Eine Schwalbe macht bekanntlich noch keinen Sommer. Ein gutes Wirtschaftswachstum in einem Quartal – wie zuletzt die 2,2 Prozent beim BIP – ist noch kein nachhaltiger Aufschwung. Im Juli 2010 sanken nun nicht ganz unerwartet – sieht man einmal von der Bundesregierung und der Bundesbank ab – die Ausfuhren kalender- und saisonbereinigt um 2,2 Prozent. Der Exportboom der deutschen Wirtschaft hat damit voraussichtlich im dritten Quartal seinen Höhepunkt überschritten.
Die Weltwirtschaft kühlt sich ab
Mit dem sukzessiven Auslauf der Konjunkturprogramme weltweit kommt auch der deutsche Export ins Stocken. Schließlich ist die deutsche Wirtschaft besonders abhängig vom Export. Sinkt die globale Nachfrage insbesondere nach den für den deutschen Export so wichtigen Investitionsgütern und im Bereich der langlebigen Konsumgüter bei den Automobilen, dann geht der roller coaster rasch wieder in die andere Richtung. Nicht zuletzt deshalb war ja das BIP in Deutschland im vergangenen Jahr um -5 Prozent geschrumpft und damit deutlich stärker als in den anderen großen westeuropäischen Ländern wie Frankreich oder Spanien.
Jetzt ist erneut mit einer deutlich höheren Volatilität in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern zu rechnen, da es nicht allein die Exportlastigkeit der deutschen Wirtschaft ist, die uns zu Schaffen macht, sondern die Spezialisierung auf hochwertige langlebige Konsumgüter und Investitionsgüter. Hans-Werner Sinn spricht deshalb auch von einem pathologischen Exportboom der deutschen Wirtschaft.
Diese sind bekanntlich besonders konjunkturreagibel. Mithin potenzieren sich hier Effekte statt sich auszugleichen. Die Folge: Man ist mit deutlich stärkeren Konjunkturschwankungen als andere Länder konfrontiert. Was in Wachstumsphasen der Weltwirtschaft einen Vorteil darstellt, erweist sich bei einer Konjunkturschwäche als Nachteil. Das sind eben die zwei Seiten der gleichen Medaille. Also fest anschnallen, es geht jetzt wieder bergab.
Nicht alle Länder können durch ein exportorientiertes Wachstum Erfolg haben. Eine schlichte Einsicht, die aber immer wieder vergessen wird. Jetzt versucht Japan sich gegen den hohen Yen-Kurs mit Wechselkursinterventionen zu wehren.
http://www.bloomberg.com/news/2010-09-15/japan-s-solo-run-on-yen-may-reveal-flaw-in-global-drive-on-export-recovery.html