Würden wirklich alle Gletscher und das Grönlandeis und ein Teil des antarktischen Festlandeises ins Meer rutschen, so könnte innerhalb weniger Generationen der Meeresspiegel um 100 Meter ansteigen. Norddeutschland wurde entsprechend der obigen Abbildung komplett unter Wasser stehen. Dieses ist eine Aussage, welche der Solarenergie-Förderverein Deutschland e.V. (SFV) in einem Vortrag aus dem Jahre 2007 getroffen hat. In wie weit ist diese Aussage zutreffend? Und was erwartet uns wirklich?
Der Referent des SFV (ein studierter Maschinenbauer und Mitbegründer des SFV) führt in seinem Vortrag aus:
“Sie glauben nicht, dass in der Antarktis so viel Eis vorhanden ist?… Die Antarktis ist größer als ganz Europa und sie ist mit einer Eisschicht bedeckt, die an der dicksten Stelle fast fünf Kilometer dick ist. Durchschnittlich beträgt die Dicke etwa 2 Kilometer. Stellen Sie sich Europa von Gibraltar bis Helsinki unter einem 2 km dicken Eispanzer vor! Ich zeige die Karte von Norddeutschland unter Wasser, um uns alle an unsere Verantwortung gegenüber den kommenden Generationen zu erinnern. Ohne Kenntnis dieser Gefahr würden manche Maßnahmen, die unser Verein fordert, sonst nur schwer zu akzeptieren sein. So aber wird jeder verstehen: Wir dürfen unseren Kindern nicht ein versinkendes Land hinterlassen. Und deswegen darf es keine Toleranz mehr gegen die weitere Verbrennung der fossilen Brennstoffe geben. Wer sich für die Entstehung des Treibhauseffektes genauer interessiert, dem empfehle ich den weltberühmten Film von Al Gore, “Eine unbequeme Wahrheit”, der die Zusammenhänge in einfacher Weise für jeden verständlich darstellt. Der Film ist in der Diagnose des Problems hervorragend, aber die Therapievorschläge bleiben ungewiss und ungenügend.”
Die Idee des SFV ist nicht neu. Der Kölner Dom halb unter Wasser. Das war das Titelbild, mit dem das Magazin Spiegel im Jahr 1986 Furore machte.
Es illustrierte die heraufziehende “Klima-Katastrophe”. Ein um 70 Meter erhöhter Meeresspiegel, so die Horrorvision, verschluckt weite Teile Deutschlands. Es erzeugte Angst vor einem bald drohenden Untergang. Aber es war natürlich eine Vision, die extrem überzogen war.
Die Fakten
Tatsächlich reicht das Schmelzwasserpotential aller Gletscher, einschließlich der Gletscher Grönlands und der Antarktis, nur für einen globalen Meeresspiegelanstieg um etwa 70 Meter. (Siehe folgende Abbildung).
Diese Information ist mittlerweile auch zum SFV vorgedrungen und die Grafik mit den 100 Metern Meeresspiegelanstieg wird seit in etwa einem Monat auf der Internetseite des SFV nicht mehr gezeigt.
Des Weiteren wird der Zeitfaktor vom SFV nicht korrekt angegeben. Das komplette Abschmelzen der Gletscher in Grönland und der Antarktis würde nicht in wenigen Generationen von statten gehen, sondern einige Jahrhunderte, bzw. Jahrtausende dauern. (Siehe z.B. Stefan Rahmstorf). Insbesondere in der Antarktis, die sehr isoliert liegt, ist ein Abschmelzen des zentralen Eismassivs sehr unwahrscheinlich. Die Zentralantarktis weist eine Jahresdurchschnittstemperatur von ca. -50 bis -55°C auf. Eine Temperaturerhöhung um mehre zehn Grad wäre notwendig, um das Eis dort oberflächlich zum schmelzen zu bringen. Die nächste Eiszeit wäre sehr wahrscheinlich eingeleutet, bevor das Eis in der Zentralantarktis auch nur ansatzweise abgeschmolzen wäre.
Auch der aktuelle Meeresspiegelanstieg bietet keinen Anlass zur Panik. Der Meeresspiegel steigt aktuell mit ca. 20 bis 30 cm pro Jahrhundert an und damit nicht wesentlich schneller, als in den Jahrhunderten zuvor. Abschmelzendes Grönlandeis und abbrechendes Festlandeis der Antarktis liefert daran einen Beitrag von schätzungsweise (0,42 mm/Jahr) 4 cm pro Jahrhundert. Den Großteil des Meeresanstieges machen die thermische Ausdehnung der Ozeane, sowie der Schmelzwasserwassereintrag der Gebirgsgletscher aus. (Siehe IPCC-Bericht 2007, Tabelle 5.3.):
Eines ist gewiss: Der Meeresspiegel ist seit der letzten Eiszeit um ca. 120-130 Meter angestiegen und wird auch in Zukunft weiter ansteigen – nur wie schnell? 8 – 59 Zentimeter bis zum Ende des Jahrhunderts, schätzte der Weltklimarat IPCC im Jahr 2007, im Jahr 2001 waren es noch 9 – 88 cm. Der Knackpunkt: In den Klimamodellen zum Meeresspiegelanstieg wird nicht die Eisdynamik der polaren Gebiete berücksichtigt, zu unvorhersehbar erscheint diese dem IPCC. “Wir müssen uns auf einen Anstieg des Meeresspiegels um einen Meter noch in diesem Jahrhundert einstellen”, verkündet der Klimaberater der Bundesregierung Prof. Schellnhuber im Jahr 2008, aufgrund neuerer Erkenntnisse. Er verwies auf eine deutlich beschleunigte Schmelze von Grönlandeis und Gletschern. Andere Forscher gehen auf Grundlage neuster Modellrechnungen sogar von einen Meeresspiegelanstieg um 1,5 m bis zum Ende des Jahrhunderts aus. Würde Grönland innerhalb der nächsten Jahrhunderte komplett abschmelzen, dann erwartet uns langfristig gesehen ein Meeresspiegelanstieg von 6-7 Metern. Dieses wäre der Extremfall, welcher vermutlich nie eintreten wird.
Ein solcher Meeresspiegelanstieg von 6-7 Metern – der wie gesagt nicht plötzlich von satten gehen würde, sondern sich über Jahrhunderte hinziehen würde – würde für Deutschland folgendes bedeuten:
Teile von Ostfriesland, Friesland, der Weser-/ Elbmarsch und von Nordfriesland würden überflutet. Der Ostseeraum wäre aufgrund der erhöhten Topographie wenig betroffen. Das Binnenland Deutschlands wäre überhaupt nicht betroffen. Die Bevölkerung an der Nordseeküste hätte Jahrhunderte lang Zeit, um sich auf eine solche Veränderung einzustellen. Küstenschutzmaßnahmen und Umsiedlungsmaßnahmen können langfristig geplant und eingeleitet werden. Anpassungsmaßnahmen wären aufgrund dem seit der letzten Eiszeit ansteigenden Meeresspiegel sowieso von Nöten.
Die Vergangenheit lehrt uns, dass solche Anpassungsmaßnahmen seit mindestens vier Jahrhunderten erfolgreich durchgeführt und umgesetzt werden. Seit 1634 (der Burchardiflut oder Zweite Grote Mandränke) sind keine größeren Landverluste mehr an der deutschen Nordseeküste aufgetreten. Im Gegenteil, man hat durch eingedeichte Polder das früher verschlungene Land dem Meere z. T. wieder abgerungen. Die Holländer leisteten dabei Pionierarbeit. Die Landverluste und die Küstenentwicklung der letzten Jahrhunderte an der deutschen Nordseeküste zeigen die folgenden Abbildungen.


Wollte da nicht letztens einer einen Nordseehafen am Bodensee ?
Da muß er wohl eine Weile warten, der Herr Ehlers….
oder er fängt schon mal an zu buddeln…