte vorbehalten; Quelle: flickr

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  1. Apropos die steoreoskopischen Videoanimationen alias 3Ds werden bei den Bildschirmen im Interlaces Modus übertragen werden, d.h. je ein Bild wird in einem Halbbildtakt als Vollbild projeziert. Damit leidet aber die vielgerühte HD-Bildqualität.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Interlace-Modus

    Die Stereoskopie ist also ohne großen zusätzlichen technischen Aufwand an den Endgeräten darst5ellbar. Darin liegt auch der Charme dieser Technologie. Die 3D-Bildschirme sind bis auf wenige technische Änderungen an der Steuerelektronik die gleichen wie bisher. Kostet die Hersteller nichts aber der Verbraucher soll kräftig dafür zur Kasse gebeten werden.