Nierenspende reisst Politiker aus dem Schlaf

Die Historie: Mein erster Beitrag, den ich je hier Mitte 2006 veröffentlicht habe, war meine Klage, dass nicht ein amtlicher Ausweis in Verbindung mit einer elektronischen Registrierung der Organspendenbereitschaft genutzt wurde, um die große Spendenbereitschaft in der Bevölkerung auch praktisch umzusetzen. Besonders die Deutsche Stiftung Organspende e.V. hatte sich als

wegr.jpgDie Historie: Mein erster Beitrag, den ich je hier Mitte 2006 veröffentlicht habe, war meine Klage, dass nicht ein amtlicher Ausweis in Verbindung mit einer elektronischen Registrierung der Organspendenbereitschaft genutzt wurde, um die große Spendenbereitschaft in der Bevölkerung auch praktisch umzusetzen. Besonders die Deutsche Stiftung Organspende e.V. hatte sich als unbelehrbar erwiesen.
Dann machte der Ethikrat ungare Vorschläge für eine fast zwangsweise Entnahme von Organen nach dem simplen Motto: “Wer schweigt, wird ausgeschlachtet.” Das war dumm und kontraproduktiv, was ich aufgriff.

Wieder ein Jahr später kam das Aus für den Organspeneneintrag auf der Gesundheitskarte, worauf ich hier folgendes schrieb:

“Jahrelang habe ich dafür gekämpft, dass auf der elektronischen Gesundheitskarte eine Erklärung über die Spendenbereitschaft stehen sollte: Keine Angabe = Nein, ein Nein ist ebenso klar, aber ein Ja, ggf. mit sachlicher Einschränkung ändert alles. Niemand wäre überfordert, aber dazu müsste er eine Angabe machen, im Zweifel eben ausdrücklich “keine Angabe”. Die Erklärungsfaulheit wäre weg. Keine Frage, wir hätten danach keine Toten mehr zu beklagen, weil Ersatzorgane fehlten. Auch die zigtausendfache wöchentliche Blutwäsche der Kranken, die auf eine neue Niere warten, gäbe es nicht mehr. Aber eben auch nicht die mächtigen Gewinne der Dialyse-Industrie. Seehofer hatte sich für den Eintrag auf der Karte ausgespochen und wechselte dann das Amt. Die Bayerische Sozialministerin kämpft noch immer auf einsamer Flur dafür. ”

Und jetzt geschehen Zeichen und Wunder:

Die Nierenspende von SPD-Frank-Walter Steinmeier für seine Frau hat junge CDU-Politiker aus dem Schlaf gerissen. Parteivize Günter Krings und der CDU-Gesundheitspolitiker Jens Spahn, der letztlich in mehreren Talkshows eine bei aktiven CDU-Politikern (ich meine die außer Heiner Geißler) lange nicht gezeigte Offenheit und Klugheit demonstrierte, bringen es auf den Weg, dass der Eintrag dazu, ob der Ausweisinhaber Organspender ist, zwingend in jedem neuen Pass eingetragen wird. Steht da nichts, wird auch kein Organ entnommen. Ist die Spendenbereitschaft eingetragen, dürfen die berechtigten Ärzte ins elektronische Register schauen und haben sich an die dort hinterlegten Orders zu halten. Natürlich kann der Spender jederzeit leicht seine Vorgaben im Register ändern.

Dann gilt es nur noch einmal technisch absolut sicher zu stellen, dass nur im Falle vollständiger Untätigkeit des Gehirns des Spenders an seine Organe gegangen wird. Es wurde ja geäußert, dass oft nur in der obersten Randschicht des Gehirns nach Aktivität gesucht würde und der Spender schon aufgeschnitten wird, obwohl darunter noch Leben ist. Das muss man natürlich ausschließen.

Jetzt aber wird ein Traum wahr. Es wird eine große Auswahl an Spenderorganen geben, unter denen das beste gewählt werden kann, das dann auch weniger leicht abgestoßen wird. Was in Deutschland nicht gebraucht wird, kann exportiert werden. Aber Vorsicht, meine Herren Investoren: stecken Sie Ihr Geld ab sofort nicht mehr in Dialysestationen. Die haben bald nicht mehr viel zu tun. Es ist immer so: Was dem einen sein’ Uhl, ist dem andern sein’ Nachtigall!

Photo Quelle/Copyright: sbamueller, cc creative commons, Bestimmte Rechte vorbehalten, via flickr

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