Geringer Schutz nur
Faltenwurf über und über,
Die Schulter gehüllt in Schutz,
Trüber war selten die Welt,
Unglück droht uns und Schmutz.
Allüberall blickt Qual,
Unrecht blüht und die Wahl
War falsch, wenn uns heute trifft
überall das Gift.
Klaus Grunenberg
Kritik
Dieses moderne Gedicht müsste sorgsam erarbeitet werden, also sozusagen werksimmanent betrachtet werden. Man sollte sich deshalb das Gesamtwerk des Dichters anschauen und dann, mit einiger Mühe, entschlüsseln, was er uns vermitteln will.
Sieht man sich das bisherige Werk an, kann man eine apokalyptische Tendenz nicht verneinen. In “Kinder des Kronos” oder auch in “Helles Land”, leider vergriffene Werke, werden diese genannten Tendenzen spürbar, auch die gehobene Sprache (von manchen Kritikern skeptisch gesehen), irritierte mitunter, doch war der Ton zumeist ehrlich und vom Grunde kommend.
Erfahrung, Ahnung, Erlebtes verarbeiten, es zum Guten noch wenden wollen, das alles steckt wohl dahinter. Nehmen wir uns aber nun das vor, was uns in diesem Gedicht auffällt, vielleicht kommen wir da weiter. Das Wort “über” erscheint oftmals, gleich am Anfang “über und über”, ja, selbst im “Trüber” steckt es und ist wohl nicht nur als Zwischen-oder Mittelreim gedacht. Dann in der zweiten Strophe in “Allüberall”, einer Verstärkung des “über” und schließlich “überall” am Schluss des Gedichtes. Das scheint der Schlüssel zum Gedicht zu sein, diese Bedrohung, die spürbar ist. Und das “uns” erscheint zweimal. Uns betrifft es also, nur uns, wenn auch andere für uns handeln.
Ed Moercke
Es ist ein politisches Gedicht, rein politisch. Und es spricht das Gefühl der Unsicherheit der momentanen Situation hier (war die letzte Wahl falsch?) und auf unserer Erde an. Vorsicht ist angesagt und rechtes Maß und rechtes Handeln. Gefällt mir ausnahmsweise gut.
Mark Beil-Ritzi
Photo Quelle/Copyright: Jenzig71, via pixelio.de
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