Lyrieleison – Neue Lyrik und deren kritische Betrachtung: Teil 87

Ende des übels . . . . . Ernst Tatenfromm aus Heilgenbrück, Als Ombudsmann trat er zurück, Er hat in seinen besten Tagen Als Lehrer schon mal zugeschlagen. Im Heim Sankt Peter Jahr für Jahr, Wo er als Ansprechpartner war Bei seinen Schülern sehr begehrt, Es hat sich jemand dort

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Ernst Tatenfromm aus Heilgenbrück,
Als Ombudsmann trat er zurück,
Er hat in seinen besten Tagen
Als Lehrer schon mal zugeschlagen.

Im Heim Sankt Peter Jahr für Jahr,
Wo er als Ansprechpartner war
Bei seinen Schülern sehr begehrt,
Es hat sich jemand dort beschwert.

Nun schleicht er traurig, seine Frau
Weint sich die Augen rot und blau,
Die Kinder sind schon aus dem Haus,
Mit der Befördrung ist es aus.

Einst hatte er im würdgen Bart
Die Schüler streng um sich geschart,
Latein, das war sein Leibgericht,
Stein´s Erika, sie mocht` ihn nicht.

Man fragte sich, warum er so
Oft schwermütig und selten froh,
Er hatte einem Freund erzählt,
Dass ihn die Sekretärin quält.

Die Leute sah`n ihn manches Mal
Steh`n wie an einem Marterpfahl
Und warteten der Taten wegen
Bei Nacht und selbst bei starkem Regen.

Die Taten waren wunderlich,
Er griff nach Kindern unter sich,
Ja, manche wunderten sich schon,
Die Tochter wurde Diakon.

Jetzt hat ein Richter ihn am Kragen,
Er fragt nach ganz bestimmten Tagen,
Auch seine Frau, sie stellt sich quer,
Bald gibt es dies und das nicht mehr.

Klaus Grunenberg

Kritik

Ein seltsames Gedicht, ein Stück aus einem furchtbaren Leben, denn der Protagonist hatte etwas, an dem er schwer trug. Man sah es zuweilen, reagierte aber nicht, das war ein großer Fehler. Hier wird nun das Geschehen als Gedicht dargestellt, also literarisch,  kurz und prägnant, als wäre von Anfang an schon alles klar gewesen.

Ich weiß nicht, ob man das literarisch einfach so tun sollte. – Der Anfang des Gedichts sagt uns deutlich: hier ist etwas geschehen, das nicht mehr rückgängig zu machen ist. Und so fügt sich schließlich alles folgerichtig zusammen bis zum sich endlich erklärenden Ende.

Wird aber wirklich alles erklärt? Müssen wir unser Bildungssystem nicht überdenken und vollauf ehrlich werden? Wer weiß, vielleicht existiert das “Vorbild” dieses Protagonisten schon in einigen von uns, quasi als “Schläfer”, um in gewisser Zeit aufzuwachen und zu agieren. Die Zeit ist wirklich reif, darüber zu sprechen.

Ed Moercke

Ein fast balladenhaftes Stück Literatur, denke ich, und möchte gerne wissen, ob der Dichter mehrere Fassungen davon hatte, ursprünglich einige Strophen  zusätzlich vorhanden waren, also jetzt etwas weggelassen wurde. Dann könnte man das Gedicht besser verstehen und werkimmanent bewerten. Aber das hier ist wie aus dem Beginn des vorigen Jahrhunderts oder von noch früher her. Hat es nicht gar Kleist`sche Züge und will uns belehren? Gefallen hat mir aber die prägnante Art des Gedichtes, das Eingehen auf erkennbare
Merkmale, die von den “Mitmenschen” einfach übersehen wurden.
Erschütternd ist in diesen Fällen das Zuwarten der geheimen Zeugen. -
Der Hinweis im Namen und im Herkunftsort deutet auf bekannte Situationen, besonders in kirchlichen Institutionen. – In diesem Gedicht ist alles irgendwie kunstvoll verwoben, wird Schreckliches beim Wort genommen und trotzdem mit nötigem Ernst behandelt. Deshalb ist das Gedicht jetzt für mich doch modern, es versucht die inneren Umstände  zu beleuchten und zu helfen, ähnlichen Fällen vorzubeugen.

Mark  Beil – Ritzi

Photo Quelle/Copyright: Jenzig71, via pixelio.de

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