Als der Redner geendet hatte, summte und blinkte es Zustimmung aus all den vielen Millionen Kommunikatoren. Diese Rede hatte sich niemand auf dem Planeten entgehen lassen. Ausnahmslos jeder gab am Ende gern seine mentale Zustimmung zum Resumée des Vortragenden. Die Auskünfte waren aber auch so niederschmetternd, dass sich alle sofort über das Vorgehen einig waren und gern wieder von der Kommunikationsplattform abmeldeten um ihren eigenen Dingen nachzugehen.
Der Redner hatte über die Entwicklung der einzigen im ganzen interstellaren Raum bekannten anderen von intelligenten Wesen besiedelten Welt namens Erde berichtet. Endlich hatte man die seltsamen Lautäußerungen, die die offenbar höchst entwickelten Erdenbewohner, die Menschen, ihre verschiedenen Sprachen nennen, voll entschlüsselt und wusste nun, was die Menschen beschäftigte und welche Probleme sie hatten.
Die Beobachter wollten erst gar nicht glauben, was sie mitbekamen.
Die Menschen kannten zwar auch eine Kommunikation. Sie hatten Begriffe für die ihnen erkennbaren Phänomene geschaffen und konnten sich darüber austauschen, wenn es im Vergleich zur bei uns üblichen “integrierten mentalen Abgleichung” auch sehr holprig zuging. Aber unübersehbar war, dass die Menschen auf ihre Weise nur selten zu gemeinsam getragenen Erkenntnissen und Entschlüssen kamen. Sie stritten sich im kleinen Kreis wie auch unter großen Gruppen von ihnen, die sie Völker und Staaten nannten.
Es fing schon damit an, dass jeder Einzelne und jede kleine und größere Gruppe der Menschen sich ein eigenes Bild von der Welt und ihren Erscheinungen machten. Dabei nahmen sie es überhaupt nicht genau. Was sie nicht wussten – und natürlich auch nicht wissen konnten -, machten sie sich einfach vor und erklärten, dass sie von der Richtigkeit ihrer Vorstellungen tief überzeugt wären. Die Summe dieser Selbsterklärungen nannten sie ihren Glauben. Natürlich gab es Tausende solcher Glaubensrichtungen mit den allerabenteuerlichsten Inhalten. Besonders waren viele von ihnen darauf fixiert, vor ihrer irdischen Existenz schon einmal gelebt zu haben. Welche Phantasie! Sie verehrten imaginäre Gottheiten, viele auf einmal oder einzelne übermächtige, und glaubten an alle möglichen Wesen, die natürlich noch nie jemand zu Gesicht bekommen hatte. Die ältesten der Glaubensbewegungen, Religionen genannt, waren auch die, die sich am stärksten in bestimmten Regionen verbreiteten. Die Religionsgemeinschaften übernahmen oft auch die Verwaltung der öffentlichen Interessen in den von ihnen maßgeblich beeinflussten Gegenden oder beeinflussten sie ganz in ihrem Interesse.
Innerhalb solcher religiöser Strukturen hatten die Menschen seit Tausenden von Jahren gegeneinander Krieg geführt.
Man bedenke, für die überzeugung solcher Einbildungen schlugen sie sich wirklich die Schädel ein! Ganze Völker wurden dabei niedergemetzelt. Inzwischen entwickelten die Menschen immer gefährlichere, wenn auch recht grobe Waffen, Explosivgeschosse, gemeine chemische Gifte und kernphysikalsich reagierende Bomben mit großer Kraft, wenn auch nicht vergleichbar mit der Gewalt der uns dienenden Kräfte des Mikrokosmos. Seit Jahrzehnten besteht jetzt die Gefahr, dass die Menschen in ihrem Wahn sich selbst vernichten und den ganzen Planeten Erde zerstören.
Auf der Erde haben sich zudem immer wieder einzelne Menschen oder Gruppen von ihnen in den Besitz der Reichtümer der Erde gesetzt, während die Großzahl der anderen Not litt. Immer läuft es darauf hinaus, dass ein kleiner Teil der Menschen im überfluss lebt, während Millionen auf der anderen Seite hungern und frieren. Es kamen in der Geschichte zwar immer wieder einmal Bewegungen auf, die die Gleichheit der Menschen betonten und allen einen vernünftigen Anteil an den Gütern der Erde zukommen lassen wollten. Immer wieder aber siegte der Egoismus einiger weniger, die die anderen unterdrückten. Die, die im Machkampf überlegen waren, erklärten die weniger ERfolgreichen dann noch für minderwertig, faul und dumm.
Es gab für die Beobachter und für den Redner vor der Versammlung keinen Grund anzunehmen, dass sich an dieser Situation auf der Erde einmal etwas grundlegend ändern sollte. Sie kamen daher zum Schluss, dass die scheinbar höchst entwickelten Wesen auf der Erde, die Menschen, nur in wenigen Bezügen als wirklich intelligent einzustufen sind.
Der Redner schlug der globalen Kommunikationsplattform daher mit dem Ausdruck tiefen Bedauerns vor, die Untersuchung der Erde nicht weiter fort zu setzen, weil den Menschen doch nicht zu helfen sei.
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