Ein origineller und gediegener Weckruf

Wir werden alle von Mangel an Wasser und Nahrung bedroht werden, wenn wir nicht anfangen zu sparen. Das ist ein aufrüttelndes Buch. Wir haben bisher nur gesprochen von Kriegen, die wegen Öl, Diamanten und Wasser ausbrechen können. Aber es kann auch eine Zeit kommen, wenn Nationen in den Krieg ziehen

buchv.jpgWir werden alle von Mangel an Wasser und Nahrung bedroht werden, wenn wir nicht anfangen zu sparen.

Das ist ein aufrüttelndes Buch. Wir haben bisher nur gesprochen von Kriegen, die wegen Öl, Diamanten und Wasser ausbrechen können. Aber es kann auch eine Zeit kommen, wenn Nationen in den Krieg ziehen wegen Phosphat oder Potash (Potassium), damit sie ihre Kinder ernähren können. Die Welt braucht mehr Phosphor, Nitrogen und Phosphat Dünger, als sie natürlich in der Welt zu haben sind. Wir dürfen – so der Autor – uns keine Illusionen machen.Die Düngemittel sind das Öl der globalen Nahrungsindustrie. Es gibt eine klare Abhängigkeit der Nahrungssicherheit für 8,3 Milliarden Menschen im Jahre 2030 von künstlich erzeugtem Dünger. 12 Mio Tonnen Phosphor werden für die Düngemittel im Jahr gebraucht und nur 4 Mio Phosphor Nitrogen werden natürlich erzeugt. Die Landwirte erzeugen heute sieben Mal so viel mit den Düngemitteln als sie das vor 50 Jahren getan haben. Das gilt auch für afrikanische Entwicklungsländer. In Kenya wurde die Nahrungsmittelproduktion durch Dünger an Mais und Bohnen – also den Hauptnahrungsmitteln der Bevölkerung – um das vierfache erhöht.

Der Autor hat alle Facetten der Nahrungsproblematik aufgedröselt in einem Buch, das wissenschaftlich fundiert ist und sich deshalb auch nicht schnell wegliest. Es geht auch um die Vergeudung von Nahrungsmitteln – und wie man sie künftig besser vermeiden kann. Wir sind ja die verschwenderischste Generation in der Geschichte der Menschheit. 60 Mio Briten werfen 20 Mio Tonnen Nahrungsmittel auf den Müllhaufen, 16 Mio in Häusern, Läden, Supermärkten und 4 Mio auf den Bauernhöfen oder beim Transport. Jeder normale Haushalt allein in GB könnte 1000 US Dollar sparen, wenn er im Jahr ein Fünftel dieser Verschwendung eliminieren könnte.

Viel Verschwendung geschieht durch das Haltbarkeitsdatum: Dadurch werden auch sinnlos ein Drittel von Nahrungsmitteln weggeworfen. Bisher klappt es ja immer noch mit der Versorgung der Mehrmillionen Städte mit Wasser und Nahrungsmitteln. Aber mit dem Wasser wird es auf Dauer ebenso schwierig sein wie mit Nahrung. Der Autor erwähnt auch die Regionen, in denen neue Techniken sich durchgesetzt haben mit dem Sparen und Aufbewahren von Wasser z.B. Ein Japaner namens Makoto Murase hat ein neues System  der Wasser Konservierung für Tokyo erfunden und ausgeführt: Skywater. Es wird der städtische Regen und das Wasser bei heftigen Stürmen in unterirdischen Behältern aufgesammelt. Dieses Wasser wird u.a. für die Wasserspülung der Tokyo Toiletten gebraucht. Stadtregen, und dekontaminiertes gebrauchtes Wasser kann wiedergebraucht werden in solchen städtischen Agglomerationen.

Das Buch versteht sich als ein Weckruf. Denn wir wollen in unseren westlichen Breiten nicht begreifen, dass auch uns die Nahrungsmittel- und Wasser-Krise auch mal erreichen kann. Es geht um den Dünger, das neue Öl für die Agrarwirtschaft, es geht um gestörte Wasser, es geht um die Klimakatastrophe. Auf Dauer wird es um eine Erhöhung des Ansehens der Nahrungsmittelproduzenten gehen müssen, die man Farmer oder Bauern nennt.Das sind alles sehr wichtige Bestandteile in einem Buch, das uns vorwirft, dass wir in unserem Technologie und Industrialisierungsrausch die wichtige Voraussetzung unseres überlebens vergessen haben: Die Ernährung.

Die Böden geraten immer stärker in Gefahr, die aber immer wichtiger werden. Das haben alle Städteplaner und Urbanisten noch nicht verstanden. Die neuen aufstrebenden und bevölkerungsreichen asiatischen Länder sind längst dabei, sich Böden in Habenichtseländern Asiens und Afrikas anzueignen und zu kaufen. So hat die Volksrepublik China 1,24 Mio Hektar Land in den Philippinen gekauft und sich sogar 700.000 Hektar in dem südlichen Nachbarland Laos unter den Nagel gerissen. Die Vereinigten Arabischen Emirate haben 900.000 Hektar Land in Pakistan gekauft und 378.000 im Sudan erworben. Wie ja dramatisch bekannt wurde durch einen Regierungssturz hatte sich die südkoreanische Firma Daewoo 1,3 Millionen Hektar Land in Madagaskar durch einen Leasing Vertrag sichern wollen, aber über dieser Geschichte wurde die Regierung gestürzt.

Es ist in den letzten Jahrzehnten viel brauchbares Ackerland durch Erosion degradiert und für den Anbau unfähig gemacht worden. über einen Weltraumsatelliten haben Forschungsinstitute erkannt, dass 13 Prozent des Bodens im Afrika südlich der Sahara erodiert sind, in den asiatischen Ländern Indochina, Myanmar, Malaysia und Vietnam sind es 6 Prozent der Böden. Im Norden und Zentralaustralien beträgt die entsprechen Erosionsmarke 5 Prozent. In den Pampas Südamerikas sind es 3,5 Prozent, die durch Erosion unnütz geworden sind.

Das Buch ist gut geschrieben, es versucht auch einen naturphilosophischen Umschwung einzuläuten.

“Wir schulden einem Kornfeld Respekt, nicht seinetwegen, sondern weil es die Nahrung für die Menschheit produziert”, so zitiert der Autor die berühmte französische Philosophin Simone Weil. Das Buch ist übersichtlich gegliedert. Es handelt zunächst von der speziellen Nahrungsmittelknappheit, die für die Bevölkerung bevorsteht. Es beschreibt die noch aktuelle Gefahr der Wasserknappheit, im nächsten Kapitel die Bodenknappheit, die auf die Menschheit zukommt, die bald 8 Milliarden erreicht haben wird. Es geht um die Klimakatastrophe, die die Möglichkeiten für die Produktion von Nahrung auch einschränken wird.

Im letzten Kapitel gibt der Autor einen möglichen Ausblick auf die Nahrung in der Zukunft. Wir werden eine andere Hungerkatastrophe zu vermeiden haben in der Mitte des 21. Jahrhunderts als die regionale irische Kartoffel-Hungerkatastrophe. Der nächste Hunger wird ein globaler sein. Und solche globalen Herausforderungen verlangen auch globale Lösungen. Die eine Lösung liegt auf der Hand und der Autor bringt sie gebührend im Schlußkapitel zur Geltung: Ein einziger Hektar Land kann 29 mal so viel Nahrung in Form von Gemüse produzieren denn in der Form von Hühnerfleisch, 73 mal so viel denn in Form von Schweinefleisch und 78 mal so viel denn in Form von Rinderfleisch. Das macht die Gemüse Produktion zu der vorherrschenden und privilegierten Form von Nahrungsproduktion in Entwicklungsländern, aber auch bei uns als die Form, in der 2050 die große Hungerkatastrophe verhindert werden kann.

Dem Leser werden praktische Nutzanwendungen am Ende jeden Kapitels vorgestellt. Es ist von daher kein rein akademisches Buch. Im Eingangskapitel heißt es: Vermeide alle Vergeudung von Nahrung. Spare Wasser in deinem Haus, Garten und am Arbeitsplatz. Esse mehr Gemüse und weniger Fleisch, Yoghurt und Öl: Rette den Planeten und vermeide damit den Herzinfarkt. Pflanze auch deine eigene Nahrung und unterstütze die lokale Nahrungsproduktion. Lehre unsere Kinder, das Wasser so hoch zu loben wie die Freiheit.

© Rupert Neudeck 2010

Grünhelme 2010

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