Die wirtschaftliche Lage in den USA ist schlecht. Das derzeit noch durch das gewaltige Konjunkturprogramm angetriebene Wirtschaftswachstum lässt unübersehbare Schwächen erkennen. Der jetzt veröffentlichte Philly-Fed-Wochenarbeitszeit-Index, der als Leading-Indikator für die Entwicklung der Wochenarbeitszeit im gesamten Privatsektor der USA eingesetzt wird, ist zuletzt steil nach unten abgesackt. Mithin wäre dies eine schlechte Nachricht für den US-Arbeitsmarkt. Wie macht man eine gute Nachricht daraus? Man erklärt der staunenden Öffentlichkeit, dass man noch viel pessimistischere Erwartungen hatte. Mithin ist alles gar nicht so schlimm, wir hatten ja noch schlimmeres erwartet. Alles klar?
Die Vogelstrauss-Psychologen
Es scheint sowieso eine typische Eigenschaft der Spin-Doktores der Konjunkturbeobachtung zu sein, das dem Glauben verfällt, dass man der Öffentlichkeit nur genug Wirtschaftsmärchen erzählen muss, damit der Glaube dann den Berg versetzt, d.h. die Konjunktur wegen des Glaubens an den Wirtschaftsaufschwung wieder in Gang kommt. Baron Münchhausen kannte diese Spezies und hat sie mit seiner Geschichte des sich am eigenen Schopf aus dem Sumpf Ziehens unsterblich gemacht. Von externen Kräften, die sich der Bewusstseinskontrolle entziehen und Widerstand leisten gegen die Welt als Wille und Vorstellung leisten, einmal abgesehen, schon die alten Glaubensväter wussten, dass man damit von Zeit zu Zeit Schiffbruch erleiden kann. Dann war halt die Wirklichkeit stärker als der Glaube. Mithin scheinen einige unserer Konjunkturauguren an einer Umkehrung des Münchhausen-Syndroms zu leiden. Statt eines eingebildeten Kranken à la Moliére sehen sie Schwerkranke als kerngesund an. Auch eine Form der Autosuggestion. Daran starb dann Moliére auf offener Bühne.
Lieber Georg Erber,
witzig, spritzig und an den gegebenen menschlichen Faktoren ausgerichtet, ich liebe Ihre Artikel.
Gruss O. W. H.