Ich weiß nicht, ob wir Sarrazin so einfach als Rassisten bezeichnen können. Gewisse “Rassen-Gene” wurden schon ziemlich früh entdeckt, doch welche Bedeutung sie haben, wissen wir bis heute nicht. Da sich die Gene unter verschiedenen Rassen auch vorzüglich mischen können, deutet dies darauf hin, dass die menschlichen “Rassen-Gene” geringere Bedeutung haben als die des Esels und des Pferdes. Was bei der Vermischung von Pferd und Esel herauskommt, kann sich nicht mehr vermehren, es steckt sozusagen in einer Sackgasse. Menschliche Gene können sich unter den verschiedensten Menschen beliebig kreuzen, was zu dem Schluss führen kann, dass weder der liebe Gott noch die überaus verführerische Natur keine strenge Rassen-Trennung bei den Menschen eingeführt haben. Die Rassentrennung praktizieren wir selbst, aus eigenem Gutdünken heraus. Die Vorstellung, dass wir uns nur mit solchen Menschen verbünden und mit ihnen Kinder zeugen dürfen, welche der gleichen Religion beziehungsweise Sippe angehören, ist überaus rassistisch.
Dagegen führt die Vermischung der Gene unter allzu ähnlichen Menschen, wie zum Beispiel in der Familie, zu ernsthaften Schwächen und Krankheiten für die Erben der Erblichkeit – für die Kinder. Weder der liebe Gott noch die verwegene Natur haben also die Absicht, dass sich die Menschen möglichst “reinrassig” vermehren, auf ihren eigenen, gut vertrauten Genen hocken bleiben. Vielfalt ist angesagt. Wir sollten die Menschen nicht in Gen-Uniformen anziehen, nur damit alle gleich aussehen.
Aber Sarrazin?
Auch Herr Sarrazin ist ein gekonnter Mischling, der sich mit dem Fortbestand der Kulturen und Arten genauso seine Gedanken macht, wie jeder andere Mensch, der sich mit dem Artensterben beschäftigt. Auch dabei geht es nicht darum, wer oder was am Ende übrig bleibt, sondern was alles inzwischen verschwunden ist. Was aber die meisten Menschen bei einem gemütlichen Musikabend leicht vergessen, weil die Welt auch ohne die komischen Vögel und Frösche immer noch wunderschön bleibt.
Sarrazins Gedanken folgen eher der Spur der Umweltschützer, er setzt sich für eine bedrohte Art ein, die von einer anderen verdrängt werden kann. Ungefähr wie bei den Eichhoernchen auf den britischen Inseln. Auch der gegenseitige Kampf der Eichhörnchen um ihr Lebensraum lässt sich als rassistisch bezeichnen, genauso wie jede Einmischung in diesen Kampf. Vor allem dann, wenn man zum Schutz der einen gegen die anderen Eichhörnchen Verhütungsdrogen und versteckte Kameras einsetzen will. Wir haben halt die Mittel, um uns in das Leben der Eichhörnchen wie auch der anderen Menschen einmischen zu können.
Und wenn sich manche Ausländer unter uns mischen, um sich dann von uns abzuschotten, um ihre eigene Art zu schützen, dann macht es halt manche Menschen traurig und nachdenklich, weil auch dies irgendwie rassistisch anmutet. Es ergibt dann ein sehr getrenntes Multikulti. Und wirkt wie Rassentrennung. Es wirkt wie eine freiwillige Rassentrennung. Vor allem dann, wenn man den eigenen Cousin heiratet, weil man sich nur so sicher sein kann, dass man so auch das Erbe der eigenen Familie aufrecht erhalten kann.
Der Fehler mit den Genen
Auch Herr Sarrazin kann Fehler machen, wenn er sich mit den Genen beschäftigt. Das haben Andere auch schon gemacht, als sie bereits vor Jahren geglaubt haben, den Gen für die Homosexualität entdeckt zu haben. Unsere Gene sind sehr ähnlich wie die Kabbala und wir versuchen in beiden zu lesen. Dass unsere Deutungen der Gene eher peinlich sind als wissenschaftlich, wissen die Wissenschaftler langsam am besten. Weil auch ihnen manche peinliche Deutungen nicht erspart geblieben sind. Aber wer glaubwürdig sein will, der beruft sich halt gerne auf die Wissenschaft. Das machen die Klimaskeptiker genauso wie die Finanzhaie.
Die erhabene Intelligenz
Unsere Intelligenz ist seit Menschengedenken auch unser größter Stolz. Deswegen täte es uns sehr gut, wenn wir die Intelligenz endlich auch wissenschaftlich nachweisen könnten, zum Beispiel mit Hilfe der Gene. Wir übersehen dabei, dass unser Stolz dann etwas schmaler sein dürfte, wenn wir automatisch durch die geerbte Intelligenz auch mehr oder weniger intelligent sein sollten, und nicht durch die eigene Anstrengung, durch die eigene Klugheit, wie es vor der Entdeckung der Gene gang_und_gäbe war.
Wir alle haben von unseren Eltern einen unglaublichen Potential an Fähigkeiten geerbt, von dem wir bekanntlich nur ungefähr dreißig Prozent nutzen. Und das machen wir traditionell nach dem Vorbild unserer Eltern, die auch schon immer nur circa 30% der Fähigkeiten nutzten, die sie von ihren Eltern geerbt haben. Das liegt eindeutig an unserer unglaublicher Bescheidenheit, warum wir nur so wenig von den geerbten Fähigkeiten nutzen und keineswegs an unserer Intelligenz. Weil wenn wir intelligent wären, würden wir viel mehr davon nutzen.
Intelligenz ist nicht erblich
Leider ist es so. Niemand kann seine Intelligenz einer wohltätigen Stiftung vererben, nur damit seine leiblichen Erben leer ausgehen. Aus Rache dafür, weil ihn die Erben schon immer für dumm hielten. Wir erben nur ein Potenzial, und wie sich dieser Potenzial entwickelt und was wir damit sonst noch Kreatives anfangen, hängt von vielen Umständen ab. Nicht zuletzt auch von unseren Eltern, ob die es uns überhaupt erlauben, mit unserer Intelligenz zu spielen, oder ob wir eher anständig aufwachsen müssen.
Es ist wirklich fraglich, ob wir das, was wir für Intelligenz halten, einfach so vererben können. Würden Andre Agassi und Steffi Graf ein Kind adoptieren, dann würde diese Kind mit Sicherheit auch mit dem Tennisschläger spielen. Und ob die leiblichen Kinder der beiden Stars auch so talentiert sein dürften, wie ihre Eltern, bleibt der Zukunft vorbehalten, die alle Urheberrechte auf die Entwicklung eines Menschen besitzt.
Adoptierte Intelligenz
Nach dem Vietnamkrieg waren viele Amerikaner bereit, vietnamesische Waisen- oder Armenkinder zu adoptieren. Es gab einen Dokumentarfilm, von dem ich nur noch diese Spur finden konnte:
Fernsehtipp: ´Wiedersehen in Vietnam` Nach dem Vietnamkrieg wurden viele vietnamesische Kinder zur Adoption freigegeben. 22 Jahre später reist eines dieser Kinder nach Vietnam, um ihre Familie zu suchen. Sie trifft auf eine völlig fremde Kultur. Zwei Welten prallen aufeinander und bald wünscht sie sich, sie wäre nie nach Vietnam gereist 6. Juni 2004 Bayerischer Rundfunk 22.40 Uhr http://www.adoptionsinfo.de/Index04II.htm
Das Mädel wurde in der ersten Adoptivfamilie nach einem gut bekannten und an sich internationalem Brauch misshandelt, später ging es ihm besser, es gab sich anspruchsvollem Studium hin, bis es irgendwann die leibliche Familie kennenlernen wollte. Trotz allen Schwierigkeiten wurde dieser Wunsch am Ende leicht erfühlt. Und das Befremden war groß…
Als ich den Film sah, habe ich überlegt, wie das Mädel wohl aussehen und wie es denken würde, würde es bei der leiblichen Familie aufwachsen. Es hätte dann von den Eltern wohl viel mehr “geerbt”, als wenn es die Einsamkeit und das Verloren-sein in der Fremde bewältigen musste.
Unsere Intelligenz ist eher ein Abbild unserer Welt und deren Anregungen. Wer unter den Anregungen freiwillig wählen kann, der hat dann von der Welt auch etwas mehr, als Er oder Sie von ihren Eltern erben könnten. Das gilt auch für das vietnamesische Mädel, auch wenn es sich unfreiwillig adoptieren lassen musste.
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