Berlin (AR). Gehen wir doch mal “nostalgisch” zurück. Was war es für eine Sensation, als wir plötzlich auf Plattformen wie Xing, Menschen, Unternehmerinnen, Businesspartner uvm. mit einem Klick für unser Anliegen gewinnen konnten. War das Profil desjenigen gut ausgefüllt, sah man gleich “das könnte eine Win-Win Situation ergeben”, und wir schrieben diese Person auf dem “kurzen Klickweg” an. Wenn die so zusagende “Freundschafts- oder Kontaktanfrage” kam, wägte man genau ab ob diese oder jene wirklich in unsere Liste passten. Schließlich war man ja kein Kontaktsammler- oder rin. Kontakten 2.0 nannte man das wohl.
Entfernung ist kein Ding
Kontakte knüpfen, egal auf welche Art, war und ist immer noch klassisch, nur der Weg und die Technik dahin haben sich geändert, sowie die Geschwindigkeit und die Entfernung. Netzwerken ist geil. Es hat die Börsen durchgerüttelt, Google in unsere Fenster schauen lassen und bei Facebook ist plötzlich unser unparfümierter Nachbar ein toller Freund. In Australien sehen wir ein Foto eines Menschen und schwören anschließend bei Britt Stein und Bein, dass wir diesen Menschen lieben ohne dabei irgendein Sinnesorgan, wie zum Beispiel das Gehirn, verwendet zu haben.
Aber, kommen wir zum geschäftlichen Teil
Wenn wir früher ein nutzloses Produkt verkaufen und ein klein wenig dabei “abzocken” wollten, dann war ein Strukturvertrieb nicht schlecht. Je mehr Leute sich den Rücken krumm buckelten, desto höher war die Chance, einen guten Umsatz zu erzielen. Natürlich nur als Geschäftsinhaber- oder rin. Großes Netzwerk, schnelles Geld. In digitalen Netzwerken achtete man noch auf Qualität der Kontakte und generierte mit neuen und vor allem passenden Geschäftspartnern gute Geschäfte. Innovationen wurden grenzübergreifend ins Leben gerufen. Aufschwung 2.0?
Nun ist die Krise da
Da muss die Strategie geändert werden. Die Qualität der Kontakte wird sekundär. Man muss sich nicht mehr “kennen lernen”. Auch das Foto ist nicht mehr so wichtig. Was da so im Profil steht ist auch nicht mehr der Geldgenerator. Einen echten Geschäftspartner sucht sie oder er nicht mehr. 12.000 Kontakte sind nicht genug. Neue Wege des Netzwerkens müssen erschlossen werden. Visitenkarten Parties sind schon in den Geschichtsbüchern gelandet. Kontakten 3.0 ist hipp. Die CONTACT ELITE ist geboren. Clubs in denen man “belohnt wird” für den Besitz der fettesten Kontaktliste, des gesamten Netzwerkes.
Eine große Gemeinschaft mit einem großen Ziel:
“Sie möchten den Mitgliedern helfen, sich ein großes Netzwerk aufzubauen um schnell und zielgerichtet Ihr Business voranbringen. Dafür brauchen sie natürlich auch jedes Mitglied, welches die Gruppe schnell im Netzwerk bekannt macht und Mitglieder gewinnt. Also: ‘Einladen ohne Ende’.
Hier kann es Ihnen passieren, dass Sie mit Kontaktanfragen überschüttet werden. Wer das nicht will, sollte auf keinen Fall Mitglied werden und auf die Anmeldung verzichten! Es sollte der unbedingte Wunsch zur Kontaktaufnahme in dieser Gruppe vorhanden sein.
Zeit ist Geld, deshalb wird in dieser Gruppe schneller kontaktet! Die Mitglieder der unterschiedlichsten Branchen werden über unser Foren-System schnell zum Themenbereich Ihrer, Business – Kontaktwünsche gebracht. Sollte man einen Kontakt nicht wünschen, reicht ein einfaches ‘Nein’.” (Quelle: Xing)
Ziel der Gruppe ist es, Menschen jeder Art und Couleur zusammenzubringen. In solchen Gruppen sind grundsätzlich alle Business-Kontakte gewünscht, egal aus welcher Branche und geschäftlichen Ebene.
Die Zeit auf Klo wird sinnvoll genutzt
Wer sich einer CONTACT ELITE(Xing) nicht “zugehörig” fühlt, für den/die gibt es auch die Kontaktparty(Xing) im Netz, so wie die Kontaktmaschine(Xing), Powernetworking(Xing), Genial Netzwerken(Xing) uvm. Geschäfts- Mann/Frau von Welt ist schließlich JEMAND wenn er/sie nur ordentlich viele Kontakte in der Liste hat. 12.000 Kontakte sind aber nicht genug, um Netzwerkkönig zu werden. Da muss man schon noch ein paar Stunden pro Tag drauflegen, um König zu werden und vor allem auch zu bleiben. Da wird auch die wichtige Minute auf dem Klo genutzt, schließlich gibt es Apps für den iPad oder dem iPhone. Mit Programmen wie Twhirl (einem Twitter Client) und anderen Wunderwerken der Programmierung ist alles, überall möglich um nur schnell jeden Tag, zig Kontakte zu machen.
Kontaktpflege ist nicht mehr drin
Das macht doch nichts, wenn man seine virtuellen Kontakte nicht mehr, mit persönlichen Mails pflegen kann, einen Plausch über das Netz oder gar ein echtes Telefongespräch führen kann. Man wirbt auf seiner klassischen Firmenpage damit, dass man die beste Netzwerkerin oder Netzwerkkönig ist und verkauft dann seine Dienstleistung:
Bekommen auch Sie mehr als 30.000 Kontakte in kurzer Zeit, auf Xing, 12.000 auf Facebook, dazu noch ein Sahnehäubchen von 4500 Kontakten bei LinkedIn.
Wie das geht?
Ein Networking-Workshop kostet nur 2.500 Euro pro Tag. “So werden auch Sie ein perfekter Networker, denn 12.000 Kontakte sind nicht genug.”
Na, da lohnt es sich doch Netzwerkkönig zu sein. Guter Tagessatz
(Ihr findet die Autorin übrigens bei Xing, Facebook und Twitter
mit bescheidenen cirka 100 Kontakten.)
Schöne Beschreibung einer total verrückten Welt! Das Geld verdienen immer die anderen.