In einem Vorbereitungstreffen der Finanzminister und Zentralbankchefs in Gyeongju, Südkorea, für das Ende November in Seoul stattfindende Treffen der Regierungschefs, wurden erste Ergebnisse erzielt. Man einigte sich auf eine Reform des IWF, der insbesondere den BRIC-Staaten größeren Einfluss als bisher bei den Stimmberechtigungen einräumt. Das stärkt zwar etwas die Legitimität des IWF – die USA und Europa haben jedoch weiterhin eine Mehrheit – lässt aber offen inwieweit dadurch Reformen insbesondere zu einer Ablösung des US-Dollar durch ein System von Sonderziehungsrechten als führender Weltreservewährung eher Erfolg haben könnten. In der Frage der nachhaltigen Stabilisierung der Paritäten des Wechselkurssystems wurden keine Fortschritte erzielt. Es dürfte auf die Regierungschefs im November eine lange Nacht in Seoul warten, wenn es hier zu substantiellen Eignungen kommen soll.
Waffenstillstand im Währungskrieg?
In zunehmendem Maße sind Länder inzwischen dabei ihre Währungen durch offizielle oder verdeckte Interventionen ihrer Zentralbanken hinsichtlich der Wechselkurse zu manipulieren.
Das schlechte Beispiel Chinas löst bereits jetzt eine Fülle von Maßnahmen aus, die nicht nur den Wechselkurs gegenüber dem US-Dollar oder anderen wichtigen Handelspartnern zum eigenen Vorteil abwerten wollen. Mithin findet eine zwar noch milde aber durchaus reale Form des Wechselkurskrieges bereits jetzt statt. Da es keine Einigkeit darüber gibt, welche Wechselkursrelationen denn nun konsensfähig sind, zieht die eine gezielte Abwertung der Währung eines Landes, die der dadurch betroffenen Länder nach sich. Man könnte deshalb bereits jetzt von einem Abwertungswettlauf sprechen.
Weil China seinen Wechselkurs zwar geringfügig gegenüber dem US-Dollar aufwertet, aber gleichzeitig der Wechselkurs des Yuan gegenüber dem Euro, Yen oder der indischen Rupie oder dem brasilianischen Real sinkt, ist mit diesem Realignment gegenüber dem US-Dollar wenig erreicht. Der sogenannte reale effektive Wechselkurs der chinesischen Währung sinkt derzeit, auch wenn er gegenüber dem US-Dollar geringfügig zugelegt hat. Würde man die Kaufkraftparitäten des IWF für den chinesischen Yuan zum US-Dollar zugrundlegen, dann müsste der Yuan bei 3,4 Yuan zum US-Dollar liegen. De facto, d.h. gemessen am nominalen Wechselkurs, liegt der Yuan jedoch derzeit bei 6,6 Yuan je US-Dollar. Mithin eröffnet sich hier ein weites Feld über das Ausmaß und das Tempo einer Wechselkursanpassung mit den Chinesen zu streiten. Und mithin sind selbst die 40% Unterbewertung des Yuan gegenüber dem US-Dollar schon als ein Zugeständnis bezüglich einer radikalen Sicht bezüglich der Kaufkraftparitäten anzusehen.
Mithin ist des Weiteren eine Einigung zwischen den USA und China kaum absehbar. Seit Jahren währt jetzt der Streit zwischen beiden Ländern ohne einen substantiellen Erfolg vorweisen zu können. Zu einer Stabilisierung des chinesischen Außenhandelsüberschusses ist es jedenfalls niemals gekommen, wenn man den ungewollten kurzfristigen Einbruch im vergangenen Jahr einmal beiseite lässt. Selbst im vergangenen Jahr sank zwar der Außenhandelsbilanzüberschuss gegenüber der übrigen Welt, aber relativ stieg er sogar in der Krise. Mithin hat China seinen Anteil am Welthandel auch im Krisenjahr 2009 zu Lasten der übrigen Länder noch steigern können.
Deutschlands Illusion über die Strategie des exportorientierten Wachstums
Die Bundesregierung feiert derzeit das Wunder der Wiederauferstehung der deutschen Wirtschaft. Nach dem dramatischen Einbruch des letzten Jahres beim BIP-Wachstum von -4,7 Prozent, hofft man in diesem Jahr 3,4% plus in der Statistik vorweisen zu können. Damit hätte sich Deutschland als eines der wenigen Länder in Europa wesentlich zügiger erholt. Man ist wieder viel beneideter Musterschüler der EU und strotzt daher vor Selbstbewusstsein. Auch die USA und Japan können einen solchen Aufschwung nicht vorweisen. Von daher mutet das Ansinnen insbesondere der USA, das jetzt erneut auf dem G20-Gipfel vorgetragen wurde, den Handelsbilanzüberschuss durch Oberschranken gemessen am BIP zu begrenzen, geradezu für den Wirtschaftsminister Brüderle als Provokation an. Ihm war es erstmals wegen der fortdauernden gesundheitlichen Probleme von Wolfgang Schäuble, als dessen Vertreter dort aufzutreten, möglich, sich groß in Szene zu setzen. Geithner versus Brüderle, das muss ihm gefallen haben. Planwirtschaft gegen Marktliberalismus, lautet seine Weltsicht. Dass man sich damit zusehends von der US-Regierung isoliert, übersieht er in seiner Hybris. Dabei hätte man in Deutschland allen Grund die Warnzeichen aus den USA, aber auch aus Frankreich – Lagarde warnte ebenfalls vor der deutschen Politik des exportgetriebenen Wirtschaftswachstums Deutschlands zu Lasten anderer EU-Mitgliedsstaaten – ernst zu nehmen. Nicht zuletzt sind Frankreich und die USA, neben China unsere wichtigsten Handelspartner. Wenn man außenpolitisch irreparablen Schaden anrichten wollte, dann sind Merkel und Brüderle auf einem guten Weg. Kaiser Wilhelm lässt grüßen.
In seiner Hybris über den Exporterfolg insbesondere gegenüber China, die Ausfuhren von Deutschland nach China stiegen von 16,2 Mrd. Euro im 1. Halbjahr 2009 auf 25,2 Mrd. Euro im ersten Halbjahr 2010, übersieht man, dass der Handelsbilanzsaldo zwischen Deutschland und China weiterhin negativ ist. Deutschland erzielt seine überschüsse im Außenhandel nicht beim Chinahandel, sondern anderswo, insbesondere in der EU und bei den USA. Die EU27 musste ebenso wie die USA ein sattes Handelsbilanzdefizit gegenüber China hinnehmen. Im Jahr 2008 lag es bei knapp 170 Mill. Euro. Danach fiel es auf 133 Mrd. Euro und steigt jetzt wieder rasant an. Mithin intensiviert sich der Handel zwischen den EU-Mitgliedsländern – und Deutschland ist der größte Profiteur dieser Entwicklung – aber summa sumarum stellt sich die EU27 ähnlich schlecht wie die USA, was den Handelsbilanzausgleich angeht. Da dieser Trend zu einem kumulativen Handelsbilanzungleichgewicht zwischen der EU27 und China seit dessen Beitritt zur WTO unvermindert anhält, kann man ohne große hellseherische Fähigkeiten voraussagen, dass die EU-Mitgliedsländer in eine ähnlich prekäre Lage wie die USA in wenigen Jahren kommen werden. Same same, but not different.
Warum daher die Bundesregierung meint, aus kurzfristigen Interessen der deutschen Industrie heraus sich auf die Seite Chinas schlagen zu müssen, wird Wirtschaftshistorikern in der Zukunft Rätsel aufgeben. Die Zeichen stehen an der Wand, Menetekel. Wer sie nicht zu deuten vermag, den trifft am Ende die Strafe Gottes. Das war schon in der Bibel so, so wird es wieder kommen.
Im Prinzip haben die Finanzminister und Zentralbankchefs die großen Probleme des Realignment von Wechselkursen insbesondere des Yuan an die Regierungschefs weitergeleitet.
http://www.ftd.de/politik/konjunktur/:konjunktur-arbeitgeber-erteilen-lohnerhoehung-absage/50186492.html
Jetzt sollen die eine Lösung finden. Meine Prognose außer einen Formelkompromiss bringen die auch nichts substantielles Zustande.