Einigkeit unter den Heimkindern: Opferrente und Schmerzensgeld für ein Lebensende in Würde

“Nur gemeinsam sind wir stark!” – Heimopfer solidarisieren sich Kommentar: Die Forderungen liegen auf dem Tisch. In seltener Eintracht haben der “Verein Ehemaliger Heimkinder”, die beiden weiblichen und der männliche Opfervertreter (mit einer Arbeitsgruppe) am “Runden Tisch Heimerziehung”, ihre Forderungen zur Entschädigung und Wiedergutmachung der in den 50er und 60er

“Nur gemeinsam sind wir stark!” – Heimopfer solidarisieren sich

Kommentar:

Die Forderungen liegen auf dem Tisch. In seltener Eintracht haben der “Verein Ehemaliger Heimkinder”, die beiden weiblichen und der männliche Opfervertreter (mit einer Arbeitsgruppe) am “Runden Tisch Heimerziehung”, ihre Forderungen zur Entschädigung und Wiedergutmachung der in den 50er und 60er Jahren begangenen Verbrechen formuliert und miteinander abgestimmt. Dazu gesellen sich die Vertreter der behinderten Heimkinder. Die Entschädigungsforderungen reichen von 300 bis 400 Euro, teils mit Stufenmodell, als monatliche Opferrente bis zum Lebensende. Für jene, die diese Opferrente nicht beanspruchen wollen, bewegen sich die Forderungen für eine einmalige Entschädigung um 60.000 Euro.

Die Forderungen sind gerechtfertigt. Es geht nicht um Ohrwatschen à la Mixa. Es geht um grausamste Verbrechen, die in den Nachkriegsjahrzehnten bis in die 90er Jahre hinein stattfanden. Es geht um Zwangsarbeit im Moor unter erbärmlichsten Bedingungen, um Misshandlungen in den Jugendheimen und in Heimen für körperbehinderte Kinder, um Isolationsfolter und falsche medizinische Behandlung. Und es geht um sexuellen Missbrauch, – oft in Kombination mit anderen physischen und psychischen Gräueltaten. Den wenig aussagenden Begriff “sexueller Missbrauch” muss man verständlicher machen, damit die Öffentlichkeit weiß, welche Scheußlichkeiten sich dahinter verbergen können: Hier passierte unter anderem erzwungener Anal- oder/und Oralverkehr. Ehemalige Kinder berichten über blutende Genitalien, die sie sich im Verlaufe dieser sexuellen Vergewaltigungen zugezogen haben. Es geht auch um zerstörte Biographien, um Menschen, die keine Ausbildung absolvieren, keinen Fuß in der Gesellschaft fassen konnten und nie in der Lage waren, ihren Lebensunterhalt ohne Unterstützung der Solidargemeinschaft zu bestreiten. Es geht um Menschen, die immer und immer wieder Einschränkungen in ihrer Lebensqualität erfahren mussten, weil sie nicht mehr zu partnerschaftlichen Beziehungen oder anderen sozialen Beziehungen fähig sind. Es geht um Wracks, die seitens der Täter und Weggucker hinterlassen wurden, um eine Spur der psychischen und physischen Verwüstung, die erst in den letzten Jahren sichtbar wird.

Was in den Nachkriegsjahrzehnten bis zur Jahrtausendwende passierte, waren keine Lieblosigkeiten, waren keine vernachlässigbaren Untaten, die irgendwo immer mal passieren. Es waren systematische Verbrechen, die dadurch ermöglicht wurden, dass es entweder kein oder schlecht ausgebildetes Personal gab. Wo Personal fehlte, wurden die Opfer gegeneinander aufgehetzt, damit sie sich gegenseitig in Schach halten. Diese Gewalt konnte allerdings auch darum entstehen, weil alle Aufsichtsmechanismen versagten, weil es sich die Aufsichtsstellen bequem machten, es sie einen Dreck scherte, was mit dem ins Heim Eingewiesenen überhaupt passierte.

Die Bundesrepublik hat schwere Schuld auf sich geladen und wenn sie nicht aktiv Verbrechen begangen oder Verbrechen verhindert hat, so hat sie doch die Augen geschlossen, wenn Verbrechen bekannt wurden.

Ich wiederhole noch einmal: Alle Forderungen der Opfer sind berechtigt. Wer nun die Zahlungen etwa an NS-Zwangsarbeitern oder anderen Opfergruppen orientieren will, hat nur eins im Sinn: die Forderungen zu minimieren. Dabei wird gelogen, dass sich die Balken biegen. Antje Vollmer beispielsweise unterschlägt die viel höheren Zahlungen, die der Ex-Rechtsanwalt Michael Witti für seine jüdische Mandantschaft erreicht hat. Er hat für sie weitreichende Opferrenten und zusätzliche Entschädigungen zwischen 15.000 und 30.000 Euro erwirkt. Indem Antje Vollmer diese Tatsache verheimlicht und diese auch nicht in dem Zwischenbericht zu finden ist, versucht sie, die misshandelten Heimkinder für blöd zu verkaufen, in der Hoffnung, dass sie sich mit einem Taschengeld aus den Portokassen der Verantwortlichen zufrieden zufrieden geben. Immer noch nicht hat Antje Vollmer sich zur kritischen Auseinandersetzung mit ihrem Zwischenbericht durch Prof. Manfred Kappeler geäußert. Ihr Verhalten bestärkt viele Opfer in der Meinung einer eindeutigen Parteinahme gegen sie.

An diesem Thema ihres Versagens haben die Kirchen ihr wahres Gesicht gezeigt. Sie haben offenbart, dass sie mit der christlichen Lehre Jesu Christi nicht viel am Hut haben. (Wo sind übrigens die Streiter Jesu Christi für Liebe und Gerechtigkeit? Außer Pfarrer Dierk Schäfer und Jesuitenpater Klaus Mertes ist niemand lesbar. Wer nicht wenigstens etwas auf die Barrikaden geht und sich statt dessen versteckt, schlägt selbst seinen Jesus ans Kreuz.) Ihre einzige Aufgabe sehen sie darin, eine Haftung für Verbrechen unter ihren Dächern zu verhindern. Nicht umsonst richtet sich ihr schamloser Blick immer wieder auf den “Runden Tisch Heimerziehung”, wo sie sich Hilfe durch die Tischvorsitzende erhoffen. Dass diese Hoffnungen nicht unberechtigt sind, beweisen bisherige Äußerungen etwa zur Opferentschädigung und zu den Begriffen “Zwangsarbeit” und “Menschenrechtsverletzungen”. Wer angesichts des bisher bekannten Umfangs der Gewalt diese Begriffe im Zusammenhang mit der Heimaufarbeitung gestrichen sehen will, muss sich den Vorwurf gefallen lassen, selbst ein unmoralisches Denken an den Tag zu legen.

Andere Stimmen sind nicht viel anständiger. Wenn beispielsweise Christine Bergmann die Jesuiten lobt, weil sie an ihre Geschändeten 5.000 Euro Wiedergutmachung zahlen will, legt sie gleichzeitig eine Messlatte an, nach der sie höhere Zahlungen nicht für nötig hält. Es gilt, in den nächsten Wochen verstärkt zwischen den Zeilen zu lesen, um die wahren Absichten unter mitfühlenden und freundlichen Fassaden zu erkennen. Nicht jeder lächelnde Blick, nicht jedes verständnisvolle Wort, ist ernst gemeint.

Wichtig ist die weitere Geschlossenheit der Opfer. Dazu hat der Theologe Dierk Schäfer folgendes geäußert: “Die Heimkindervertreter am Runden Tisch sollten übereinkommen, wo ihre Schmerzgrenze ist. Wenn der Runde Tisch in seinem Schlußbericht die wesentlichen Vorschläge  übergeht, sollten sie nicht den Kakao trinken, durch den man sie zieht, dann gilt es, vernehmlich “nein” zu sagen zu der Einvernehmlichkeit, die beim Zwischenbericht noch behauptet wurde. Nun bitte ich aber alle, keine öffentliche Diskussion darüber zu führen, wo denn das Minimum liegen sollte, dem man noch zustimmen könnte. Denn dann wäre es mit der Einigkeit vorbei und der Runde Tisch könnte die ehemaligen Heimkinder regelrecht vorführen. So leicht sollte man es ihm nicht machen. Nun ist der Runde Tisch am Zug.”

Dem ist nichts hinzuzufügen!

Helmut Jacob
24.09.2010

http://dierkschaefer.wordpress.com/2010/09/20/mit-einer-uberraschung-geht-es-in-die-endrunde/

http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,688927,00.html

http://www.n-tv.de/politik/Jesuiten-wollen-entschaedigen-article1501161.html

http://dierkschaefer.wordpress.com/2010/08/27/losungsvorschlage-von-dr-wiegand/

http://www.ehemalige-heimkinder-am-runden-tisch.de/files/loesungsvorschlaege_5_sept_2010.pdf

http://www.gewalt-im-jhh.de/hp2/Blick_uber_den_Tellerrand_4/Losungsvorschlage_VEH_160910.pdf

http://www.gewalt-im-jhh.de/hp2/index.html

Heimkinder, Heimopfer, Gewalt, Zwangsarbeit, Isolationsfolter, sexueller Missbrauch, Vergewaltigung, Kirche, Diakonie, Caritas, Entschädigung, Wiedergutmachung, Schmerzensgeld, Opferrente

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  1. Nicht die Bundesperpublik als Staat hat den Opfern Schaden zugefügt. Das haben wir alle als Mitglieder der Gemeinchaft der in Deutschland lebenden Menschen getan. Der Staat hat in der Demokratie die Regierungen, die wir wählen. Die Regierung schielt wegen der nächsten Wahlen immer auf uns. Das gilt jedenfalls für so “nebensächliche” Dinge wie den Umgang miteinander. In den Fragen von Krieg und Frieden haben wir natürlich alle nichts zu melden, die werden von außen entschieden, da sind wir entmündigt.

    Als Gesllschaft sind wir seit Generationen auf dem falschen Dampfer gewesen. Kinder hatten kaum Rechte. Prügeln war erlaubt.Erwachsene, die sich an Kindern vergingen, wurden geschont – beileibe nicht nur in kirchlichen Einrichtungen!

    Es ist eine große Befreiung, dass jetzt über diese allgemeinen Missstände gesprochen wird. Das macht es unmöglich, dass wir zu den alten schrecklichen Verhältnissen zurückkommen. Psychisch ist das für die Betroffenen der beste Weg, sich von der Last der alten Geschehnisse endlich zu lösen.

    Wir haben die Prügelstrafe abgeschafft, die Todessstrafe kommt nicht wieder (auch nicht per Volksentscheid), die Gericht sorgen dafür, dass die Säkularisierung nicht mehr abgeschafft wird, Männer schieben heute Kinderwägen und wickeln ihre kleinen Kinder – ist das denn nichts? In diese neue Welt, die sich weiter duchsetzen
    wird, passen keine übergriffe auf Kinder und Jugendliche! Das war früher anders!

    Die für ihr Leben betroffene zu entschädige, ist kaum eine Rechtspflicht, weil es
    dafür nie gestzlich festgelegte Rechtsansprüche gab. Aber moralisch schuldet unsere sonst so verschwenderische Gesllschaft weit mehr als das Taschengeld, das Frau Bergmann akzeptieren will!