Massagen können mehr als Verspannungen lösen – und das seit tausenden von Jahren
Da wird berührt und betastet, geknetet und gekaut – langsam taucht der Organismus ab. Wir werden weich. Äußerlich wie innerlich kehrt Ruhe ein. Verkrampfungen lösen sich. Der Geist wird frei. Die vom Arabischen über das Französische bis hin zum Griechischen reichenden Wurzeln des Wortes “Massage” werden mit Leben erfüllt. “Unsere Anwendung war erfolgreich, wenn danach das Lächeln aus Ihrem Gesicht nicht mehr verschwinden will”, lautet eine viel zitierte Weisheit, die Eingang in so manche Broschüre zeitgenössischer Wellness-Oasen gefunden hat. Abgedroschenheit kann ihr jedoch nicht vorgeworfen werden. Auf mittlerweile unzählige Weisen können Menschen die Macht der Berührung erleben.
Sie können spüren, wie die Kraft einer Massage weiter reicht als allein auf die behandelte Stelle, sondern sich über den gesamten Organismus ausbreitet und schließlich bis tief hinein in unsere Seele zu strömen beginnt. Nicht ohne Grund gilt sie als das “älteste Heilmittel” der Menschheit, noch heute dem Reflex, schmerzende Stellen des Körpers zu berühren, folgend. Bereits gut 2600 v. Chr. soll der chinesische Arzt Huang-ti um ihre umfassende Wirkung gewusst haben. Doch auch die Ägypter, Griechen und Römer standen dem in Nichts nach. Ihren ersten physiotherapeutischen Gehversuchen und medizinischen Betrachtungen, aber auch opulenten Badehäusern und heilkundlichen Studien folgten turbulente Jahre, die die Kunst der Massage nicht nur zu ihrer Blüte, sondern auch an den Rand des Verschwindens trieben. Erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts kehrt sie als wahrhafte “Massage-Euphorie” auch in die westliche Sphäre zurück. Die akademische Welt hatte mit Institutionen wie dem Schweden Per Henrik Ling, dem später namhafte Verfechter wie Professor Kohlrausch und Emil Vodder folgten, die Hände bereits weit in ihre Richtung ausgestreckt.
Die Qual der Wahl – Welche Massage passt zu mir?
Heute müssen sich Patient und Ruhesuchender gleichermaßen die Frage stellen: Welche Therapie passt am besten zu mir? Oder: Welche Form der Berührung tut mir gerade gut? Denn neben der klassischen, auch als “schwedisch” bekannten Massage, die noch immer unschlagbar bei verkrampften Muskeln und psychischen Formtiefs hilft, haben sich eine Vielzahl an Varianten entwickelt. Aus ihrem kräftigen Streichen, Kneten und Reiben heraus, das selbst große Muskelgruppen wieder geschmeidig werden lässt, können sich Konzentrationen auf einzelne Körperregionen oder der Einsatz verschiedener Materialien ableiten.
Die Reflexzonen-Massage, die von einer Verbindung der Hautzonen mit den inneren Organen ausgeht, darf hier als das bekannteste und heute sogar von der Schulmedizin anerkanntes und praktiziertes Heilverfahren gelten. Bei den Füßen bleiben die Wissenschaftler – ähnlich wie bei der chinesischen Akupunktur und Akupressur – allerdings skeptisch. Ein ganz andere Richtung schlägt diese Spielart ein: “Auf einmal ist mein ganzer Körper voller Klang. Ich spüre die Vibration der Klangschalen in jeder Zelle meines Körpers. Selbst jetzt, nach der Klangmassage habe ich das Gefühl, dass mein Körper noch erfüllt ist von Klang”, entfährt es Patienten, die sich auf die goldenen Geschirre eingelassen haben. Manche von ihnen bleiben in der asiatischen Welt. Sie begeben sich von Kopf bis Fuß in einen Rausch aus aromatischen thailändischen Ölen, deren Ursprünge sich im Aryurveda finden lassen. Andere suchen ihr Heil gleich gänzlich in Neptuns Reich, wenn sie den wohltuenden Druck einer Unterwassermassage auf sich einwirken lassen.
Vielen Moden haben sich Wellness und Therapie bisher unterworfen. Hot Stone oder aktuell Chalcedon-Gewebemassagen, eine faszinierende Verbindung aus Massage, Energiebehandlung und der wohltuenden Kraft der Edelsteine, bestimmen das Bild. Für die “Frischzellenkur für Haut und Muskeln” sind am Ende aber nur zwei Maße wirklich entscheidend: Die Empfehlung des Arztes oder Therapeuten und in aller erster Linie der eigene Bauch.
Photos: Grand Velas Resort, via flickr, Nick J Webb, via flickr
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