Das Volk gegen das Rauchen

Als ehemaliger Kettenraucher, langjähriger praktischer Jurist und heutiger eifriger Sucher nach den besten Bedingungen für ein glückliches und gesundes Leben möchte ich zum Thema Rauchverbot in der Öffentlichkeit ein Wort einwerfen. Die Freiheit zu rauchen muss sachlich begrenzt werden. Wie hier berichtet, begehren Raucher in Berlin auf gegen den Versuch,

459167_R_K_B_by_Nicole-Groutars_pixelio.de.jpgAls ehemaliger Kettenraucher, langjähriger praktischer Jurist und heutiger eifriger Sucher nach den besten Bedingungen für ein glückliches und gesundes Leben möchte ich zum Thema Rauchverbot in der Öffentlichkeit ein Wort einwerfen.

Die Freiheit zu rauchen muss sachlich begrenzt werden.

Wie hier berichtet, begehren Raucher in Berlin auf gegen den Versuch, dort wie in Bayern per Volksentscheid das Rauchen in der Öffentlichkeit ganz zu verbieten.

Die Freiheit der Bürger ist insbesondere die Freiheit, Dinge zu tun, die sich nachträglich als fehlerhaft herausstellen, aber auch solche, von denen jeder bei ihrer Begehung genau weiß, dass es sich um Fehler handelt. Da diese Freiheit aber nur im Rahmen der geltenden Gesetze gegeben ist und da der Gesetzgeber innerhalb des Rahmens der sachlichen Vertretbarkeit einen beträchtlichen Handlungsspielraum hat, kann der Gesetzgeber ganz gewiss solche Handlungen in der Öffentlichkeit verbieten, die ohne Frage schwere Schäden anrichten. Da brauchen sich die nikotinsüchtigen Raucher nicht groß aufzukrücken, dass ihnen jetzt angeblich eine Dummheit nach der anderen verboten wird.

Beim Rauchen in der Öffentlichkeit kommt noch sehr erschwerend hinzu, dass der stinkige und schädliche Rauch von den Rauchern in den Luftraum ausgeblasen wird, den auch andere Menschen für ihre Atmung brauchen. Da stellt sich sogar die Frage, ob der Staat nicht die – zumindest moralische – Verpflichtung hat, diese Beeinträchtung der Nichtraucher zu unterbinden.

Weg mit den schlechten Vorbildern.

Ein weiterer wichtiger Gesichtspunkt, der für ein komplettes Rauchverbot in öffentlichen Räumen spricht, ist es, die schlechten Vorbilder aus dem Verkehr zu ziehen. Junge Menschen haben das Bewusstsein, erwachsener zu sein, wenn sie rauchen. Da es ein wichtiges gesundheitspolitisches Anliegen ist, junge Menschen vom Nikotinkonsum fern zu halten, ist es geboten, die rauchenden Vorbilder, die sich in ihren Raucherriten öffentlich spreizen, nicht überall vorzuzeigen.

Ich selbst empfinde starkes Mitleid mit den Menschen, die sich nicht von der Zigarette trennen können und immer wieder gierig den Rauch des glimmenden Stengels einsaugen und scheinbar genussvoll wieder von sich geben. Ich habe es doch bis zum Zeitpunkt vor 40 Jahren, als ich endlich den Absprung schaffte, intensiv miterlebt. Bei einigen Rauchern schlägt die Sucht nicht so schnell und nicht so erbärmlich zu wie bei anderen. Bei den meisten greift sie aber immer stärker zu, sodass die Betroffenen sich ein Leben ohne Rauch gar nicht mehr vorstellen können. Derweil lassen die Kräfte von Körper und Geist immer mehr nach.

Raucher schalten ihren Verstand ab.

Mit der Nutzung unserer verstandesgemäßen Fähigkeiten hat der Zigarettenkonsum absolut nichts mehr zu tun. Wer würde schon voller überlegung in Papier gehüllte Pflanzenstückchen anstecken, um mit dem Rauch eine Unmenge schädlicher Chemikalien wie Kohlenstoffdioxid, Kohlenmonoxid, Stickstoffoxide, Butadien, Benzol,  Formaldehyd, Acetaldehyd, Methanol, Blausäure, Nikotin, polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, aromatische Amine und  N-Nitrosamine in seine Lungenbläschen zu schicken?! Ein “überzeugter” Raucher will nicht wissen, was er sich da antut. Er hört auch nicht hin, wenn erläutert wird, dass ein einziger Lungenzug 100.000 einzelne oxidative Stoffe in den Körper bringt.

Raucher bringen weniger geistige Leistung.

Im Gehirn besetzt Nikotin die Rezeptoren für das Gedächtnsihormon Acetylcholin, weshalb die Gedächstnisleistung absinken kann und es zunehmend zu deutlichen Aufmerksamkeitsstörungen kommt. Nikotin führt auch zu erhöhter Ausschüttung des zentralen Kontrollhormons Serotonin und nachfolgend des Glückshormons Dopamin. Nach dem Nikotinkonsum fehlt es an diesen wichtigen Steuerstoffen, dann ist auch das Suizidrisiko deutlich erhöhrt. Gerade junge Frauen wollen mit dem Rauchen nicht aufhören, weil sie meinen, dass sie dann dick werden. Durch die erhöhte Ausschüttung von Serotonin wird wegen seiner Funktion in der zentralnervösen Esskontrolle der Hunger verringert und so isst man weniger. Wird dem Körper das Nikotin entzogen, ist der normale Hunger wieder da. Man ist mehr und nimmt zu. Das aber ist nur eine vorübergehende Erscheinung. Schließlich kann man auch dagegen wirken, indem man sich um die Verbesserung der zentralnervösen Verfügung über das Serotonin kümmert.

Raucher bringen weniger körperliche Leistung und sind schwach im Bett.

Ich denke, mehr männliche Raucher kommen von ihrer schweren Sucht herunter, wenn sie sich klar machen, dass Nikotin neben Alkohol und Stress Hauptgegenspieler des Sexualhormons Testosteron ist und dass es einen deutlichen Abfall der sexuellen Leistung bewirkt. Der Hinweis darauf, dass der Zigarettenkonsum zum vorzeitigen Krebstod führt, bewirkt ja leider wenig.

Die Verminderung der Wirkung von Testosteron hat, das sollte auch jeder Raucher wissen, auch die Folge, dass der Muskelaufbau gestört und der Fettaufbau gesteigert wird.

Raucher bitte nicht belügen!

Wenn man einen Raucher veralbert, findet er nie die richtige Einstellung, sich gegen die Sucht aufzulehnen. Da wird er höchstens bockig. Wenn man einem Raucher erklärt, dass das Rauchen ihm doch gar keine Vorteile, dafür aber gewaltige Nachteile einbrächte, dann ist das eine solche Veralberung.

Denn jeder erfahrene Raucher weiß, was ihm das Rauchen an bedeutenden psychischen Vorteilen bringt. Das vertraute Hantieren mit der Zigarette gibt ihm inneren Halt. Noch wichtiger ist, dass er willentlich durch das Rauchen seine Stimmung hoch- oder herunterfahren kann. Der Raucher hat es selbst in der Hand, wie bei einem einfachen Schalter durch den Nikotingenuss seine ihm zu euphorisch erscheinende Stimmungslage zu drücken oder seine schlechte Stimmung zu verbessern. Auf diesen Vorteil verzichtet niemand gern.

Der Raucher kann auch – durch massive Besetzung der Rezeptoren des Gedächtnishormons Acetylcholin – seine Konzentration auf einzelne Dinge vorübergehend besser fokussieren als im Normalzustand. Auch diesen Vorteil sollte man nicht übersehen, wenn man mit einem Raucher zu tun hat. Umfangreiche Versuche haben gezeigt, dass Raucher in Tests vorübergehend eine übelegene Merkfähigkeit aufwiesen.

Im Grunde muss man, wenn man einen Beitrag dazu leisten will, dass ein Raucher sein Laster aufgibt, mit ihm umgehen wie mit einem Kinde. Man muss ihn ernst nehmen und darf ihn auf keinen Fall belügen. Bei rationeller Abwägung aller Vor- und Nachteile kann der Raucher die Kraft finden, sich von der Sucht zu lösen. Hilfreich ist es dabei allerdings, wenn die ersten Schäden durch das Rauchen bereits unübersehbar sind. Da geht es den Rauchern wie den Alkoholsüchtigen, von denen man sagt, dass sie vom Suff nicht abkommen, bevor sie durch die Gosse gegangen sind.

Helmut Schmidt sollte das Rauchen aber nicht aufgeben

Der Vorbildkanzler Helmut Schmidt ist in seinem Umgang mit dem Rauchen absolut kein Vorbild. Angesichts der unbestreitbaren praktischen psychischen Vorteile, die der Raucher durch den klugen Umgang mit dem Glimmstengel erfährt, würde ich ihm persönlich in seinem Alter aber dringend davon abraten, das Rauchen aufzugeben. Wenn die gesundheitlichen Nachteile durch das Rauchen wegen Alters nicht mehr so bedeutsam sind, überwiegt einfach die Freiheit, seine eigene Stimmung manipulieren zu können, wie das nur ein Raucher tun kann und sonst niemand. Im Alter ist manches anders. Man sagt ja auch, dass man einen alten Baum nicht verpflanzen soll. Man soll ihm auch das Rauchen nicht vermiesen.

Photo Quelle/Copyright: Nicole Groutars, via pixelio.de

Kommentare

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  1. guter Artikel!

    aber:

    …”um mit dem Rauch eine Unmenge schädlicher Chemikalien wie Kohlenstoffdioxid, Kohlenmonoxid, Stickstoffoxide, Butadien, Benzol, Formaldehyd, Acetaldehyd, Methanol, Blausäure, Nikotin, polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, aromatische Amine und N-Nitrosamine in seine Lungenbläschen zu schicken?!…”

    Kohlestoffdioxid (CO2) eine schädliche Chemikalie?
    Ok, ab gewissen Konzetrationen schädlich, aber noch immer keine Chemikalie und beim Rauchen sicher kein Thema, CO2 gehört aus diesem Satz raus.
    (Wir sind je nicht im Klimaforum, da denken auch einige, CO2 wäre ein Schadstoff…)

    Und wegen dem Zunehmen.
    Wie gesagt, ist sicher der bessere Appetit auch ein Thema, od. der etwas häufigere Griff zu “Kleinigkeiten” dazwischen, dazu kommt aber der sich wieder etwas verlangsamende Stoffwechsel, welcher ja beim Nikotinsklaven beschleunigt ist.